Deutsches Turn- und Sportabzeichen 1919-1934 DRA in Bronze

Buntmetall, rückseitig mit Markierung des Herstellers "Wernstein Jena-Löbstedt" "D.R.G.M. 35269". Zustand 2.
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30,00

Deutsches Turn- und Sportabzeichen 1919-1934 DRA in Bronze

Das Deutsche Turn- und Sportabzeichen (DRA) in Bronze stellt ein bedeutendes Zeugnis der deutschen Sportgeschichte während der Weimarer Republik dar. Diese Auszeichnung, die zwischen 1919 und 1934 verliehen wurde, dokumentiert eine wichtige Übergangsphase im deutschen Vereinssportwesen und der Turnbewegung.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Zusammenbruch des Kaiserreichs befand sich Deutschland in einem tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbruch. Die neu gegründete Weimarer Republik bemühte sich, demokratische Strukturen auch im Sportwesen zu etablieren. In diesem Kontext entstand das Deutsche Turn- und Sportabzeichen als zivile Auszeichnung, die körperliche Leistungsfähigkeit und sportliches Engagement würdigen sollte.

Das vorliegende Exemplar wurde vom Hersteller Wernstein aus Jena-Löbstedt gefertigt, wie die rückseitige Markierung belegt. Die Kennzeichnung D.R.G.M. 35269 verweist auf ein Deutsches Reichsgebrauchsmuster, was die geschützte Gestaltung des Abzeichens dokumentiert. Wernstein gehörte zu den etablierten Herstellern von Orden, Ehrenzeichen und Sportabzeichen in der thüringischen Region, die für ihre Präzisionsarbeit in der Metallverarbeitung bekannt war.

Die Turnbewegung hatte in Deutschland eine lange Tradition, die bis zu Friedrich Ludwig Jahn im frühen 19. Jahrhundert zurückreichte. Nach dem Ersten Weltkrieg erfuhr diese Bewegung eine Wiederbelebung, wobei der Sport zunehmend auch volkserzieherische und gesundheitspolitische Funktionen übernahm. Das Turn- und Sportabzeichen sollte Anreize schaffen, sich körperlich zu betätigen und bestimmte Leistungsstandards zu erreichen.

Um das Abzeichen in Bronze zu erwerben, mussten die Teilnehmer in verschiedenen Disziplinen festgelegte Leistungsnormen erfüllen. Diese umfassten typischerweise Bereiche wie Leichtathletik, Schwimmen und Turnen. Das bronzene Abzeichen stellte dabei die Grundstufe dar, während höhere Leistungsstufen in Silber und Gold verliehen wurden. Die Prüfungen wurden von autorisierten Turnvereinen und Sportverbänden abgenommen, die dem Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen (DRA) angeschlossen waren.

Das Material des Abzeichens, Buntmetall, war typisch für Auszeichnungen dieser Zeit. Nach dem Ersten Weltkrieg herrschte in Deutschland Metallknappheit, weshalb Edelmetalle nur für höchste Auszeichnungen verwendet wurden. Buntmetall, eine Kupferlegierung, bot eine kostengünstige Alternative bei gleichzeitig ansprechender Optik.

Die zeitliche Begrenzung der Ausgabe dieses Typs bis 1934 markiert einen entscheidenden historischen Einschnitt. Mit der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 begannen umfassende Umstrukturierungen des deutschen Sportwesens. Die demokratischen Sportverbände der Weimarer Republik wurden aufgelöst oder gleichgeschaltet. Das System der Sportabzeichen wurde in das nationalsozialistische SA-Sportabzeichen und später das Reichssportabzeichen überführt, das ab 1935 in neuer Form ausgegeben wurde.

Heute besitzt das Deutsche Turn- und Sportabzeichen von 1919-1934 sowohl sport- als auch zeitgeschichtlichen Wert. Es dokumentiert eine Periode, in der der Sport in Deutschland noch weitgehend unpolitisch und demokratisch organisiert war, bevor er instrumentalisiert und in den Dienst der NS-Ideologie gestellt wurde. Für Sammler und Historiker stellt es ein authentisches Zeugnis der Weimarer Republik dar.

Der Erhaltungszustand 2 des vorliegenden Exemplars deutet auf ein gut erhaltenes Stück hin, das trotz seines Alters von fast einem Jahrhundert nur geringe Gebrauchsspuren aufweist. Dies ermöglicht eine detaillierte Betrachtung der handwerklichen Ausführung und der ikonografischen Details, die für die Gestaltung von Sportabzeichen dieser Epoche charakteristisch waren.

Das Abzeichen steht exemplarisch für die Bemühungen der Weimarer Republik, durch Förderung von Sport und körperlicher Ertüchtigung zu einer gesunden und leistungsfähigen Gesellschaft beizutragen – ein Ideal, das in der Zwischenkriegszeit europaweit verbreitet war, jedoch in Deutschland unter völlig anderen Vorzeichen fortgeführt werden sollte.

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