Frankreich Lithographie Porträt des Marschalls "Gouvion St. Cyr"

J. lith. de Delpeck, handschriftlich ergänzt "B. Grevedon 1824", im Holzrahmen, 31, 5 x 42 cm, leicht stockfleckig, Zustand 2.

Laurent, Marquis de Gouvion Saint-Cyr (1764 -1830) war Marschall des Empire und Pair von Frankreich, sowie Kriegs- und Marineminister von Frankreich.






301874
120,00

Frankreich Lithographie Porträt des Marschalls "Gouvion St. Cyr"

Diese Lithographie stellt Laurent de Gouvion Saint-Cyr (1764-1830) dar, einen der bedeutendsten Militärführer der napoleonischen Ära und späteren französischen Kriegsminister. Das Werk wurde 1824 von Baron Henri Grévedon geschaffen und von Auguste Delpech lithographiert, zwei renommierten Künstlern der Restaurationszeit.

Die Lithographie als Kunstform war zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine revolutionäre Drucktechnik. Der deutsche Erfinder Alois Senefelder hatte das Verfahren um 1798 entwickelt, und es verbreitete sich rasch in ganz Europa. Frankreich wurde besonders in den 1820er Jahren zu einem Zentrum der lithographischen Kunst. Die Werkstatt von Auguste Delpech gehörte zu den führenden lithographischen Ateliers in Paris und produzierte zahlreiche Porträts bedeutender Persönlichkeiten der Zeit.

Laurent de Gouvion Saint-Cyr wurde am 13. Mai 1764 in Toul geboren. Anders als viele seiner Zeitgenossen im Marshalat stammte er nicht aus dem Adel, sondern aus bürgerlichen Verhältnissen. Ursprünglich als Schauspieler tätig, schlug er 1792 eine militärische Laufbahn ein und stieg während der Revolutionskriege rasch auf. Seine militärischen Fähigkeiten, insbesondere in der Defensive und im strategischen Rückzug, machten ihn zu einem geschätzten Kommandeur.

Saint-Cyr zeichnete sich in mehreren wichtigen Kampagnen aus. Im Feldzug von 1794 am Rhein bewies er seine taktischen Fähigkeiten. Während des Krieges der Zweiten Koalition kämpfte er erfolgreich in Italien. Besonders hervorzuheben ist sein Kommando in Spanien (1808-1809), wo er die Belagerung von Gerona leitete, sowie sein Einsatz während des Russlandfeldzuges 1812. Bei der Schlacht an der Beresina spielte er eine entscheidende Rolle bei der Rettung der französischen Armee.

Am 27. August 1812 erhob Napoleon ihn in den Marshalstand auf dem Schlachtfeld von Polozk, eine der höchsten militärischen Auszeichnungen des Empire. Saint-Cyr gehörte damit zum erlesenen Kreis der Marschälle des Empire, einer Gruppe von nur 26 Militärführern, die diesen Titel während Napoleons Herrschaft erhielten.

Nach der Abdankung Napoleons 1814 passte sich Saint-Cyr geschickt an die neue politische Ordnung an. Unter der Restauration der Bourbonen wurde er zum Pair von Frankreich ernannt und übernahm von 1817 bis 1819 das wichtige Amt des Kriegsministers. In dieser Funktion führte er bedeutende Reformen durch, insbesondere das Rekrutierungsgesetz von 1818 (Loi Gouvion-Saint-Cyr), das die allgemeine Wehrpflicht durch Los einführte und die französische Armee modernisierte. Dieses Gesetz blieb bis 1872 in Kraft und prägte die französische Militärorganisation nachhaltig.

Die Ikonographie der Marschälle war ein wichtiges Element der napoleonischen Propaganda und blieb auch nach dem Ende des Empire bedeutsam. Während der Restaurationszeit bestand ein großes öffentliches Interesse an Porträts der napoleonischen Militärführer. Künstler wie Grévedon spezialisierten sich auf solche Darstellungen, die sowohl nostalgische als auch historische Funktionen erfüllten.

Henri Grévedon (1776-1860) war ein renommierter Porträtist, der für seine feinfühligen Charakterstudien bekannt war. Er schuf zahlreiche Porträts von Persönlichkeiten der Zeit, darunter Militärs, Schriftsteller und Aristokraten. Die Zusammenarbeit mit dem lithographischen Atelier von Delpech ermöglichte die Verbreitung seiner Werke an ein breiteres Publikum.

Das Jahr 1824, in dem diese Lithographie entstand, war bedeutsam für Frankreich. Es markierte das Ende der Herrschaft Ludwigs XVIII. und den Beginn der Regierung Karls X. In dieser Zeit befand sich Frankreich in einer Phase der politischen Konsolidierung nach den turbulenten Jahren der Revolution und des Empire. Die Darstellung napoleonischer Marschälle war nicht mehr politisch heikel, sondern wurde als Teil der französischen Militärgeschichte akzeptiert.

Saint-Cyr selbst zog sich nach seinem Ausscheiden aus dem Ministeramt weitgehend aus dem öffentlichen Leben zurück. Er widmete sich dem Verfassen seiner Memoiren, die 1831 posthum veröffentlicht wurden und eine wichtige Quelle für die Geschichte der napoleonischen Kriege darstellen. Er starb am 17. März 1830 in Hyères und hinterließ ein bedeutendes militärisches und administratives Erbe.

Solche Lithographien dienten mehreren Zwecken: Sie waren Sammlerobjekte für Liebhaber der Militärgeschichte, dienten der historischen Dokumentation und erfüllten eine pädagogische Funktion. Im Rahmen größerer Serien trugen sie dazu bei, die Geschichte der napoleonischen Ära für nachfolgende Generationen zu bewahren. Die handwerkliche Qualität lithographischer Porträts dieser Zeit macht sie heute zu geschätzten historischen Dokumenten und Kunstwerken zugleich.

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