Russisches Kaiserreich Säbel Modell 1827 für Mannschaften der Kavallerie

Kammerstück 1832. Schwere, geschwungene, 3.45 cm breite und 87.6 cm Klinge, beidseitig mit breiter Hohlbahn, terzseitig mehrfach gestempelt, auf dem Rücken in altrussischer Schrift der Hersteller und das Datum «Dezember 1832», die Klinge gereinigt und mit feinen Rostnärbchen/fleckig. Messinggefäß mit drei Spangen und beledertem Griff mit intakter Drahtwicklung, quartseitig und auf dem Bügel terzseitig diverse Punzen. Stahlscheide mit zwei Ringbändern und beweglichen Trageringen, das obere Band terzseitig gestempelt «39 405», die Scheide fleckig. Zustand 2.

Gesamtlänge 105 cm.
456773
2.750,00

Russisches Kaiserreich Säbel Modell 1827 für Mannschaften der Kavallerie

Der russische Kavalleriesäbel Modell 1827 für Mannschaften repräsentiert eine bedeutende Entwicklung in der Ausrüstung der kaiserlich-russischen Armee während der Regierungszeit von Zar Nikolaus I. (1825-1855). Diese Waffe wurde als Standardausrüstung für die einfachen Kavalleristen eingeführt und löste ältere Modelle ab, die noch aus der napoleonischen Ära stammten.

Die Einführung des Modells 1827 erfolgte im Rahmen umfassender Militärreformen, die nach den Erfahrungen der Napoleonischen Kriege und insbesondere nach dem Dekabristenaufstand von 1825 durchgeführt wurden. Zar Nikolaus I. strebte danach, die russische Armee zu modernisieren und zu standardisieren, wobei besonderer Wert auf einheitliche Bewaffnung und Ausrüstung gelegt wurde.

Die typische Klinge dieses Säbelmodells war schwer und gekrümmt, konstruiert für kraftvolle Hiebführung im Kavalleriegefecht. Die charakteristische breite Hohlbahn auf beiden Seiten der Klinge diente sowohl zur Gewichtsreduzierung als auch zur Verstärkung der strukturellen Integrität. Diese technische Lösung ermöglichte eine optimale Balance zwischen Schneidkraft und Handhabbarkeit im Gefecht.

Die Stempelungen auf der Klinge sind von besonderer historischer Bedeutung. Sie dokumentieren nicht nur den Herstellungsort und das Datum, sondern auch die Qualitätskontrolle durch die kaiserlichen Waffenfabriken. Die Verwendung der altrussischen Schrift (kyrillische Schrift in ihrer zeitgenössischen Form) war Standard für staatliche Waffenproduktion. Die Haupt-Manufakturen befanden sich in Tula und Sestrorezk, wobei Tula die bedeutendste Waffenschmiede des Russischen Reiches war.

Das Messinggefäß mit drei Spangen war charakteristisch für russische Kavallerie-Säbel dieser Periode. Messing wurde bevorzugt, da es korrosionsbeständig war und auch bei extremen Temperaturen, wie sie in Russland üblich waren, nicht brüchig wurde. Der belederte Griff mit Drahtwicklung bot dem Reiter einen sicheren Halt, selbst bei Nässe oder im Kampfgetümmel.

Die Punzen auf dem Gefäß dienten der Identifikation und Inventarisierung. Sie konnten Regimentsnummern, Inspektionsmarken oder Zuweisungsnummern darstellen. Die Stahlscheide mit zwei Ringbändern und beweglichen Trageringen war typisch für die Kavallerieausrüstung und ermöglichte das Tragen am Wehrgehänge, während der Reiter im Sattel saß.

Die Bezeichnung “Kammerstück 1832” weist darauf hin, dass diese Waffe in den kaiserlichen Zeughäusern (Kammern) als Teil der staatlichen Waffenbestände geführt wurde. Das Jahr 1832 fällt in eine Zeit relativer Stabilität für das Russische Reich, zwischen den großen Konflikten mit dem Osmanischen Reich und vor dem Krimkrieg (1853-1856).

Während der 1830er Jahre umfasste die russische Kavallerie verschiedene Truppengattungen: Kürassiere, Dragoner, Ulanen, Husaren und Kosaken. Das Modell 1827 wurde hauptsächlich von Dragonern und regulären Kavallerieregimentern verwendet. Die schwere Bauweise machte sie zu einer effektiven Waffe sowohl im berittenen Gefecht als auch im Fußkampf, wenn Dragoner als berittene Infanterie eingesetzt wurden.

Die technischen Spezifikationen des Modells 1827 entsprachen den europäischen Standards der Zeit, zeigten aber auch typisch russische Merkmale wie die robuste Konstruktion und die Anpassung an die besonderen klimatischen Bedingungen. Die Klingenlänge von etwa 87-88 cm war optimal für den Einsatz vom Pferderücken aus.

Die Nummerierung auf der Scheide (wie “39 405”) war Teil des umfassenden Inventarisierungssystems der kaiserlichen Armee. Solche Nummern ermöglichten die Zuordnung zu spezifischen Regimentern, Schwadronen oder sogar einzelnen Soldaten und erleichterten die Verwaltung der enormen Waffenbestände des russischen Heeres.

Diese Säbel blieben bis in die 1850er Jahre im aktiven Dienst und wurden während mehrerer Konflikte eingesetzt, darunter die polnischen Aufstände, Kämpfe im Kaukasus und der bereits erwähnte Krimkrieg. Nach der Einführung neuerer Modelle wurden viele dieser Waffen in Reserve-Arsenalen gelagert oder an irreguläre Truppen ausgegeben.

Als historisches Objekt bietet ein solcher Säbel wertvolle Einblicke in die Militärgeschichte des Russischen Kaiserreichs im 19. Jahrhundert, die Entwicklung der Kavallerie-Bewaffnung und die beeindruckende Organisation der zaristischen Militärverwaltung.

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