Russland Statuette "Zwei berittene Kosaken im Kampf"

Fertigung aus dem Jahre 1900. Sehr belebte, vollplastische Darstellung. Die beiden Kosaken in ihrer typischen Tracht in kämpfender Pose, der vordere Reiter mit dem Gewehr nach hinten schießend, der hintere Reiter mit der Lanze zur Seite stechend. Auf der halbrunden Basis der Künstlername in kyrillisch "раб. В. Торокин" (rab. V. Torokin), Im Boden Gießermarke (Kaslinskiy) unter Doppelkopfadler und Marke mit Jahreszahl "1900". Gusseisen schwarz patiniert, Gesamthöhe ca. 27 cm, Gewicht 2,65 Kg. Zustand 2.

Der bekannte Bildhauer Torokin (1845*, 1912†) stammt aus der Stadt Kasli (Russland) welche gerade in der 2. Hälfte des 19. Jhr. berühmt war für seine Skulpturen, die in dem örtlichen Werk hergestellt wurden. 









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Russland Statuette "Zwei berittene Kosaken im Kampf"

Die vorliegende Statuette "Zwei berittene Kosaken im Kampf" des Bildhauers W. Torokin aus dem Jahr 1900 ist ein herausragendes Beispiel für die künstlerische Gusseisenproduktion aus Kasli, einer Stadt im Ural, die sich im 19. Jahrhundert zu einem bedeutenden Zentrum der russischen Eisenkunst entwickelte.

Die Kasli-Eisengießerei wurde 1747 gegründet und erlangte besonders in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts internationale Anerkennung für ihre kunsthandwerkliche Qualität. Die Gießerei produzierte ein breites Spektrum von Gegenständen, von praktischen Haushaltsartikeln bis hin zu anspruchsvollen skulpturalen Werken. Auf Weltausstellungen in Paris (1900), Wien und Chicago erhielt die Gießerei höchste Auszeichnungen, was ihren Ruf als Produzent erstklassiger Kunstgüsse festigte.

Wassili Torokin (1845-1912) war einer der bedeutendsten Bildhauer, die für Kasli arbeiteten. Er stammte aus der Stadt selbst und kannte die besonderen Eigenschaften des Materials Gusseisen genau. Seine Werke zeichnen sich durch dynamische Kompositionen und detailreiche Darstellungen aus, die die technischen Möglichkeiten des Eisengusses voll ausschöpften. Torokin spezialisierte sich auf Szenen aus dem russischen Volksleben und militärische Themen, wobei die Kosaken als Symbol russischer Wehrhaftigkeit und Freiheitsliebe ein bevorzugtes Motiv darstellten.

Die Kosaken bildeten seit dem 15. Jahrhundert eine einzigartige militärische und soziale Formation im Russischen Reich. Ursprünglich als freie Kriegergemeinschaften an den südlichen und östlichen Grenzen entstanden, entwickelten sie sich zu privilegierten Militärverbänden mit eigenen Traditionen, Uniformen und Kampftechniken. Im 19. Jahrhundert dienten verschiedene Kosakenheere – darunter die Don-, Kuban-, Terek- und Uralischen Kosaken – als leichte Kavallerie in der russischen Armee.

Die Darstellung zweier kämpfender Kosaken in dieser Skulptur spiegelt die romantische Verklärung dieser Kriegergruppe wider, die um 1900 in der russischen Kunst und Literatur weit verbreitet war. Die typische Tracht mit Tscherkesska (langer Mantel mit Patronentaschen), Papacha (Fellmütze) und traditionellen Waffen wie Lanze und Gewehr wurde zu ikonografischen Elementen, die sofort als kosakisch erkennbar waren. Die dynamische Komposition – ein Kosak schießt nach hinten, während der andere mit der Lanze zur Seite sticht – vermittelt die Beweglichkeit und den Kampfgeist dieser berittenen Krieger.

Die technische Ausführung der Statuette demonstriert die hohe Kunstfertigkeit der Kasli-Gießerei um 1900. Die schwarze Patinierung war charakteristisch für Kasli-Arbeiten und wurde durch spezielle Verfahren erreicht, die der Gießerei geheim gehalten wurden. Die vollplastische Darstellung mit ihrer detaillierten Modellierung von Figuren, Pferden, Waffen und Kleidung erforderte nicht nur künstlerisches Geschick beim Entwurf, sondern auch höchste technische Präzision beim Guss und bei der Nachbearbeitung.

Die Signatur "раб. В. Торокин" (rab. V. Torokin, wobei "раб." für "работа" steht, deutsch: "Arbeit") auf der Basis sowie die Gießereimarke von Kasli unter dem Doppeladler und die Jahresangabe 1900 authentifizieren das Werk. Diese Markierungen waren für Kasli-Produkte typisch und dienten als Qualitätssiegel. Der Doppeladler als kaiserliches Symbol unterstrich den offiziellen Status der Gießerei als Hoflieferant.

Skulpturen wie diese waren um 1900 begehrte Sammlerobjekte in russischen Haushalten des Bürgertums und der Aristokratie. Sie dienten nicht nur als dekorative Objekte, sondern auch als Ausdruck nationaler Identität und Stolz auf die militärischen Traditionen des Reiches. Die Darstellung von Kosaken hatte dabei eine besondere Bedeutung, da diese Krieger sowohl für die Verteidigung des Reiches als auch für einen authentisch russischen Lebensstil standen.

Im Kontext der Zeit um 1900 ist die Produktion solcher militärischer Skulpturen auch im Zusammenhang mit der Stärkung des russischen Nationalismus unter Zar Nikolaus II. zu sehen. Die Glorifizierung traditioneller militärischer Werte und historischer Kriegertypen sollte die Einheit des Vielvölkerreiches fördern und die Loyalität zur Monarchie stärken.

Heute sind originale Kasli-Gussstücke von Torokin gesuchte Sammlerobjekte, die sowohl kunsthistorisch als auch militärhistorisch von Bedeutung sind. Sie dokumentieren nicht nur die hohe Qualität russischer Kunsthandwerkskunst im späten Zarenreich, sondern auch die kulturelle Bedeutung militärischer Traditionen in der russischen Gesellschaft dieser Epoche.

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