Deutsches Reich 1871-1918 Goldene Taschenuhr als Ehrengeschenk Kaiser Wilhelms II. an «Kapitän Victor August Jacobi»

Die Taschenuhr mit goldenem Gehäuse mit emaillierten Ziffernblatt mit kleiner Sekunde, das Ankerwerk funktionstüchtig. Der Deckel außen mit der Reichskrone und der Chiffre «WII», innen mit dem Reichsgoldstempel mit der Reichskrone im Sonnenkreis, darunter dem Goldgehalt «0,585» und daneben das "Große Eichhörnchen" (Mindestgoldgehalt 14 Karat), weiter unten der Stempel «B&H» (Brandt & Hofmann, Biel, Schweiz) mit der Nummer «115893» darunter. Die Uhrwerksabdeckung außen mit der Widmung «Wir Wilhelm von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser König von Preussen bewilligen diese Anerkennung dem Kapitän Victor August Jacobi für die der Besatzung des deutschen Dampfers "Thasos" in Seenot geleistete Hilfe.», die Abdeckung innen mit dem Stempel «Metal» und der Nummer «115893». Das Uhrwerk gestempelt «207006». Voll funktionstüchtig, Zustand 2.
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4.500,00

Deutsches Reich 1871-1918 Goldene Taschenuhr als Ehrengeschenk Kaiser Wilhelms II. an «Kapitän Victor August Jacobi»

Die goldene Taschenuhr für Kapitän Victor August Jacobi repräsentiert eine bedeutende Kategorie kaiserlicher Ehrengeschenke aus der Regierungszeit Kaiser Wilhelms II. (1888-1918). Solche Auszeichnungen wurden vom deutschen Kaiserreich an Personen verliehen, die sich durch besondere Verdienste, Tapferkeit oder Dienste für das Reich ausgezeichnet hatten.

Die wilhelminische Ära war geprägt von einem ausgeprägten System der Ehrungen und Auszeichnungen. Neben militärischen Orden und zivilen Ehrenzeichen spielten persönliche Geschenke des Kaisers eine wichtige Rolle in der Anerkennungskultur des Deutschen Reiches. Goldene Taschenuhren waren besonders geschätzte Ehrengeschenke, die an Personen aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten verliehen wurden – von Militärangehörigen über Diplomaten bis hin zu Zivilisten, die sich durch außergewöhnliche Leistungen hervorgetan hatten.

Die vorliegende Uhr wurde Kapitän Victor August Jacobi für die Rettung der Besatzung des deutschen Dampfers "Thasos" in Seenot verliehen. Seenotrettungen hatten in der kaiserlichen Marine und der deutschen Handelsmarine eine besondere Bedeutung. Die rapide Expansion der deutschen Handelsflotte unter Wilhelm II., der eine ambitionierte Weltpolitik und den Ausbau der deutschen Seemacht verfolgte, führte dazu, dass Deutschland zunehmend auf sichere Seewege und gegenseitige Hilfe zwischen Schiffen angewiesen war. Die Kaiserliche Marine wuchs zwischen 1888 und 1914 zu einer der mächtigsten Seestreitkräfte der Welt heran, und parallel dazu expandierte auch die deutsche Handelsflotte erheblich.

Die Widmungsinschrift auf der Uhr folgt der typischen Formulierung kaiserlicher Ehrengeschenke: "Wir Wilhelm von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser König von Preussen bewilligen diese Anerkennung..." Diese Formel unterstreicht den Anspruch des Kaisers auf göttliche Legitimation seiner Herrschaft und folgt einer jahrhundertealten Tradition preußischer und deutscher Herrschertitel. Die persönliche Form der Verleihung durch den Kaiser selbst verlieh solchen Auszeichnungen besonderen Wert und Prestige.

Die technische Ausführung der Uhr entspricht den hohen Standards kaiserlicher Geschenke. Das Gehäuse trägt den Reichsgoldstempel mit einem Goldgehalt von 0,585 (entsprechend 14 Karat) sowie das Zeichen des "Großen Eichhörnchens", das die Einhaltung des Mindestgoldgehalts garantierte. Die Uhr wurde von Brandt & Hofmann aus Biel in der Schweiz hergestellt, einer renommierten Uhrenmanufaktur, die für ihre Qualitätsarbeit bekannt war. Die Schweizer Uhrenindustrie hatte im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert einen exzellenten Ruf und lieferte auch an europäische Höfe und Regierungen.

Der Deckel der Uhr ist mit der Reichskrone und der kaiserlichen Chiffre "WII" verziert, was die Uhr eindeutig als kaiserliches Geschenk ausweist. Solche Monogramme waren ein wichtiges Element der visuellen Repräsentation kaiserlicher Macht und wurden auf allen offiziellen Geschenken und Auszeichnungen angebracht.

Die Verleihung von Ehrengeschenken für Seenotrettungen hatte auch eine praktische Dimension. Sie sollte Kapitäne und Seeleute ermutigen, in Notfällen Hilfe zu leisten, was angesichts der Gefahren der Seefahrt im frühen 20. Jahrhundert von großer Bedeutung war. Vor der Etablierung moderner Kommunikations- und Rettungssysteme waren Schiffe in Seenot oft auf die Hilfe anderer Schiffe angewiesen, die zufällig in der Nähe waren.

Der deutsche Dampfer "Thasos" war vermutlich ein Handelsschiff der deutschen Handelsmarine. Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg war geprägt von einem intensiven Wettbewerb der europäischen Mächte um Handelsrouten und Kolonialbesitz. Deutsche Dampfer waren auf allen Weltmeeren unterwegs und transportierten Waren zwischen Europa, Afrika, Asien und Amerika.

Solche Ehrengeschenke sind heute wichtige historische Artefakte, die Einblick in das Ehrensystem und die Anerkennungskultur des Deutschen Kaiserreichs geben. Sie dokumentieren nicht nur die persönliche Geschichte ihrer Träger, sondern auch die Werte und Prioritäten der wilhelminischen Gesellschaft. Die Tatsache, dass die Uhr voll funktionstüchtig erhalten ist, unterstreicht sowohl die Qualität der Handwerkskunst als auch die sorgfältige Aufbewahrung durch die Besitzer über mehr als ein Jahrhundert hinweg.

Die Regierungszeit Wilhelm II. endete 1918 mit der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg und der nachfolgenden Novemberrevolution. Der Kaiser dankte ab und ging ins niederländische Exil, womit die Tradition kaiserlicher Ehrengeschenke ihr Ende fand. Objekte wie diese Taschenuhr sind somit Zeugnisse einer untergegangenen Epoche deutscher Geschichte.