Reichssportabzeichen DRL in Bronze mit der Miniatur
Das Reichssportabzeichen des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen (DRL) stellt eines der bedeutendsten sportlichen Auszeichnungen des Dritten Reiches dar. Die hier vorliegende Ausführung in Bronze, hergestellt von der renommierten Firma Wernstein aus Jena, verkörpert die systematische Verbindung von Sport und staatlicher Ideologie in der Zeit zwischen 1933 und 1945.
Das Reichssportabzeichen wurde bereits in der Weimarer Republik im Jahr 1921 als Deutsches Turn- und Sportabzeichen eingeführt. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 erfolgte eine Umgestaltung und Umbenennung. Der Deutsche Reichsbund für Leibesübungen, unter der Leitung von Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten, reformierte das Abzeichen grundlegend und machte es zu einem zentralen Element der nationalsozialistischen Körperkultur.
Die Ausführung in Bronze stellte die erste von drei Stufen dar, gefolgt von Silber und Gold. Um das Abzeichen zu erwerben, mussten die Bewerber in verschiedenen Disziplinen Leistungsnachweise erbringen: Leichtathletik, Schwimmen und weitere sportliche Übungen. Die Anforderungen waren nach Alter und Geschlecht gestaffelt und sollten die körperliche Ertüchtigung der gesamten Bevölkerung fördern.
Die Markierung “D.R.G.M. 35269” steht für “Deutsches Reichsgebrauchsmuster” und weist auf den rechtlichen Schutz des Designs hin. Diese Kennzeichnung war im Deutschen Reich üblich und dokumentiert die offizielle Registrierung des Musters beim Patentamt. Die Firma Wernstein in Jena gehörte zu den autorisierten Herstellern solcher staatlichen Auszeichnungen und war für die Qualität ihrer Produkte bekannt.
Das Abzeichen selbst zeigt typischerweise das stilisierte Symbol mit Hakenkreuz im Eichenkranz, umgeben von der Inschrift, die es als Reichssportabzeichen kennzeichnet. Die Befestigung erfolgte mittels einer Nadel auf der Rückseite, was das Tragen an der Zivilkleidung ermöglichte. Das Reichssportabzeichen durfte sowohl in Uniform als auch in Zivilkleidung getragen werden und genoss hohes gesellschaftliches Ansehen.
Die beiliegende 17 mm Miniatur stellt eine besondere Ergänzung dar. Miniaturen wurden vor allem zu gesellschaftlichen Anlässen und beim Tragen von Abendgarderobe verwendet, wenn das reguläre Abzeichen als zu groß empfunden wurde. Die Miniatur an langer Nadel konnte an Smokings, Fracks oder festlicher Damenkleidung befestigt werden. Die Tatsache, dass auch die Miniatur die Herstellermarkierung Wernstein Jena trägt, belegt die Zusammengehörigkeit des Sets und die durchgängige Qualität der Fertigung.
Während der NS-Zeit wurde das Reichssportabzeichen massenhaft verliehen. Besonders in der Wehrmacht, der SS und anderen Organisationen des Regimes wurde der Erwerb des Abzeichens gefördert oder teilweise sogar vorausgesetzt. Die sportliche Betätigung wurde als Vorbereitung auf den Wehrdienst verstanden und ideologisch überhöht. Dennoch behielt das Abzeichen auch einen zivilen Charakter und wurde von Männern und Frauen aus allen Bevölkerungsschichten erworben.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 wurde das Reichssportabzeichen aufgrund seiner nationalsozialistischen Symbolik zunächst verboten. Allerdings erkannte man bald die sportliche Leistung, die hinter dem Erwerb stand, grundsätzlich an. In der Bundesrepublik Deutschland wurde 1952 das Deutsche Sportabzeichen eingeführt, das in seinen Grundzügen auf der Tradition des Reichssportabzeichens basiert, jedoch von allen nationalsozialistischen Symbolen befreit wurde. Träger des alten Reichssportabzeichens konnten unter bestimmten Bedingungen das neue Deutsche Sportabzeichen erwerben, wobei frühere Leistungen teilweise anerkannt wurden.
Aus sammlerischer und historischer Perspektive sind Reichssportabzeichen mit Herstellermarkierungen und zugehörigen Miniaturen heute gesuchte Zeitdokumente. Sie illustrieren die Durchdringung des Alltags durch staatliche Symbolik und die systematische Förderung körperlicher Ertüchtigung im Dritten Reich. Die Qualität der Ausführung durch etablierte Hersteller wie Wernstein zeigt zudem das handwerkliche Können der deutschen Metallindustrie jener Zeit.
Für Sammler und Historiker ist bei solchen Objekten stets der rechtliche Rahmen zu beachten. In Deutschland und anderen Ländern unterliegen Gegenstände mit Hakenkreuz-Symbolik besonderen gesetzlichen Bestimmungen. Die Ausnahmen für Kunst, Wissenschaft und Aufklärung sowie für Sammlungen zeitgeschichtlicher Objekte sind zu berücksichtigen.