Preußen Meissner Regimentsteller für das Colbergsche Grenadier-Regiment Graf Gneisenau (2. Pommersches) Nr. 9

Porzellan-Teller mit blauem Dekor, auf der Unterseite mit Schwertmarke, Durchmesser ca. 25,5 cm. Zustand 2.
435976
650,00

Preußen Meissner Regimentsteller für das Colbergsche Grenadier-Regiment Graf Gneisenau (2. Pommersches) Nr. 9

Der Regimentsteller des Colbergschen Grenadier-Regiments Graf Gneisenau (2. Pommersches) Nr. 9 repräsentiert eine bedeutende Kategorie militärischer Erinnerungsobjekte aus der preußischen Armee des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Diese Porzellanteller wurden von der renommierten Porzellanmanufaktur Meissen hergestellt, erkennbar an der charakteristischen Schwertmarke auf der Unterseite, die seit 1722 als Qualitätssiegel der sächsischen Manufaktur dient.

Das Colbergsche Grenadier-Regiment Graf Gneisenau (2. Pommersches) Nr. 9 hatte eine ruhmreiche Geschichte, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreichte. Das Regiment erhielt seinen Ehrennamen nach dem preußischen Generalfeldmarschall August Neidhardt von Gneisenau (1760-1831), einem der bedeutendsten Heeresreformer und engen Mitarbeiter von Gerhard von Scharnhorst. Gneisenau spielte eine entscheidende Rolle in den Befreiungskriegen gegen Napoleon und bei der Reorganisation der preußischen Armee nach 1807.

Die Bezeichnung "Colbergsch" erinnert an die heroische Verteidigung von Kolberg während der napoleonischen Kriege 1806-1807. Unter der Führung von Joachim Nettelbeck und Gneisenau widerstand die Festung allen französischen Angriffen und wurde zum Symbol preußischen Widerstandswillens. Diese historische Verbindung machte den Namen zu einer besonderen Ehrenbezeichnung für das Regiment.

Regimentsteller wurden typischerweise zwischen den 1890er Jahren und dem Beginn des Ersten Weltkriegs hergestellt. Sie dienten verschiedenen Zwecken: als Erinnerungsstücke für aktive und ausgeschiedene Offiziere, als Geschenke zu besonderen Anlässen wie Jubiläen oder Kaisermanövern, und als Ausdruck der Verbundenheit mit der Regimentstradition. Die Teller wurden oft in Offizierskasinos ausgestellt oder in den Privaträumen der Offiziere als Wandschmuck verwendet.

Die Gestaltung solcher Regimentsteller folgte bestimmten Konventionen. Der blaue Dekor, wie bei diesem Exemplar, war besonders charakteristisch für Meissener Porzellan und knüpfte an die lange Tradition der Zwiebelmuster- und Blaumalerei an. Typischerweise zeigten Regimentsteller das Regimentswappen, militärische Symbole wie Fahnen, Waffen oder Adler, sowie Inschriften mit der vollständigen Regimentsbezeichnung. Häufig waren auch bedeutende Schlachten oder Garnisonen dargestellt, mit denen das Regiment verbunden war.

Das 2. Pommersche Grenadier-Regiment Nr. 9 war in Stettin (heute Szczecin, Polen) stationiert, der Hauptstadt der preußischen Provinz Pommern. Die Garnison Stettin hatte große militärische Bedeutung und beherbergte mehrere bedeutende Truppenteile. Das Regiment gehörte zum II. Armeekorps der preußischen Armee und nahm an zahlreichen militärischen Operationen teil, darunter die Einigungskriege von 1864, 1866 und 1870/71.

Die Verwendung von Meissener Porzellan für solche militärischen Erinnerungsstücke war kein Zufall. Die Manufaktur hatte bereits im 18. Jahrhundert militärische Aufträge ausgeführt und genoss höchstes Ansehen. Die Qualität und künstlerische Ausführung machten diese Stücke zu wertvollen Besitztümern. Die Schwertmarke auf der Unterseite garantierte Authentizität und handwerkliche Exzellenz.

Im Kontext der wilhelminischen Ära repräsentieren solche Regimentsteller die ausgeprägte Militärkultur des Deutschen Kaiserreichs. Die Armee genoss hohes gesellschaftliches Prestige, und die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Regiment war Quelle von Stolz und Identität. Offiziere stammten überwiegend aus Adel und Bürgertum, und die Regimentstradition wurde sorgfältig gepflegt.

Nach dem Ersten Weltkrieg und der Auflösung der kaiserlichen Armee 1918/19 erhielten diese Objekte zusätzliche Bedeutung als Erinnerungsstücke einer untergegangenen Epoche. Viele ehemalige Offiziere bewahrten ihre Regimentsteller als persönliche Andenken. Im Vertrag von Versailles wurde die deutsche Armee drastisch reduziert, und die alten Regimentsstrukturen wurden aufgelöst.

Heute sind Regimentsteller bedeutende militärhistorische Sammlerobjekte. Sie dokumentieren nicht nur die Organisation und Tradition einzelner Truppenteile, sondern auch die kunsthandwerkliche Kultur ihrer Entstehungszeit. Für die militärgeschichtliche Forschung bieten sie wertvolle Einblicke in die Selbstdarstellung und das Traditionsbewusstsein der preußisch-deutschen Armee. Der Erhaltungszustand, die Qualität der Ausführung und die historische Bedeutung des jeweiligen Regiments bestimmen den sammlerwissenschaftlichen und materiellen Wert dieser Objekte.