Kaiserliche Marine Zinnbecher "S.M.S. Blitz"

Um 1910. Höhe 12 cm. Hersteller "Udo Bunsch Kiel". Zustand 2.

Die S.M.S. Blitz war ein 1883 in Dienst gestellter kleiner Kreuzer und wurde erst 1921 aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen. 
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90,00

Kaiserliche Marine Zinnbecher "S.M.S. Blitz"

Der vorliegende Zinnbecher der Kaiserlichen Marine mit der Aufschrift “S.M.S. Blitz” repräsentiert eine bedeutende Kategorie maritimer Erinnerungsstücke aus der wilhelminischen Ära des Deutschen Kaiserreichs. Hergestellt um 1910 von Udo Bunsch in Kiel, dem wichtigsten Marinestützpunkt der Kaiserlichen Marine, verkörpert dieses Objekt die Tradition der Schiffsandenken, die unter Marinesoldaten und ihren Familien von großer Bedeutung waren.

Die S.M.S. Blitz war ein kleiner Kreuzer der Kaiserlichen Marine, der 1883 in Dienst gestellt wurde und bis 1921 auf der Liste der Kriegsschiffe verblieb. Das Schiff gehörte zu einer Ära des maritimen Wandels, in der Deutschland unter Kaiser Wilhelm II. seine Flotte massiv ausbaute, um zur führenden Seemacht aufzusteigen. Die lange Dienstzeit des Schiffes von 38 Jahren zeugt von der robusten Konstruktion und vielseitigen Verwendbarkeit dieser Schiffsklasse.

Zinnbecher als maritime Tradition hatten in der deutschen Marine eine lange Geschichte. Sie dienten nicht nur als praktische Trinkgefäße an Bord, sondern vor allem als Erinnerungsstücke und Symbole der Kameradschaft. Besatzungsmitglieder erwarben diese Becher häufig zu besonderen Anlässen wie der Indienststellung eines Schiffes, nach einer bedeutenden Fahrt oder beim Ausscheiden aus dem aktiven Dienst. Die Becher wurden oft mit Schiffsnamen, Wappen, Daten und maritimen Motiven verziert.

Der Hersteller Udo Bunsch war einer von mehreren spezialisierten Handwerkern und Firmen in Kiel, die sich auf die Produktion maritimer Andenken konzentrierten. Kiel als Hauptstützpunkt der Kaiserlichen Marine entwickelte eine florierende Industrie rund um solche Erinnerungsstücke. Die Stadt beherbergte nicht nur die wichtigsten Marinewerften wie die Kaiserliche Werft Kiel, sondern auch zahlreiche Zulieferer und Kunsthandwerker, die den Bedarf der Marinesoldaten und ihrer Angehörigen deckten.

Die Herstellung solcher Zinnbecher erforderte beträchtliches handwerkliches Geschick. Zinn als Material war ideal, da es relativ korrosionsbeständig, formbar und erschwinglich war. Die Becher wurden typischerweise gegossen oder getrieben und anschließend mit gravierten oder reliefierten Verzierungen versehen. Die Höhe von 12 cm entspricht den Standardmaßen für Trinkbecher dieser Epoche.

In der Zeit um 1910, als dieser Becher hergestellt wurde, befand sich die Kaiserliche Marine auf dem Höhepunkt ihrer Expansion. Das Flottengesetz von 1898 und die nachfolgenden Novellen hatten einen beispiellosen Marinebau initiiert. Admiral Alfred von Tirpitz verfolgte mit seiner “Risikoflotte” das Ziel, eine Seemacht aufzubauen, die selbst Großbritannien respektieren würde. Diese maritime Aufrüstung prägte die politische und gesellschaftliche Atmosphäre im Kaiserreich und fand ihren Ausdruck auch in der Popularität von Marineandenken.

Die Becher dienten verschiedenen Zwecken: Sie waren persönliche Erinnerungsstücke für die Besatzungsmitglieder, Geschenke für Familienangehörige und Freunde, und manchmal auch offizielle Präsente bei maritimen Anlässen. In den Offiziersheimen und Mannschaftsräumen der Kriegsschiffe wurden solche Becher oft als Dekoration ausgestellt und zeugten vom Korpsgeist und der Tradition der jeweiligen Einheit.

Die S.M.S. Blitz selbst durchlief während ihrer Dienstzeit verschiedene Verwendungen. Kleine Kreuzer wie die Blitz wurden für Aufklärungsmissionen, Küstenschutz, Kolonialstationierung und als Schulschiffe eingesetzt. Die Tatsache, dass das Schiff den Ersten Weltkrieg überstand und erst 1921 ausgemustert wurde, ist bemerkenswert, da viele ältere Einheiten der Kaiserlichen Marine im Krieg verloren gingen oder nach dem Vertrag von Versailles abgegeben werden mussten.

Heute sind solche Zinnbecher wichtige Zeugnisse der maritimen Geschichte und der Alltagskultur der Kaiserlichen Marine. Sie ermöglichen Einblicke in die Lebenswelt der Marinesoldaten, die Bedeutung von Tradition und Kameradschaft sowie die handwerklichen Traditionen der Zeit. Sammlungen solcher Objekte in maritimen Museen, wie dem Deutschen Marinemuseum in Wilhelmshaven oder dem Schifffahrtsmuseum Kiel, dokumentieren die vielfältigen Aspekte der deutschen Marinegeschichte.

Der Erhaltungszustand solcher historischer Zinnbecher variiert erheblich. Die Klassifizierung als “Zustand 2” deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar mit nur geringen Gebrauchsspuren hin, was für ein über 110 Jahre altes Objekt bemerkenswert ist. Dies unterstreicht die Wertschätzung, die solchen Erinnerungsstücken von ihren Besitzern entgegengebracht wurde.