Weimarer Republik - Provinzialverband Schleswig-Holsteiner Reit- und Fahrvereine - Siegerpreis

geschwärzte Buntmetallplakette 19,5 x 23 cm mit Bildnis eines nackten Reiters mit Schwert auf Pferd, mit Künstlersignatur " Willibald Fritsch 1929 ", aufgelegt auf eine Marmorplatte 30 x 35 cm, rückseitig mit Marmorständer, 7,4 Kg. Die Marmorplatte hat einige Risse, wurde repariert, sonst insgesamt im guten Zustand.

Willibald Fritsch (* 16. Mai 1876 in Berlin; † Juli 1948 in Berlin-Charlottenburg[1]) war ein deutscher Bildhauer. Ab 1900 stellte er auf der großen Berliner Kunstausstellung Bildnisbüsten und Kleinbronzen aus, wie jene der deutschen Kaiserin Auguste Viktoria und des Kronprinzen Wilhelm. 1910 präsentierte er einen Denkmalentwurf Peters des Großen für die Stadt Riga, wobei dieses Denkmal jedoch nicht ausgeführt wurde. Fritsch schuf im Laufe seines Lebens weitere Denkmäler, wie das Grabenseedenkmal in Hannover (1919), das Rennreiterdenkmal in Berlin-Karlshorst (1925), die Georg von Lehndorff-Herme in Hoppegarten bei Berlin sowie ein Reiterdenkmal des Prinzen Sigismund von Preußen in Klein Flottbek bei Hamburg.
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450,00

Weimarer Republik - Provinzialverband Schleswig-Holsteiner Reit- und Fahrvereine - Siegerpreis

Historischer Kontext: Reit- und Fahrvereine in Schleswig-Holstein während der Weimarer Republik

Die vorliegende Plakette von Willibald Fritsch aus dem Jahr 1929 repräsentiert einen bedeutenden Aspekt der deutschen Vereinskultur während der Weimarer Republik. Sie wurde als Siegerpreis vom Provinzialverband Schleswig-Holsteiner Reit- und Fahrvereine verliehen und dokumentiert die Kontinuität traditioneller Pferdesportkultur in einer Zeit tiefgreifender politischer und gesellschaftlicher Umbrüche.

Die Weimarer Republik (1918-1933) erlebte trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten und politischer Instabilität eine Blütezeit des Vereinswesens. Reit- und Fahrvereine hatten in Deutschland eine lange Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichte. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zusammenbruch der Monarchie mussten sich diese Vereine neu orientieren. Während militärische Aspekte in den Hintergrund traten, gewannen sportliche und züchterische Elemente an Bedeutung.

Der Provinzialverband Schleswig-Holstein organisierte als Dachverband zahlreiche lokale Reit- und Fahrvereine in der nördlichsten preußischen Provinz. Schleswig-Holstein hatte eine besondere Bedeutung für die deutsche Pferdezucht, insbesondere für das Holsteiner Warmblut, eine der ältesten deutschen Pferderassen. Die Region war traditionell landwirtschaftlich geprägt, und Pferde spielten sowohl in der Wirtschaft als auch im gesellschaftlichen Leben eine zentrale Rolle.

Die künstlerische Gestaltung der Plakette durch Willibald Fritsch (1876-1948) fügt sich in sein Gesamtwerk ein. Fritsch war ein renommierter Berliner Bildhauer, der sich auf Reiter- und Pferdedarstellungen spezialisiert hatte. Sein bekanntestes Werk war das Rennreiterdenkmal in Berlin-Karlshorst von 1925, das die Bedeutung des Pferdesports in der Weimarer Gesellschaft dokumentiert. Fritsch arbeitete sowohl für private Auftraggeber als auch für öffentliche Institutionen und schuf zahlreiche Denkmäler, Büsten und Plaketten.

Die Darstellung eines nackten Reiters mit Schwert auf dieser Plakette ist symbolisch zu verstehen. Sie greift auf klassische, antike Vorbilder zurück und verbindet den zeitgenössischen Reitsport mit heroischen Idealen. Diese neoklassizistische Formensprache war in den 1920er Jahren weit verbreitet und sollte zeitlose Werte wie Mut, Kraft und Beherrschung symbolisieren. Die Nacktheit des Reiters verweist auf griechisch-römische Traditionen und die Idealisierung des menschlichen Körpers.

Siegerpreise in Form von Plaketten, Pokalen oder Statuen waren im Vereinswesen der Weimarer Republik üblich. Sie dienten nicht nur als sportliche Auszeichnung, sondern auch als Prestigeobjekte, die den Status des Siegers und die Bedeutung des Wettbewerbs unterstrichen. Die Verwendung von Buntmetall (meist Bronze oder Messing) und die aufwendige Montage auf einer Marmorplatte zeigen die Wertschätzung, die solchen Preisen entgegengebracht wurde.

Die Vereinskultur der Weimarer Republik war komplex. Einerseits boten Vereine Raum für unpolitische Freizeitgestaltung und soziale Integration. Andererseits waren viele Vereine, insbesondere im Bereich des Reitsports, traditionell konservativ geprägt. Der Adel und das gehobene Bürgertum dominierten häufig diese Organisationen, und militärische Traditionen blieben unterschwellig präsent, obwohl der Versailler Vertrag Deutschland strenge Beschränkungen auferlegte.

Das Jahr 1929, in dem diese Plakette entstand, markiert einen Wendepunkt in der deutschen Geschichte. Es war das letzte Jahr relativer wirtschaftlicher Stabilität vor der Weltwirtschaftskrise, die im Oktober mit dem Börsenkrach in New York begann. Die folgenden Jahre sollten das Vereinswesen und die gesamte deutsche Gesellschaft tiefgreifend verändern. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 wurden viele Vereine gleichgeschaltet oder aufgelöst.

Objekte wie diese Plakette sind heute wichtige historische Dokumente. Sie vermitteln Einblicke in die Alltagskultur, die regionalen Traditionen und die künstlerischen Strömungen der Weimarer Republik. Die Verbindung von Sport, Kunst und regionalem Vereinswesen zeigt die Vielschichtigkeit dieser Epoche jenseits der bekannten politischen Ereignisse. Für Sammler und Historiker sind solche Stücke wertvoll, da sie die Kontinuitäten und Brüche zwischen Kaiserreich, Weimarer Republik und der folgenden Zeit dokumentieren.