Luftwaffe Felddivision Stahlhelm M 35 mit Tarnlackierung und 2 Emblemen 

Tarnlackierung in sandfarben und grün, Lackierung zu ca. 70 % erhalten, Hoheitsadler und Nationalschild sind frei. Glocke ist innen seitlich mit "EF64" und im Nacken mit "20211" markiert. Futter am Aluminiumring, der Kinnriemen markiert mit "Spring... Berlin 193?", Größe ca. 57, Zustand 2-.
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3.800,00

Luftwaffe Felddivision Stahlhelm M 35 mit Tarnlackierung und 2 Emblemen 

Der Stahlhelm M35 mit Tarnlackierung und den Emblemen der Luftwaffen-Felddivisionen repräsentiert ein bedeutendes Kapitel der deutschen Militärgeschichte während des Zweiten Weltkriegs. Dieser Helmtyp vereint die technische Entwicklung der deutschen Stahlhelme mit der spezifischen Geschichte der Luftwaffen-Felddivisionen, die eine außergewöhnliche organisatorische Anomalie im deutschen Militärwesen darstellten.

Das Modell 35 wurde 1935 als Nachfolger des M16/18 eingeführt und stellte eine Weiterentwicklung des klassischen deutschen Stahlhelms dar. Die wichtigsten Änderungen betrafen die vereinfachte Fertigung und die reduzierte Größe der charakteristischen seitlichen Lüftungsöffnungen. Der Helm wurde aus einem Stück Chrom-Nickel-Stahl in einem mehrstufigen Tiefziehverfahren gefertigt, was ihm seine charakteristische Form und hohe Schutzwirkung verlieh.

Die Kennzeichnung “EF64” verweist auf den Hersteller Emaillierwerke AG Fulda, ein Unternehmen, das während des Krieges in großem Umfang Stahlhelme produzierte. Die Nummer 64 identifiziert diesen Hersteller eindeutig im System der Herstellercodes der Wehrmacht. Die zusätzliche Chargennummer im Nacken diente der Qualitätskontrolle und Rückverfolgbarkeit der Produktion.

Die Tarnlackierung in sandfarben und grün entspricht den Tarnmustern, die ab 1940 zunehmend bei deutschen Stahlhelmen zur Anwendung kamen. Diese Lackierungen wurden oft im Feld oder in lokalen Werkstätten aufgebracht, um die Helme an die jeweiligen Einsatzgebiete anzupassen. Die Kombination aus Sand und Grün deutet auf einen Einsatz in gemischten Klimazonen hin, möglicherweise in Nordafrika oder Südeuropa, wo beide Farbtöne zur Tarnung notwendig waren.

Das Hoheitsadler-Emblem und das Nationalschild in den schwarz-weiß-roten Reichsfarben waren die standardmäßigen Abzeichen der Wehrmacht. Besonders bemerkenswert ist hier die Zuordnung zu den Luftwaffen-Felddivisionen, die ab 1942 auf Befehl von Reichsmarschall Hermann Göring aufgestellt wurden. Diese Divisionen waren ein einzigartiges Phänomen: Obwohl sie als Bodentruppen eingesetzt wurden, unterstanden sie organisatorisch der Luftwaffe und nicht dem Heer.

Die Luftwaffen-Felddivisionen entstanden aus überzähligem Luftwaffenpersonal, das nach den großen Verlusten an der Ostfront als Infanterie eingesetzt werden sollte. Zwischen 1942 und 1943 wurden insgesamt 22 dieser Divisionen aufgestellt. Ihre Soldaten trugen Luftwaffenuniformen und -ausrüstung, kämpften aber in Bodenoperationen. Diese organisatorische Besonderheit führte zu erheblichen Problemen in der militärischen Effektivität, da das Personal meist keine ausreichende Infanterieausbildung besaß.

Der Kinnriemen mit der Markierung “Spring... Berlin 193?” verweist auf einen Berliner Hersteller von Lederausrüstung. Solche Markierungen waren Standard bei Wehrmacht-Ausrüstung und ermöglichen heute die Identifikation der Zulieferer. Die Datierung in die späten 1930er Jahre zeigt, dass Komponenten aus der Vorkriegsproduktion oft über Jahre hinweg verwendet wurden.

Das Aluminium-Futterring-System war charakteristisch für den M35 und unterschied ihn von späteren Modellen. Der Ring hielt das Lederfutter, das aus mehreren Segmenten bestand und für Tragekomfort und Stoßdämpfung sorgte. Die Größe 57 entspricht einem Kopfumfang von etwa 57 Zentimetern und war eine gängige Größe.

Die meisten Luftwaffen-Felddivisionen wurden an der Ostfront eingesetzt, wo sie schwere Verluste erlitten. Ihre mangelhafte Ausbildung für den Bodenkampf und die unzureichende Ausrüstung führten dazu, dass viele dieser Einheiten bereits 1943/44 aufgelöst oder in Heeresdivisionen umgewandelt wurden. Der Einsatz dieser Divisionen gilt als Beispiel für die zunehmende Ineffizienz und die internen Machtkämpfe innerhalb der NS-Führung.

Stahlhelme mit nachweislicher Zuordnung zu den Luftwaffen-Felddivisionen sind heute von besonderem historischem Interesse, da sie eine kurze, aber bedeutsame Episode der Kriegsgeschichte dokumentieren. Die Erhaltung der originalen Tarnlackierung zu etwa 70 Prozent macht dieses Exemplar zu einem authentischen Zeugnis der damaligen Zeit, das sowohl die materielle Kultur als auch die militärischen Praktiken des Zweiten Weltkriegs widerspiegelt.