Frankreich 2. Empire Urkunde zur Entlassung in die Reserve für den Soldaten «Malaussena» im «4e régiment d'infanterie Sardes» 1863
Das vorliegende Dokument ist eine Entlassungsurkunde in die Reserve aus dem Jahr 1863, die einem Soldaten namens Malaussena vom 4. Sardischen Infanterieregiment (4e régiment d'infanterie Sardes) ausgestellt wurde. Diese Urkunde stammt aus dem Département des Alpes-Maritimes und repräsentiert eine faszinierende Übergangsperiode in der europäischen Militärgeschichte.
Die historische Bedeutung dieses Dokuments liegt in seinem Entstehungszeitraum während des Zweiten Französischen Kaiserreichs unter Napoleon III. (1852-1870). Das Jahr 1863 war eine Zeit relativer Stabilität nach den turbulenten Jahren der italienischen Einigungskriege. Die Erwähnung eines “sardischen” Regiments in französischen Diensten verweist auf die komplexen politischen Verhältnisse dieser Epoche.
Nach dem Vertrag von Turin (1860) wurden die Grafschaft Nizza und Savoyen von Sardinien-Piemont an Frankreich abgetreten. Dies war der Preis für die französische Unterstützung im Zweiten Italienischen Unabhängigkeitskrieg (1859). Die Alpes-Maritimes wurden als neues französisches Département gegründet, und die dort stationierten oder rekrutierten militärischen Einheiten befanden sich in einer Übergangsphase zwischen sardischer und französischer Verwaltung.
Die militärischen Entlassungsurkunden dieser Periode folgten strengen bürokratischen Verfahren. Jeder Soldat, der seinen aktiven Dienst beendete, erhielt ein offizielles Dokument, das seine Dienstzeit, sein Verhalten und seine militärischen Qualifikationen bescheinigte. Diese Dokumente waren von erheblicher praktischer Bedeutung: Sie dienten als Nachweis des geleisteten Militärdienstes, waren wichtig für Pensionsansprüche und konnten bei der Arbeitssuche im zivilen Leben hilfreich sein.
Das französische Militärsystem unter dem Zweiten Kaiserreich basierte auf dem Conscriptionsgesetz, das eine allgemeine Wehrpflicht vorsah, jedoch mit verschiedenen Ausnahmen und der Möglichkeit, einen Ersatzmann zu stellen. Die normale Dienstzeit betrug sieben Jahre aktiven Dienst, gefolgt von einer Reserveverpflichtung. Die Entlassung in die Reserve bedeutete nicht das Ende aller militärischen Verpflichtungen, sondern einen Übergang in einen Status, in dem der Soldat im Kriegsfall wieder einberufen werden konnte.
Die typische Urkunde dieser Art wurde auf hochwertigem Papier gedruckt und enthielt vorgedruckte Formulierungen mit handschriftlich ausgefüllten spezifischen Informationen. Sie trug üblicherweise offizielle Siegel und Unterschriften von Militärbeamten und zivilen Behörden. Die Dimensionen von etwa 41,7 x 29,4 cm entsprechen dem damals gebräuchlichen Format für offizielle Militärdokumente.
Das 4. Sardische Infanterieregiment war Teil der komplexen militärischen Strukturen, die während der territorialen Neuordnung zwischen Sardinien-Piemont und Frankreich entstanden. Solche Einheiten behielten oft ihre historischen Bezeichnungen bei, auch wenn sie in neue Kommandostrukturen integriert wurden. Dies diente der Aufrechterhaltung der militärischen Tradition und des Regimentsstolzes.
Die Konservierung solcher Dokumente ist historisch wertvoll, da sie Einblicke in die individuellen Erfahrungen einfacher Soldaten bieten. Im Gegensatz zu offiziellen Militärarchiven, die sich hauptsächlich mit strategischen und operativen Fragen befassen, dokumentieren Entlassungsurkunden die persönlichen Militärkarrieren und tragen zur Sozialgeschichte des 19. Jahrhunderts bei.
Das Département des Alpes-Maritimes hatte als neues französisches Gebiet besondere administrative Herausforderungen zu bewältigen. Die Integration der ehemaligen sardischen Untertanen in das französische System, einschließlich des Militärwesens, erforderte sorgfältige bürokratische Verfahren. Dokumente wie diese Entlassungsurkunde waren Teil dieses Integrationsprozesses.
Für Sammler und Historiker bieten solche Dokumente wichtige Informationen über militärische Verwaltungspraktiken, regionale Geschichte und die Auswirkungen der europäischen Territorialveränderungen auf individuelle Leben. Sie ergänzen unser Verständnis einer Epoche, die durch nationale Einigungsbewegungen, imperiale Expansion und die Modernisierung militärischer Strukturen geprägt war.