Signal - Sonderausgabe der " Berliner Illustrierten Zeitung " - Jahrgang 1943 Heft Nr. F 12 ( französisch )
Signal war eine der bedeutendsten Propagandazeitschriften des Dritten Reiches, die von 1940 bis 1945 vom Deutschen Verlag in Berlin herausgegeben wurde. Als Sonderausgabe der renommierten Berliner Illustrierten Zeitung erschien Signal in bis zu 30 Sprachen und erreichte eine Auflage von zeitweise über 2,5 Millionen Exemplaren, was sie zu einer der meistgelesenen Zeitschriften im deutsch besetzten Europa machte.
Die französische Ausgabe, wie hier in Heft Nr. F 12 aus dem Jahrgang 1943, spielte eine besonders wichtige Rolle in der deutschen Propaganda für das besetzte Frankreich. Nach der Kapitulation Frankreichs im Juni 1940 wurde Signal zu einem zentralen Instrument der deutschen Besatzungspolitik, um die französische Bevölkerung von der vermeintlichen Überlegenheit der deutschen Kriegsführung zu überzeugen und die deutsch-französische Kollaboration zu fördern.
Die Zeitschrift wurde unter der Aufsicht des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) produziert und stand unter der Leitung von Hauptschriftleiter Major Erich Hesse. Anders als viele andere NS-Propagandaerzeugnisse zeichnete sich Signal durch eine relativ subtile Propaganda aus. Sie präsentierte sich als moderne, hochwertige Illustrierte mit professionellen Fotografien, ansprechenden Layouts und Farbseiten, die damals noch relativ selten waren. Die Farbseiten, die in diesem Exemplar vollständig erhalten sind, waren ein besonderes Merkmal der Zeitschrift und hoben sie von anderen Publikationen ab.
Das Jahr 1943 markierte einen entscheidenden Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg. Nach der verheerenden Niederlage bei Stalingrad im Februar 1943 und dem Verlust Nordafrikas im Mai desselben Jahres befand sich das Deutsche Reich zunehmend in der Defensive. Die Propaganda musste daher ihre Strategie anpassen. Signal versuchte weiterhin, die militärische Situation positiv darzustellen, konzentrierte sich aber verstärkt auf die technologische Überlegenheit deutscher Waffen, die Darstellung des “europäischen Zusammenhalts” gegen den Bolschewismus und die Betonung der Kampfmoral deutscher Truppen.
Die französische Ausgabe hatte die besondere Aufgabe, die Vichy-Regierung zu unterstützen und die französische Bevölkerung davon zu überzeugen, dass eine Zusammenarbeit mit Deutschland im besten Interesse Frankreichs läge. Fotografien von französischen Freiwilligen der Legion des Volontaires Français (LVF), die an der Ostfront kämpften, sowie Artikel über wirtschaftliche Zusammenarbeit waren typische Inhalte.
Die Produktion von Signal war technisch anspruchsvoll und aufwendig. Die Zeitschrift wurde auf hochwertigem Papier gedruckt, was angesichts der Kriegsrationierungen bemerkenswert war. Die Fotografien stammten von einer Gruppe talentierter Kriegsberichter (PK-Fotografen), die an allen Fronten eingesetzt waren. Zu den bekanntesten gehörten Hanns Hubmann, Hilmar Pabel und Benno Wundshammer. Ihre Bilder prägten das visuelle Gedächtnis des Krieges und wurden nach 1945 oft in historischen Publikationen wiederverwendet, meist ohne den propagandistischen Kontext zu erwähnen.
Der Zustand 2, in dem sich dieses Exemplar befindet, ist für militärische Druckerzeugnisse aus dieser Zeit als sehr gut zu bewerten. Die meisten Ausgaben von Signal wurden während des Krieges intensiv gelesen und danach oft vernichtet, da der Besitz solcher Propagandamaterialien in der Nachkriegszeit problematisch sein konnte. Vollständig erhaltene Exemplare mit allen Farbseiten sind daher heute gesuchte Sammlerstücke für Militaria-Sammler und Historiker.
Signal wurde in verschiedenen europäischen Städten gedruckt, um die Distribution zu erleichtern. Für die französische Ausgabe gab es Druckereien in Paris und anderen besetzten Gebieten. Die Zeitschrift kostete in Frankreich etwa 5 Francs und wurde sowohl im Abonnement als auch im Einzelverkauf angeboten.
Nach der Befreiung Frankreichs im Sommer 1944 konnte Signal dort nicht mehr vertrieben werden. Die Produktion lief jedoch bis April 1945 weiter, wobei die letzten Ausgaben nur noch in deutschen oder noch deutsch kontrollierten Gebieten erschienen. Die letzte reguläre Ausgabe war die Nummer vom März 1945.
Heute sind Exemplare von Signal wichtige historische Quellen für die Erforschung der NS-Propaganda, der visuellen Kultur des Zweiten Weltkriegs und der Besatzungspolitik. Sie dokumentieren, wie das NS-Regime versuchte, die öffentliche Meinung in den besetzten Gebieten zu beeinflussen, und bieten Einblicke in die Selbstdarstellung der Wehrmacht. Gleichzeitig müssen sie kritisch im Kontext ihrer propagandistischen Funktion betrachtet werden.