Preußen Paar Epauletten für einen Hauptmann im Grenadier-Regiment König Friedrich der Große (3. Ostpreußisches) Nr. 4

Standort Rastenburg, um 1910. Weiße Felder und goldene Monde, aufgelegt das gekrönte Regimentschiffre "FR", rote Tuchunterlage. Zustand 2.
Uniformeffekten und Gegenstände der Regimenter, die in den ehemaligen deutschen Gebieten im Osten stationiert waren, sind nur ganz selten zu finden.


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Preußen Paar Epauletten für einen Hauptmann im Grenadier-Regiment König Friedrich der Große (3. Ostpreußisches) Nr. 4

Die vorliegenden Epauletten für einen Hauptmann im Grenadier-Regiment König Friedrich der Große (3. Ostpreußisches) Nr. 4 repräsentieren ein bemerkenswertes Zeugnis der preußischen Militärgeschichte aus der Zeit des Deutschen Kaiserreichs. Diese Schulterstücke, die um 1910 entstanden, verkörpern die jahrhundertealte Tradition eines der traditionsreichsten Regimenter der preußischen Armee.

Das Grenadier-Regiment Nr. 4 hatte seinen Standort in Rastenburg (heute Kętrzyn in Polen) in Ostpreußen. Die Stadt war ein wichtiger Garnisonsstandort in dieser östlichen Provinz des Deutschen Reiches. Das Regiment führte den Ehrennamen “König Friedrich der Große”, was auf die ruhmreiche Geschichte dieser Einheit zurückverweist, die ihre Wurzeln im 18. Jahrhundert hatte.

Die Epauletten zeichnen sich durch ihre charakteristischen Merkmale aus: weiße Felder und goldene Monde, typisch für Grenadiertruppen der preußischen Armee. Besonders bemerkenswert ist das aufgelegte gekrönte Regimentschiffer “FR” (Fridericus Rex - König Friedrich), das die besondere Beziehung zum großen preußischen Monarchen symbolisierte. Die rote Tuchunterlage bildete den farblichen Kontrast zu den goldenen Elementen.

In der preußischen Armee des frühen 20. Jahrhunderts dienten Epauletten als wichtiges Rangabzeichen für Offiziere. Die spezifische Ausgestaltung - Anzahl der Sterne, Form der Fransen und regimentsspezifische Symbole - erlaubte die genaue Identifikation von Rang und Truppenzugehörigkeit. Ein Hauptmann (Kapitän) befand sich in der mittleren Offiziershierarchie und hatte in der Regel das Kommando über eine Kompanie.

Die Grenadiere bildeten traditionell eine Eliteformation innerhalb der Infanterie. Ursprünglich waren dies speziell ausgewählte, besonders große und kräftige Soldaten, die Handgranaten werfen sollten. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert hatte sich diese Rolle zwar gewandelt, doch der Elitestatus und besondere Traditionen blieben erhalten. Dies spiegelte sich auch in der distinktiven Uniform wider, zu der die hier beschriebenen Epauletten gehörten.

Die Uniformreglements der preußischen Armee waren äußerst detailliert und präzise. Jedes Element der Uniform, von der Kopfbedeckung bis zu den Schulterstücken, war genau vorgeschrieben. Die Epauletten wurden zu bestimmten Uniformarten getragen, insbesondere zum Waffenrock bei Paraden und besonderen Anlässen. Im Felddienst, besonders nach Beginn des Ersten Weltkriegs 1914, wurden sie zunehmend durch praktischere Schulterstücke ersetzt.

Die historische Bedeutung solcher Objekte aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und den territorialen Veränderungen gingen viele Gegenstände aus diesen Regionen verloren. Rastenburg und ganz Ostpreußen wurden Teil Polens, und die deutsche militärische Vergangenheit dieser Region ist heute nur noch durch solche erhaltenen Objekte dokumentiert.

Das Regiment selbst blickte auf eine lange Geschichte zurück. Während der Befreiungskriege gegen Napoleon, in den Einigungskriegen von 1864, 1866 und 1870/71 sowie im Ersten Weltkrieg kämpfte das Regiment an verschiedenen Fronten. Die Verbindung zu Friedrich dem Großen ehrte die Rolle, die frühere Formationen in den schlesischen Kriegen und im Siebenjährigen Krieg gespielt hatten.

Für Militärhistoriker und Sammler sind solche Epauletten aus mehreren Gründen von besonderem Interesse: Sie dokumentieren nicht nur die Rangstruktur und Uniformierung der kaiserlichen Armee, sondern auch die regionale Verteilung der Truppen und die Traditionslinien einzelner Regimenter. Die handwerkliche Qualität dieser Stücke, oft von spezialisierten Militäreffekten-Herstellern gefertigt, zeugt von der hohen Bedeutung, die man der militärischen Repräsentation beimaß.

Die Zustandsbeschreibung “Zustand 2” deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar hin, was bei über hundert Jahre alten Textilstücken bemerkenswert ist. Viele solcher Objekte wurden während der beiden Weltkriege zerstört, in der Nachkriegszeit entsorgt oder sind durch unsachgemäße Lagerung verfallen.

Zusammenfassend stellen diese Epauletten ein wichtiges Zeugnis der preußisch-deutschen Militärgeschichte dar, das die komplexe Traditions- und Rangstruktur der kaiserlichen Armee veranschaulicht und zugleich an die verlorenen deutschen Ostgebiete und ihre militärische Vergangenheit erinnert.