Preußen Einzel Schulterklappe für Mannschaften im Infanterie-Regiment Freiherr Hiller von Gärtringen (4. Posensches) Nr. 59

Standort Deutsch-Eylau/Soldau vor 1902. Zustand 2.
454576
50,00

Preußen Einzel Schulterklappe für Mannschaften im Infanterie-Regiment Freiherr Hiller von Gärtringen (4. Posensches) Nr. 59

Die vorliegende Einzelschulterklappe für Mannschaften des Infanterie-Regiments Freiherr Hiller von Gaertringen (4. Posensches) Nr. 59 repräsentiert ein bedeutendes Zeugnis der preußischen Militärgeschichte am Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert. Diese Uniformkomponente, die vor 1902 in den Garnisonen Deutsch-Eylau und Soldau getragen wurde, spiegelt die komplexe Organisationsstruktur der kaiserlich-deutschen Armee sowie die territoriale Gliederung Preußens wider.

Das Infanterie-Regiment Nr. 59 wurde am 1. Oktober 1860 als 4. Posensches Infanterie-Regiment aufgestellt und gehörte zum V. Armee-Korps mit Sitz in Posen. Die Benennung nach Generalleutnant Freiherr Hiller von Gaertringen erfolgte am 27. Januar 1889 zur Ehrung dieses verdienten Offiziers, der als Regimentskommandeur von 1864 bis 1873 gedient hatte. Diese Praxis der Traditionsbildung durch Namenszuweisungen war charakteristisch für die preußische Armee und diente der Stärkung des Korpsgeistes sowie der Identifikation der Soldaten mit ihrem Regiment.

Die beiden Standorte Deutsch-Eylau (heute Iława in Polen) und Soldau (heute Działdowo in Polen) befanden sich in den östlichen Provinzen Preußens, in Ostpreußen beziehungsweise an der Grenze zur Provinz Posen. Die strategische Bedeutung dieser Garnisonen lag in ihrer Lage nahe der russischen Grenze, was dem Regiment eine wichtige Rolle in der Verteidigungsplanung des Deutschen Reiches zuwies. Die Verlegung oder Stationierung von Truppenteilen in diesen Gebieten unterlag häufigen Änderungen entsprechend militärischer Notwendigkeiten und organisatorischer Reformen.

Die Schulterklappe selbst war ein wesentliches Distinktionsmerkmal der preußischen Uniform. Sie wurde gemäß den Uniformierungsvorschriften von 1842 eingeführt und in mehreren Nachfolgeregelungen präzisiert. Für Mannschaften, also die einfachen Soldaten ohne Unteroffiziersrang, bestand die Schulterklappe typischerweise aus einem geflochtenen oder gewebten Grundkörper in der Waffenfarbe der Truppengattung. Bei der Infanterie war dies grundsätzlich weiß, wobei bestimmte Regimenter durch besondere Farbkombinationen gekennzeichnet waren.

Auf der Schulterklappe war die Regimentsnummer “59” angebracht, die in der Regel in Form von aufgestickten oder aufgeprägten Ziffern erschien. Bei Mannschaftsklappen waren diese Nummern meist aus Wolle oder Baumwolle gefertigt und in kontrastierender Farbe gehalten. Die exakte Ausführung unterlag den jeweiligen Bekleidungsvorschriften, die regelmäßig aktualisiert wurden, zuletzt vor dem Ersten Weltkrieg durch die Adjustierungsvorschrift von 1899 und ihre Ergänzungen.

Die Datierung “vor 1902” ist von besonderer Bedeutung, da in diesem Zeitraum mehrere Änderungen in der Uniformierung vorgenommen wurden. Das Jahr 1902 markierte verschiedene organisatorische Umstellungen in der preußischen Armee, und es ist möglich, dass das Regiment in diesem Jahr seine Garnison wechselte oder Uniformänderungen durchgeführt wurden. Die Adjustierungsvorschrift M 1899, die ab 1900 schrittweise umgesetzt wurde, brachte zahlreiche Detailänderungen in der Ausführung von Uniformteilen mit sich.

Schulterklappen wurden paarweise getragen, auf beiden Schultern der Uniform befestigt. Das Vorhandensein einer Einzelklappe kann verschiedene Ursachen haben: Sie konnte als Ersatzteil gelagert worden sein, oder ihre Partnerklappe ging im Laufe der Zeit verloren. Solche Einzelstücke sind in Sammlungen häufig anzutreffen und besitzen dennoch erheblichen historischen und dokumentarischen Wert.

Das Regiment Nr. 59 nahm an den wichtigen militärischen Unternehmungen des Deutschen Reiches teil. Nach seiner Aufstellung kämpfte es im Deutsch-Dänischen Krieg 1864, im Deutschen Krieg 1866 sowie im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Diese Teilnahme an den Einigungskriegen verlieh dem Regiment besondere Tradition und Ehre. Im Ersten Weltkrieg wurde das Regiment an verschiedenen Fronten eingesetzt und erlitt erhebliche Verluste, bevor es nach Kriegsende 1918 aufgelöst wurde.

Für Sammler und Militärhistoriker sind solche Schulterklappen wichtige Dokumente zur Erforschung der Uniformgeschichte und Regimentsgeschichte. Sie ermöglichen die Rekonstruktion der Bekleidungsvorschriften, der materiellen Kultur der Armee sowie der Identitätsbildung innerhalb militärischer Verbände. Der angegebene Zustand 2 deutet auf eine gut erhaltene Schulterklappe mit leichten Gebrauchsspuren hin, was für ein über 120 Jahre altes Objekt bemerkenswert ist.

Die Provinz Posen und die umliegenden Gebiete hatten eine besondere Stellung im preußischen Staat, geprägt durch eine gemischte deutsch-polnische Bevölkerung und eine Geschichte wechselnder territorialer Zugehörigkeiten. Die dort stationierten Regimenter spielten nicht nur eine militärische, sondern auch eine politische und symbolische Rolle als Repräsentanten der preußischen Staatsmacht in diesen Grenzregionen.