Kriegsmarine weisse Klapphose für Mannschaften

aus Baumwolle, mit Kammerstempel "B.A.W 14.6.39" sowie Stammrollennummer "N2691/37/S". Größenstempel " 80 80".  Bundumfang ca.78 cm, Länge ca. 110 cm. Knöpfe fehlen. Zustand 2-.
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290,00

Kriegsmarine weisse Klapphose für Mannschaften

Die weiße Klapphose der Kriegsmarine war ein charakteristisches Kleidungsstück der deutschen Kriegsmarine während des Zweiten Weltkriegs und repräsentiert die maritime Tradition der deutschen Seestreitkräfte. Diese spezielle Uniformhose für Mannschaften war Teil der Sommeruniform und wurde hauptsächlich in wärmeren Klimazonen sowie bei repräsentativen Anlässen getragen.

Die Konstruktion dieser Hose folgte den Bekleidungsvorschriften der Kriegsmarine, die in den 1930er Jahren standardisiert wurden. Die Bezeichnung “Klapphose” bezieht sich auf die charakteristische vordere Klappe (auch Hosenschlitz genannt), die mit Knöpfen verschlossen wurde. Diese traditionelle Bauweise hatte ihren Ursprung in der Seemannstradition des 19. Jahrhunderts und bot praktische Vorteile für Seeleute, die häufig in beengten Verhältnissen arbeiten mussten.

Das vorliegende Exemplar trägt den Kammerstempel “B.A.W 14.6.39”, der auf die Bekleidungsabgabe am 14. Juni 1939 hinweist, also nur wenige Monate vor Beginn des Zweiten Weltkriegs im September 1939. Die Abkürzung B.A.W steht für Bekleidungsamt der Werft oder eine ähnliche Einrichtung der Marinebekleidungsverwaltung. Die Stammrollennummer “N2691/37/S” identifizierte den individuellen Matrosen in den Personalunterlagen der Marine und ermöglichte eine genaue Zuordnung der ausgegebenen Ausrüstungsgegenstände.

Die weiße Sommeruniform der Kriegsmarine hatte eine lange Tradition in der deutschen Marine. Bereits in der Kaiserlichen Marine war die weiße Uniform für tropische Einsätze und Sommerperioden vorgeschrieben. Nach der Wiedergründung der deutschen Marine in den 1930er Jahren übernahm die Kriegsmarine viele dieser Traditionen. Die Materialwahl von Baumwolle war aus praktischen Gründen ideal: Der Stoff war atmungsaktiv, relativ robust und ließ sich gut reinigen – wichtige Eigenschaften für die maritimen Einsatzbedingungen.

Der Größenstempel “80 80” entspricht dem standardisierten Größensystem der Wehrmacht und Kriegsmarine. Die erste Zahl bezog sich typischerweise auf den Bundumfang, die zweite auf die Körpergröße oder Beinlänge. Das metrische Größensystem ermöglichte eine effiziente Massenproduktion und Verteilung der Uniformen an Hunderttausende von Soldaten und Matrosen.

Die Produktion solcher Uniformteile erfolgte in zahlreichen Bekleidungswerken und bei privaten Zulieferern im gesamten Deutschen Reich. Mit der Aufrüstung der Kriegsmarine in den späten 1930er Jahren mussten enorme Mengen an Uniformen und Ausrüstung hergestellt werden. Die Marine wuchs von etwa 15.000 Mann im Jahr 1935 auf über 400.000 Mann bis 1939. Diese rasante Expansion erforderte eine gut organisierte Logistik und Bekleidungsverwaltung.

Die weiße Uniform wurde hauptsächlich getragen von Besatzungen auf Überwasserschiffen, bei Landgängen in südlichen Häfen und während offizieller Zeremonien im Sommer. Für U-Boot-Besatzungen und in nördlichen Gewässern war sie weniger gebräuchlich. Die Pflege der weißen Uniform erforderte erheblichen Aufwand, da die Sauberkeit streng kontrolliert wurde und Teil der maritimen Disziplin war.

Das Fehlen der Knöpfe bei diesem Exemplar ist typisch für erhaltene Uniformstücke aus dieser Zeit. Nach Kriegsende wurden Metallknöpfe häufig entfernt, da sie Sammlerwert besaßen oder das Metall anderweitig verwendet werden konnte. Die Knöpfe der Kriegsmarine trugen oft den charakteristischen Reichsadler mit Hakenkreuz und Anker, was sie zu begehrten Einzelstücken machte.

Die Stammrollennummer verbindet dieses Kleidungsstück mit einem individuellen Schicksal. Jeder Matrose wurde bei seiner Einstellung in die Stammrolle aufgenommen, ein Dokument, das alle persönlichen Daten, Dienstgrade, Einsätze und Auszeichnungen verzeichnete. Die Nummer ermöglichte theoretisch die Rückverfolgung zum ursprünglichen Träger, obwohl viele dieser Dokumente im Krieg verloren gingen oder zerstört wurden.

Solche Uniformstücke sind heute wichtige Zeitzeugen der Militärgeschichte und ermöglichen Einblicke in den Alltag der einfachen Soldaten. Sie dokumentieren die materielle Kultur, Produktionsstandards und organisatorischen Systeme der Wehrmacht. Gleichzeitig mahnen sie an die dunkle Geschichte des Nationalsozialismus und den verheerenden Zweiten Weltkrieg, der Millionen Menschenleben kostete.