Die vorliegende Erinnerungsplakette stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der militärischen Ausbildungskultur der deutschen Luftwaffe während des Zweiten Weltkriegs dar. Sie wurde 1944 zu Ehren eines Hauptmann Sünder gefertigt, der von April 1942 bis August 1944 an der Luftkriegsschule 7 diente.
Die Luftkriegsschulen bildeten das Rückgrat der Offiziersausbildung der Luftwaffe. Sie wurden ab 1936 sukzessive aufgebaut, um den enormen Bedarf an qualifizierten Offizieren für die sich rasch expandierende Luftwaffe zu decken. Die Luftkriegsschule 7 gehörte zu den später eingerichteten Ausbildungsstätten und war Teil eines umfassenden Systems militärischer Bildungseinrichtungen.
An diesen Schulen durchliefen Fahnenjunker – angehende Offiziere – eine intensive und umfassende Ausbildung. Der Begriff “Fahnenjunker” bezeichnete Offiziersanwärter, die bereits einen militärischen Dienstgrad innehatten, aber noch nicht zum Leutnant befördert worden waren. Die Lehrgänge umfassten theoretische und praktische Ausbildung in militärischen Fächern, Taktik, Führung und speziellen luftwaffenspezifischen Disziplinen.
Die Plakette selbst zeigt charakteristische Elemente der militärischen Symbolik jener Zeit: Den Hoheitsadler, das offizielle Hoheitszeichen der Wehrmacht, sowie das spezifische Wappen der Luftkriegsschule 7. Die umlaufende Inschrift “Zur Erinnerung an die Dienstzeit – der Fahnenj. Lehrgang der Luftkriegsschule 7” verdeutlicht den Zweck als Abschiedsgeschenk. Die zentrale Gravur nennt den Namen des Hauptmanns und seine Dienstzeit, während die Rückseite die Namen der Offiziere und Beamten des Fahnenjunker-Lehrgangs auflistet.
Die Fertigung aus Aluminiumguss ist für das Jahr 1944 bemerkenswert. Zu diesem Zeitpunkt litt das Deutsche Reich bereits unter erheblichem Ressourcenmangel, und viele Metalle wurden für die Rüstungsproduktion benötigt. Aluminium war jedoch für die Luftfahrtindustrie von besonderer Bedeutung und in gewissem Umfang verfügbar. Die Wahl dieses Materials unterstreicht die Bedeutung, die der Herstellung solcher Erinnerungsstücke trotz der kriegsbedingten Engpässe beigemessen wurde.
Solche Erinnerungsplaketten dienten mehreren Zwecken: Sie waren Ausdruck der Kameradschaft und des militärischen Korpsgeists, würdigten die Verdienste des scheidenden Vorgesetzten und dokumentierten gleichzeitig die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Einheit und einem bestimmten Lehrgang. Die Tradition, ausscheidenden Offizieren persönliche Geschenke zu überreichen, hatte in der deutschen Militärgeschichte eine lange Tradition und diente der Aufrechterhaltung der Moral und des Zusammenhalts.
Die Dienstzeit von April 1942 bis August 1944 fällt in eine kritische Phase des Krieges. 1942 befand sich die Luftwaffe noch auf dem Höhepunkt ihrer Schlagkraft, doch ab 1943 begann die zunehmende alliierte Luftüberlegenheit. Die Ausbildung neuer Offiziere gewann dadurch noch größere Bedeutung, während gleichzeitig die Ausbildungszeiten verkürzt und die Anforderungen an die Ausbilder intensiviert wurden.
Die Tatsache, dass Hauptmann Sünder zwei Jahre lang als Ausbilder tätig war, spricht für seine fachliche Qualifikation und seine Bedeutung für die Ausbildungseinrichtung. Ausbilder an den Luftkriegsschulen waren in der Regel erfahrene Offiziere, die entweder aufgrund von Verwundungen nicht mehr frontdiensttauglich waren oder deren pädagogische und fachliche Fähigkeiten als besonders wertvoll für die Offiziersausbildung angesehen wurden.
Die quadratische Form der Plakette und ihre Präsentation im Holzrahmen deuten darauf hin, dass sie für die Wandmontage konzipiert war – ein nichttragbares Erinnerungsstück für die private oder berufliche Umgebung. Dies unterscheidet sie von tragbaren Auszeichnungen und unterstreicht ihren persönlichen, kommemorativen Charakter.
Heute sind solche Plaketten selten. Viele wurden nach Kriegsende zerstört oder entsorgt, da die Aufbewahrung von Gegenständen mit NS-Symbolik problematisch war. Erhaltene Exemplare sind daher wichtige historische Quellen, die Einblick in die Alltagskultur militärischer Einheiten, die Wertschätzung von Dienstleistungen und die materiellen Ausdrucksformen militärischer Tradition geben.
Als historisches Objekt dokumentiert diese Plakette nicht nur die Biographie eines einzelnen Offiziers, sondern auch die organisatorischen Strukturen der Luftwaffenausbildung, die Kameradschaftskultur im militärischen Kontext und die materiellen Bedingungen gegen Ende des Zweiten Weltkriegs.