III. Reich - Originalunterschrift von Reichskriegsminister Werner von Blomberg auf einer Anstellungsurkunde
Die vorliegende Anstellungsurkunde aus dem Jahr 1936 trägt die Originalunterschrift des Reichskriegsministers Werner von Blomberg und dokumentiert die Ernennung eines Hauptmanns der Ergänzung (E) zum Wehrbezirksoffizier in Osterburg. Dieses Dokument repräsentiert einen bedeutenden Moment in der Militärgeschichte des Dritten Reiches und spiegelt die administrative Reorganisation der Wehrmacht in der Aufrüstungsphase wider.
Werner von Blomberg (1878-1946) war von 1933 bis 1938 Reichskriegsminister und Oberbefehlshaber der Wehrmacht. Als einer der ersten hochrangigen Militärs, der Adolf Hitler unterstützte, spielte er eine entscheidende Rolle beim Aufbau der neuen Wehrmacht nach der Umbenennung der Reichswehr im Jahr 1935. Seine Amtszeit war geprägt von der massiven Aufrüstung und der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht am 16. März 1935, die einen klaren Bruch des Versailler Vertrages darstellte.
Das Jahr 1936, in dem diese Urkunde ausgestellt wurde, war für die Wehrmacht ein Jahr intensiver Expansion. Nach der offiziellen Verkündung der Wehrmacht im Jahr 1935 befand sich die Organisation in einer Phase des rasanten Wachstums. Die Truppenstärke wurde erheblich erhöht, neue Divisionen aufgestellt und das gesamte militärische Verwaltungssystem musste entsprechend erweitert werden.
Die Position eines Wehrbezirksoffiziers war von besonderer Bedeutung im militärischen Verwaltungssystem des Dritten Reiches. Diese Offiziere waren Teil des Wehrersatzwesens, das für die Rekrutierung, Erfassung und Einberufung von Wehrpflichtigen zuständig war. Deutschland war in verschiedene Wehrkreise unterteilt, die wiederum in kleinere Wehrbezirke gegliedert waren. Jeder Wehrbezirk verfügte über ein Wehrbezirkskommando, das von einem Wehrbezirksoffizier geleitet wurde.
Die Bezeichnung Hauptmann (E) steht für Hauptmann der Ergänzung. Dies bedeutete, dass der betreffende Offizier der Ergänzungsreserve angehörte, also nicht zum aktiven Dienst gehörte, sondern für administrative und Ausbildungsaufgaben im Rahmen des Wehrersatzwesens eingesetzt wurde. Diese Offiziere waren häufig erfahrene Veteranen des Ersten Weltkrieges, die aufgrund ihres Alters oder ihrer Eignung für Verwaltungsaufgaben in dieser speziellen Funktion dienten.
Osterburg, der in der Urkunde genannte Dienstort, liegt in der Altmark in Sachsen-Anhalt und gehörte zum Wehrkreis XI mit Sitz in Hannover. Die Einrichtung solcher Wehrbezirkskommandos auch in kleineren Städten zeigt die flächendeckende Organisation des militärischen Verwaltungsapparates.
Die Ausstellung in Berlin am 23. Juli 1936 unterstreicht die zentrale Bedeutung dieser Ernennung. Anstellungsurkunden für Wehrbezirksoffiziere wurden im Reichskriegsministerium in der Bendlerstraße in Berlin ausgefertigt und trugen die persönliche Unterschrift des Reichskriegsministers. Dies verlieh dem Dokument besondere Autorität und rechtliche Gültigkeit.
Die Tintensignatur von Blombergs auf solchen Dokumenten ist charakteristisch für die Zeit. Die Unterschrift wurde mit Füllfederhalter ausgeführt und zeigt die typische Handschrift des Feldmarschalls. Von Blomberg signierte täglich zahlreiche Dokumente, was seine zentrale Rolle in der militärischen Administration unterstreicht.
Formal waren diese Urkunden nach einheitlichen Standards gestaltet. Sie enthielten typischerweise das Hoheitszeichen des Deutschen Reiches (Adler mit Hakenkreuz), den offiziellen Briefkopf des Reichskriegsministeriums, den Ernennungstext mit Namen und Dienstgrad des Ernannten, die Dienstbezeichnung und den Dienstort sowie Datum und Unterschrift des Ministers. Das DIN-A4-Format entsprach den damaligen Verwaltungsstandards.
Der historische Kontext von 1936 ist auch durch die Rheinlandbesetzung im März desselben Jahres und die Olympischen Spiele in Berlin im August geprägt. Diese Ereignisse markierten Hitlers zunehmend aggressive Außenpolitik und den Versuch, das Dritte Reich international zu präsentieren.
Von Blombergs Karriere endete 1938 abrupt durch die sogenannte Blomberg-Fritsch-Krise, als seine Heirat mit einer Frau mit angeblich kompromittierender Vergangenheit zum Skandal wurde. Hitler nutzte diese Gelegenheit, um die militärische Führungsstruktur umzugestalten und selbst die direkte Kontrolle über die Wehrmacht als Oberbefehlshaber zu übernehmen.
Solche Dokumente sind heute wichtige historische Quellen für die Erforschung der Militärgeschichte des Dritten Reiches. Sie dokumentieren nicht nur administrative Vorgänge, sondern auch die Strukturen und Hierarchien der Wehrmacht sowie die persönliche Involvierung hochrangiger Funktionsträger in alltägliche Verwaltungsvorgänge.