Preußen Teilkoloriertes Kabinettfoto eines Soldaten im Lehrregiment der Fußartillerie-Schießschule Jüterbog

Um 1910. Maße 10.7 x 16.6 cm. Zustand 2.

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Preußen Teilkoloriertes Kabinettfoto eines Soldaten im Lehrregiment der Fußartillerie-Schießschule Jüterbog

Das vorliegende teilkolorierte Kabinettfoto zeigt einen Soldaten des Lehrregiments der Fußartillerie-Schießschule Jüterbog und stammt aus der Zeit um 1910. Dieses fotografische Dokument ist ein wertvolles Zeugnis der preußischen Militärgeschichte in der späten Kaiserzeit und spiegelt die Bedeutung der Artillerieausbildung im Deutschen Kaiserreich wider.

Die Artillerie-Schießschule Jüterbog wurde 1864 gegründet und entwickelte sich zu einer der wichtigsten militärischen Ausbildungseinrichtungen Preußens. Der Standort Jüterbog in Brandenburg bot ideale Voraussetzungen für Schießübungen: weitläufige, dünn besiedelte Gebiete und günstige Verkehrsanbindungen. Die Schule war für die Ausbildung von Offizieren und Unteroffizieren in der modernen Artillerietechnik verantwortlich und spielte eine zentrale Rolle bei der Entwicklung taktischer Doktrinen.

Das Lehrregiment der Schießschule hatte eine besondere Funktion im preußischen Militärsystem. Es bestand aus ausgewählten Soldaten, die nicht nur selbst ausgebildet wurden, sondern auch als Demonstrationstruppe für neue Techniken und Verfahren dienten. Die Angehörigen des Lehrregiments galten als Elite und wurden nach strengen Kriterien ausgewählt. Sie mussten nicht nur militärische Fähigkeiten beweisen, sondern auch pädagogisches Geschick, da sie oft als Ausbilder für andere Einheiten fungierten.

Um 1910 befand sich die Fußartillerie in einer Übergangsphase. Während die berittene Artillerie traditionell für ihre Mobilität geschätzt wurde, gewann die Fußartillerie mit ihren schwereren Geschützen zunehmend an Bedeutung. Die technologische Entwicklung brachte leistungsfähigere Rohrrücklaufgeschütze, verbesserte Munition und moderne Feuerleitsysteme hervor. Die Schießschule Jüterbog war maßgeblich an der Erprobung und Implementierung dieser Neuerungen beteiligt.

Kabinettfotos waren ein beliebtes fotografisches Format der Zeit zwischen etwa 1870 und 1920. Mit den Maßen von typischerweise 10 x 15 cm (hier 10,7 x 16,6 cm) waren sie größer als die früheren Visitkartenfotos und boten mehr Raum für Details. Die Teilkolorierung war eine aufwendige Technik, bei der schwarzweiße Fotografien nachträglich mit Farbe versehen wurden – meist wurden Uniformteilen, Orden und anderen wichtigen Details Farbe hinzugefügt. Dies machte solche Fotografien zu wertvollen Erinnerungsstücken.

Soldatenporträts dieser Art dienten mehreren Zwecken. Sie waren persönliche Erinnerungsstücke für die Soldaten und ihre Familien, dokumentierten die Militärkarriere und waren Ausdruck von Stolz auf den Dienst. Häufig wurden sie bei professionellen Fotografen in Garnisonstädten angefertigt. Jüterbog verfügte über mehrere etablierte Fotostudios, die sich auf Militärporträts spezialisiert hatten.

Die Jahre um 1910 waren eine Zeit intensiver militärischer Vorbereitung. Das Deutsche Kaiserreich befand sich in einem Wettrüsten mit den anderen europäischen Großmächten. Die Heeresvermehrungen von 1911 und 1913 führten zu einer signifikanten Vergrößerung der Streitkräfte. Die Artillerie galt als "Gott des Krieges", und ihre Ausbildung hatte höchste Priorität. Die Schießschule Jüterbog bildete jährlich hunderte von Offizieren und Unteroffizieren aus, die dann als Multiplikatoren in ihren Einheiten wirkten.

Die Uniform und Ausrüstung der Fußartillerie um 1910 folgten den preußischen Heeresvorschriften. Charakteristisch waren der dunkelblaue Waffenrock mit roten Vorstößen (der Waffenfarbe der Artillerie) und der Tschako oder die Pickelhaube. Die genauen Details variierten je nach Regiment und Dienstgrad. Fotoporträts wie das vorliegende ermöglichen es Militärhistorikern heute, Uniformentwicklungen nachzuvollziehen und Einheiten zu identifizieren.

Der historische Wert solcher Fotografien liegt nicht nur in ihrer militärhistorischen Bedeutung, sondern auch in ihrem sozialgeschichtlichen Zeugniswert. Sie dokumentieren individuelle Lebensläufe, den Stolz auf die militärische Zugehörigkeit und die gesellschaftliche Stellung des Militärs im Kaiserreich. Die Erhaltung in gutem Zustand (hier als "Zustand 2" bezeichnet) macht dieses Foto zu einem wertvollen Sammlerstück und historischen Dokument.