Kaiserliche Marine Zweispitz für einen Marinebeamten .

Schwarzer Nadelfilz, die Einfassung aus Seidenrips, silberne Agraffe über Seidenkokarde in schwarz/weiß/rot und versilberter Marineknopf, silberne Fransen mit blauer Unterfütterung, innen braunes Lederschweißband und hellem Seidenfutter, etwa Größe 55, leichte Alters- und Gebrauchsspuren, sonst sehr gut erhalten. Zustand 2



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750,00

Kaiserliche Marine Zweispitz für einen Marinebeamten .

Der Zweispitz (Bicorne) gehörte zu den traditionsreichsten Kopfbedeckungen der deutschen Marinegeschichte und diente als distinktives Zeichen von Rang und Autorität innerhalb der Kaiserlichen Marine des Deutschen Kaiserreichs (1871-1918). Das vorliegende Exemplar für einen Marinebeamten repräsentiert die maritime Verwaltungshierarchie, die neben den militärischen Seeoffizieren eine unverzichtbare Rolle in der Organisation und dem Betrieb der kaiserlichen Kriegsflotte spielte.

Die Kaiserliche Marine entwickelte sich unter Kaiser Wilhelm II. zu einer der bedeutendsten Seestreitkräfte der Welt. Das Flottenbauprogramm, maßgeblich initiiert von Großadmiral Alfred von Tirpitz ab 1898, erforderte nicht nur eine massive Expansion der Schiffszahlen, sondern auch einen entsprechenden Ausbau des administrativen Apparats. Marinebeamte waren für technische Verwaltung, Versorgung, Finanzen, medizinische Dienste und zahlreiche weitere zivile Funktionen verantwortlich, die den militärischen Betrieb erst ermöglichten.

Die Uniformordnung der Kaiserlichen Marine war streng reglementiert und spiegelte die preußisch-deutsche Ordnungsliebe wider. Der Zweispitz als Galakopfbedeckung für Beamte folgte einer jahrhundertealten europäischen Tradition, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreichte. Während der Dreispitz im Laufe des 18. Jahrhunderts durch seitliches Aufschlagen zum Zweispitz modifiziert wurde, etablierte sich diese Form im 19. Jahrhundert als festliches Zeremoniell- und Paradeattribut für zivile und militärische Würdenträger.

Die Konstruktion solcher Zweispitze folgte handwerklichen Standards höchster Güte. Der schwarze Nadelfilz bildete die Grundlage - ein hochwertiges Material aus verfilzten Tierhaaren, das durch wiederholtes Stechen und Pressen seine charakteristische Dichte und Form erhielt. Die Einfassung aus Seidenrips, einem gerippten Seidengewebe, verlieh der Kopfbedeckung einen edlen Glanz und schützte die Kanten vor Abnutzung.

Die Kokarde in den Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot kennzeichnete die Zugehörigkeit zum Deutschen Kaiserreich. Diese Farbkombination wurde 1871 mit der Reichsgründung als offizielle Nationalfarben festgelegt und löste die verschiedenen Einzelstaatsfarben auf Reichsebene ab. Die silberne Agraffe - eine dekorative Spange oder Schnalle - hielt die Kokarde und diente gleichzeitig als Schmuckelement. Der versilberte Marineknopf mit dem charakteristischen Anker-Emblem identifizierte den Träger eindeutig als Angehörigen der Seestreitkräfte.

Besonders bemerkenswert sind die silbernen Fransen mit blauer Unterfütterung, die an den Seiten des Zweispitzes herabhingen. Diese sogenannten Bullions waren traditionelle Rangabzeichen und verliehen der Kopfbedeckung einen würdevollen, offiziellen Charakter. Die blaue Farbe verwies auf die maritime Tradition und unterschied Marineangehörige von Heeresbeamten.

Das Innenleben des Zweispitzes zeigt die praktische Seite dieser Galakopfbedeckung: Ein braunes Lederschweißband sorgte für Tragekomfort und schützte den wertvollen Filz vor Feuchtigkeit und Verschmutzung. Das helle Seidenfutter verlieh dem Inneren eine luxuriöse Note und erleichterte das Auf- und Absetzen.

Marinebeamte der Kaiserlichen Marine trugen den Zweispitz zu besonderen Anlässen: bei Hofempfängen, Flottenparaden, offiziellen Zeremonien wie Schiffstaufen oder beim Empfang hochrangiger Persönlichkeiten. Im Alltag kamen andere, praktischere Kopfbedeckungen zum Einsatz. Der Zweispitz symbolisierte die Verbindung zwischen maritimer Tradition und kaiserlicher Repräsentation.

Die Größe 55 entspricht einem Kopfumfang von etwa 55 Zentimetern und dokumentiert die standardisierten Fertigungsmaßstäbe der Zeit. Hutmacher und Militäreffektenfabrikanten wie die Firmen Clemens Wagner in Berlin oder andere spezialisierte Manufakturen fertigten diese Kopfbedeckungen nach genauen Vorgaben der Marinebekleidungsvorschriften.

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Auflösung der Kaiserlichen Marine 1918 verlor der Zweispitz seine offizielle Funktion. Die Weimarer Reichsmarine und später die Kriegsmarine des Dritten Reichs führten modernisierte Uniformordnungen ein, in denen der traditionelle Zweispitz keine Rolle mehr spielte. Heute sind erhaltene Exemplare wertvolle Zeugnisse einer untergegangenen Epoche deutscher Marinegeschichte und dokumentieren die Verbindung von militärischer Funktion, handwerklicher Kunstfertigkeit und monarchischer Repräsentationskultur.