Zaristisches Rußland Paar Schulterstücke für einen Oberst

um 1915. Gestickte Ausführung mit 3 Rangsternen über der Einheitsbezeichnung "Xp.". Komplett mit silbernen Schulterknöpfen. Getragen, Zustand 2-. Selten.
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750,00

Zaristisches Rußland Paar Schulterstücke für einen Oberst

Die vorliegenden Schulterstücke repräsentieren ein bedeutendes Zeugnis der militärischen Rangabzeichen des Zaristischen Russlands während des Ersten Weltkriegs. Diese Epauletten, datiert um 1915, dienten einem Oberst (Polkovnik) und zeigen die charakteristische Gestaltung der russischen Kaiserarmee in ihrer letzten Phase vor dem Zusammenbruch der Romanow-Dynastie.

Die russischen Schulterstücke (Pogony) wurden als offizielles Rangabzeichen durch die Militärreformen unter Zar Alexander I. im frühen 19. Jahrhundert eingeführt. Das System wurde kontinuierlich weiterentwickelt und erreichte seine ausgereifteste Form unter Zar Nikolaus II., dem letzten russischen Herrscher. Die Rangabzeichen der kaiserlich-russischen Armee waren durch ein komplexes System von Sternen, Tressen und Farbcodierungen gekennzeichnet, das sowohl den Rang als auch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Einheit anzeigte.

Diese Epauletten zeigen drei Rangsterne, die eindeutig den Rang eines Obersten kennzeichnen. In der Hierarchie der zaristischen Armee stand der Polkovnik über dem Oberstleutnant (mit zwei Sternen) und unter dem Generalmajor (mit einem Stern auf einem andersfarbigen Untergrund). Die gestickte Ausführung deutet auf eine Offiziersuniform für den täglichen Dienst oder die Felduniform hin, im Gegensatz zu den prächtigeren Paradeepauletten mit Metallfäden.

Besonders bemerkenswert ist die Einheitsbezeichnung "Xp.", eine Abkürzung im kyrillischen Alphabet. Diese Buchstabenkombination identifizierte die spezifische militärische Einheit, der der Träger angehörte. Solche Bezeichnungen waren essentiell für die militärische Organisation und ermöglichten die sofortige Identifikation der Einheitszugehörigkeit eines Offiziers.

Die silbernen Schulterknöpfe vervollständigen diese Schulterstücke und entsprechen den Vorschriften für Offiziere des mittleren und höheren Ranges. Die Verwendung von Silber stand im Kontrast zu den goldenen Knöpfen anderer Einheiten und folgte einem strengen Farbschema, das in den Uniformvorschriften der kaiserlichen Armee festgelegt war.

Das Jahr 1915 markiert eine kritische Phase im Ersten Weltkrieg für Russland. Nach den verheerenden Niederlagen bei Tannenberg und den Masurischen Seen 1914 befand sich die russische Armee in einer umfassenden Reorganisation. Die Große Rückzugsbewegung von 1915 zwang die russischen Streitkräfte, Polen und große Teile des Baltikums aufzugeben. In dieser Zeit trugen Obersten wie der ursprüngliche Besitzer dieser Epauletten enorme Verantwortung für die Führung von Regimentern unter extrem schwierigen Bedingungen.

Die gestickte Qualität dieser Schulterstücke spiegelt die Materialknappheit wider, die Russland während des Krieges zunehmend plagte. Während frühere Friedenszeit-Epauletten oft mit aufwendigen Metallfäden und Goldborten verziert waren, zeigten Feldausführungen wie diese eine praktischere und materialsparendere Herstellung. Dennoch wurde großer Wert auf die korrekte Darstellung der Rangabzeichen gelegt, da diese für die militärische Disziplin und Hierarchie von fundamentaler Bedeutung waren.

Die russische Offizierskorps des Ersten Weltkriegs bestand aus einer Mischung von Adligen, Berufsoffizieren und zunehmend auch aus dem Bürgertum stammenden Offizieren. Ein Oberst hatte typischerweise das Kommando über ein Regiment, eine Formation von etwa 2.000 bis 4.000 Mann. Diese Position erforderte nicht nur militärisches Können, sondern auch administrative Fähigkeiten und die Treue zum Zaren.

Nach der Februarrevolution 1917 versuchte die Provisorische Regierung, das alte Rangabzeichensystem beizubehalten, doch die wachsende Disziplinlosigkeit und die revolutionäre Stimmung in der Armee führten dazu, dass viele Offiziere ihre Rangabzeichen entfernten. Die Oktoberrevolution besiegelte schließlich das Ende der zaristischen Militärtradition. Die neue Rote Armee schaffte zunächst alle traditionellen Rangabzeichen ab, führte aber später ein eigenes System ein.

Für Sammler und Historiker sind solche Schulterstücke von unschätzbarem Wert. Sie sind materielle Zeugnisse einer untergegangenen Welt und ermöglichen Einblicke in die militärische Organisation, die Handwerkskunst und die soziale Hierarchie des zaristischen Russlands. Der Erhaltungszustand 2- (leicht getragen) deutet darauf hin, dass diese Epauletten tatsächlich im Dienst verwendet wurden, was ihre historische Authentizität und ihren dokumentarischen Wert erhöht.

Die Seltenheit solcher Objekte ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen: die Wirren der Revolution, während der viele militärische Insignien vernichtet wurden, die Emigration russischer Offiziere nach der Niederlage der Weißen im Bürgerkrieg, und die allgemeine Zerstörung während der turbulenten ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts in Russland.