Luftwaffe - 3 Flugbücher für einen Fluglehrer von 1934-1935
Die hier vorliegenden drei Flugbücher dokumentieren die fliegerische Tätigkeit eines Fluglehrers in der kritischen Aufbauphase der deutschen Luftwaffe zwischen 1934 und 1936. Mit insgesamt 974 dokumentierten Flügen über einen Zeitraum von knapp zwei Jahren bieten diese Dokumente einen authentischen Einblick in die intensive Ausbildungstätigkeit während der geheimen und später offenen Wiederbewaffnung des Deutschen Reiches.
Das Flugbuch (auch Bordbuch genannt) war ein offizielles Dokument, in dem jeder Flug eines Piloten akribisch festgehalten wurde. Es enthielt Angaben über Datum, Flugzeugtyp, Startort, Zielort, Flugdauer, Flugart (Übungsflug, Streckenflug, Nachtflug etc.) sowie besondere Vorkommnisse. Für Fluglehrer waren zusätzlich die Namen der Flugschüler von besonderer Bedeutung. Diese Aufzeichnungen dienten nicht nur der persönlichen Dokumentation, sondern waren auch für die militärischen Behörden von großer Wichtigkeit zur Nachverfolgung der Ausbildungsfortschritte und der Qualifikation des Flugpersonals.
Die zeitliche Einordnung dieser Flugbücher ist von erheblicher historischer Bedeutung. Am 1. November 1934 begann das erste Flugbuch – zu einem Zeitpunkt, als die Existenz einer deutschen Luftwaffe offiziell noch geleugnet wurde. Der Versailler Vertrag von 1919 hatte Deutschland jegliche militärische Luftfahrt untersagt. Dennoch wurde bereits seit Anfang der 1920er Jahre im Geheimen die Ausbildung von Piloten vorangetrieben, zunächst getarnt als zivile Flugschulen oder durch Kooperationen mit der Sowjetunion, etwa in der geheimen Fliegerschule in Lipezk.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde die Wiederaufrüstung massiv beschleunigt. Im Februar 1933 wurde Hermann Göring zum Reichskommissar für die Luftfahrt ernannt. Am 1. März 1935 erfolgte die offizielle Verkündung der Existenz der Luftwaffe, was einen offenen Bruch des Versailler Vertrags darstellte. Die hier dokumentierten Flüge fallen somit sowohl in die Phase der verdeckten Vorbereitung als auch in die Zeit der offenen Aufrüstung.
Die hohe Anzahl von 974 Flügen in relativ kurzer Zeit unterstreicht die intensive Ausbildungstätigkeit, die in diesen Jahren herrschte. Die Luftwaffe benötigte dringend qualifiziertes Personal, und Fluglehrer spielten dabei eine Schlüsselrolle. Sie waren verantwortlich für die Grundausbildung der Flugschüler, die Schulung auf verschiedenen Flugzeugtypen und die Vermittlung von taktischen Kenntnissen. Ein erfahrener Fluglehrer konnte mehrere Flüge täglich durchführen, insbesondere bei Platzrunden und kürzeren Übungsflügen.
Die Erwähnung verschiedener Flugzeugtypen in den Flugbüchern ist ebenfalls aufschlussreich. In der Aufbauphase der Luftwaffe wurden zahlreiche unterschiedliche Flugzeugmuster eingesetzt, sowohl für die Grundausbildung als auch für die fortgeschrittene Schulung. Typische Schulflugzeuge dieser Ära waren die Focke-Wulf Fw 44 “Stieglitz”, die Heinkel He 72 “Kadett” und die Arado Ar 66. Für die fortgeschrittene Ausbildung kamen Maschinen wie die Heinkel He 51 oder frühe Versionen der Messerschmitt Bf 109 zum Einsatz.
Die Ausbildung zum Flugzeugführer in der Luftwaffe folgte einem streng reglementierten System. Nach der fliegerischen Grundausbildung (A-Schein) folgte die fortgeschrittene Ausbildung (B-Schein) und schließlich die Spezialisierung auf bestimmte Waffengattungen wie Jagd-, Bomber- oder Aufklärungsflieger. Fluglehrer mussten selbst über umfangreiche Flugerfahrung verfügen und eine spezielle pädagogische Ausbildung durchlaufen haben.
Die Tatsache, dass drei separate Flugbücher verwendet wurden, entspricht der damaligen Praxis. Wenn ein Flugbuch vollständig ausgefüllt war oder ein Pilot in eine neue Einheit versetzt wurde, begann häufig ein neues Buch. Die zeitliche Überschneidung zwischen dem ersten und zweiten Flugbuch (beide enthalten Einträge aus dem Jahr 1935) könnte auf unterschiedliche Einsatzbereiche oder verschiedene Flugzeugkategorien hindeuten, die getrennt dokumentiert wurden.
Diese Flugbücher sind nicht nur militärhistorische Dokumente, sondern auch persönliche Zeugnisse eines Individuums, das an einem der folgenreichsten Kapitel der deutschen Geschichte beteiligt war. Sie dokumentieren den Aufbau einer Luftwaffe, die wenige Jahre später im Zweiten Weltkrieg eine verhängnisvolle Rolle spielen sollte. Für Historiker und Sammler bieten solche Dokumente authentische Primärquellen, die Einblicke in den militärischen Alltag, die Ausbildungsmethoden und die organisatorischen Strukturen der frühen Luftwaffe ermöglichen.
Der angegebene Zustand 2 deutet auf eine sehr gute Erhaltung der Dokumente hin, was angesichts ihres Alters von fast 90 Jahren bemerkenswert ist und ihren dokumentarischen sowie sammlungswürdigen Wert erhöht.