Preußen Stichdegen in der Ausführung für Jäger zu Pferde - in Luxusqualität !

Um 1880. Schmale, 1,6 cm breite Rückenklinge, beidseitig gekehlt. Zierliches Messinggefäß mit verschraubtem Parierbügel, das Griffstück mit intakter Silberdrahtwicklung, leichte Oxidationsspuren, der Korb quartseitig abklappbar. Braune Lederscheide mit Messingbeschlägen, leicht berieben. Zustand 2 .

Es handelt sich um eine besonders schöne Fertigung der Fa. WKC Solingen, um 1900. Beidseitig gekehlte und reich geätzte Rückenklinge mit Rankendekor, im Zentrum mit Helm Garde du Corps über Kürass und gekreuzten Pallaschen, die Rückseite mit Rankend, terzseitig die Herstellermarke "W.K&C" unter Königskopf und Ritterhelm, auf der Gegenseite der Stempel "Collani & Co, Berlin". Reich reliefiertes, vergoldetes Buntmetall-Bügelgefäß mit herzförmigem Stichblatt (quartseitig klappbar), Hilze mit silberner Drahtwicklung, am Knauf die per Hand gravierten Trägerinitialen "EC". Braune Lederscheide mit vergoldeten und verzierten Beschlägen in Luxusqualität. Gesamtlänge 99,5 cm. Seltene, prunkvolle Ausführung. Nur leicht getragen, die Klinge mit leichten Altersflecken, sonst im Zustand 2.
Ein besonders schönes Stück aus dem Besitz eines extravaganten Offiziers.
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3.500,00

Preußen Stichdegen in der Ausführung für Jäger zu Pferde - in Luxusqualität !

Der preußische Stichdegen für Jäger zu Pferde repräsentiert einen wichtigen Typus des deutschen Militärsäbelwesens der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Diese eleganten Waffen verbanden militärische Funktionalität mit dem gesellschaftlichen Prestige der berittenen Einheiten und waren besonders in der Zeit zwischen 1860 und 1914 gebräuchlich.

Die Jäger zu Pferde bildeten innerhalb der preußischen Armee eine Elite-Einheit der leichten Kavallerie, die aus den traditionellen Jägertruppen hervorging. Im Gegensatz zu den schweren Kürassieren oder den zeremoniellen Garde-Einheiten waren die Jäger zu Pferde für Aufklärung, schnelle Vorstöße und Plänklerdienste zuständig. Ihre Bewaffnung musste entsprechend leichter und handlicher sein als die der schweren Kavallerie.

Die typische Rückenklinge dieser Waffen zeichnete sich durch ihre schmale Konstruktion aus – meist zwischen 1,5 und 1,8 cm Breite – und war beidseitig gekehlt, was ihr zusätzliche Stabilität bei reduziertem Gewicht verlieh. Diese technische Lösung ermöglichte dem berittenen Soldaten eine schnellere Handhabung und präzisere Stichführung, was im Gefecht entscheidend sein konnte.

Die Firma Weyersberg, Kirschbaum & Cie (WKC) aus Solingen etablierte sich im späten 19. Jahrhundert als einer der führenden Hersteller militärischer Blankwaffen im Deutschen Reich. Das 1883 durch Fusion entstandene Unternehmen belieferte nicht nur die preußische Armee mit Standardwaffen, sondern fertigte auch luxuriöse Ausführungen für Offiziere, die bereit waren, für Qualität und ästhetische Verfeinerung zu zahlen. Der Königskopf als Herstellermarke wurde zum Qualitätssiegel für Solinger Klingenprodukte.

Die Ätzungen auf den Klingen folgten einem etablierten ikonographischen Programm: Der Helm der Garde du Corps über dem Küraß mit gekreuzten Pallaschen symbolisierte die Tradition und Elite-Stellung der preußischen Kavallerie. Diese Symbolik verband die Jäger zu Pferde mit der Geschichte der berühmtesten Reiterregimenter Preußens und unterstrich den Korpsgeist der Waffengattung.

Besonders aufschlussreich ist die Erwähnung von Collani & Co, Berlin, einem renommierten Händler für Militäreffekten in der Reichshauptstadt. Solche Geschäfte waren Anlaufstellen für Offiziere, die ihre Ausrüstung über die Standardausgabe hinaus verfeinern wollten. Die Präsenz beider Stempel – des Herstellers und des Händlers – dokumentiert den Vertriebsweg dieser Luxuswaffen.

Das herzförmige Stichblatt mit klappbarem Korb war charakteristisch für die preußischen Kavalleriewaffen dieser Periode. Die Klappbarkeit der Parierstange (quartseitig) ermöglichte ein bequemeres Tragen im zivilen Kontext und bei gesellschaftlichen Anlässen, wo der Offizier sein Ehrenzeichen präsentierte, ohne die vollständige militärische Kampfbereitschaft zu demonstrieren.

Die Silberdrahtwicklung des Griffes war nicht nur dekorativ, sondern hatte auch praktische Funktion: Sie verbesserte den Halt auch bei feuchten Bedingungen und zeugte gleichzeitig vom gehobenen Status des Trägers. Die Handgravur der Initialen am Knauf personalisierte die Waffe und machte sie zum individuellen Besitzstück des Offiziers.

Die vergoldeten Beschläge der Lederscheide in Luxusqualität unterstreichen den repräsentativen Charakter dieser Waffe. Während einfache Dienstwaffen mit Messingbeschlägen ausgestattet waren, investierten vermögende Offiziere in vergoldete Ausführungen, die bei Paraden und gesellschaftlichen Ereignissen besonders eindrucksvoll wirkten.

Historisch ist diese Waffe in die Hochphase des deutschen Kaiserreichs einzuordnen, eine Periode relativen Friedens nach den Einigungskriegen (1864-1871), in der die militärische Kultur eine zentrale gesellschaftliche Rolle spielte. Der Offiziersstand genoss hohes Prestige, und die sichtbare Qualität der persönlichen Ausrüstung war Teil der sozialen Repräsentation.

Die Zeit um 1900 markierte gleichzeitig den Beginn des Niedergangs der Kavallerie als militärisch entscheidende Waffengattung. Die zunehmende Feuerkraft der Infanterie und die Entwicklung des Maschinengewehrs reduzierten die taktische Bedeutung berittener Truppen. Dennoch blieb die Kavallerie bis zum Ersten Weltkrieg ein prestigeträchtiger Teil der Armee, und ihre Offiziere pflegten die traditionellen Formen militärischer Eleganz.

Solche Luxuswaffen dokumentieren nicht nur die handwerkliche Meisterschaft der Solinger Klingenschmiede, sondern auch die soziale Struktur des kaiserlichen Offizierskorps, in dem persönliches Vermögen und standesgemäße Repräsentation eine wichtige Rolle spielten. Sie sind materielle Zeugnisse einer Militärkultur, die Tradition, Handwerkskunst und gesellschaftliches Prestige untrennbar verband.