Königreich Sachsen Erster Weltkrieg weiße lange Unterhose für einen Angehörigen des Schützen-(Füsilier-) Regiments Prinz Georg Nr. 108

Friedensstandort Dresden, um 1914. Lange Hose aus weißer Baumwolle. Mit Kammerstempel "108. R" und Qualitätsetikett "Garantiert echte amerikanische Pflanzenfaser". Gebrauchter Zustand.
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135,00

Königreich Sachsen Erster Weltkrieg weiße lange Unterhose für einen Angehörigen des Schützen-(Füsilier-) Regiments Prinz Georg Nr. 108

Diese weiße lange Unterhose aus Baumwolle repräsentiert ein oft übersehenes, aber wesentliches Element der militärischen Ausrüstung während des Ersten Weltkriegs. Das Kleidungsstück gehörte einem Angehörigen des Königlich Sächsischen Schützen-(Füsilier-) Regiments “Prinz Georg” Nr. 108, einer traditionsreichen Einheit der sächsischen Armee mit Friedensstandort in Dresden.

Das Schützen-Regiment Nr. 108 wurde als Teil der Reorganisation der sächsischen Armee aufgestellt und trug den Ehrennamen “Prinz Georg” zu Ehren des sächsischen Prinzen. Als Schützenregiment gehörte es zur Infanterie und war mit modernen Taktiken und Ausrüstung versehen. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 wurde das Regiment mobilisiert und an verschiedenen Fronten eingesetzt, wo es an bedeutenden Schlachten des Krieges teilnahm.

Die Unterwäsche der deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg folgte präzisen Bekleidungsvorschriften, die in den verschiedenen Heeresverwaltungen des Deutschen Kaiserreichs festgelegt waren. Das Königreich Sachsen behielt bis 1918 seine eigene Militärverwaltung bei, weshalb sächsische Regimenter eigene Depots und Versorgungssysteme unterhielten. Der aufgestempelte Kammerstempel “108. R” identifiziert das Kleidungsstück eindeutig als Eigentum des 108. Regiments und diente der Verwaltung und Nachverfolgung der Ausrüstungsgegenstände.

Die Verwendung von “amerikanischer Pflanzenfaser”, wie auf dem Qualitätsetikett angegeben, verweist auf die hochwertige Baumwolle aus den Vereinigten Staaten, die vor dem Krieg einen bedeutenden Teil der europäischen Textilimporte ausmachte. Diese Baumwolle galt als besonders strapazierfähig und hautfreundlich. Mit Beginn des Krieges und der britischen Seeblockade wurde der Import amerikanischer Baumwolle zunehmend schwieriger, was zu einer Textilknappheit und der Verwendung von Ersatzstoffen führte. Die Tatsache, dass dieses Kleidungsstück aus echter amerikanischer Baumwolle gefertigt wurde, deutet auf eine Herstellung in der Friedenszeit oder den frühen Kriegsmonaten um 1914 hin.

Die Hygiene und Unterwäsche der Soldaten war ein zentrales Anliegen der Militärmedizin. Lange Unterhosen aus Baumwolle dienten mehreren Zwecken: Sie schützten vor Kälte, verhinderten Hautreizungen durch die grobe Uniformwolle und trugen zur persönlichen Hygiene bei. In den Schützengräben des Ersten Weltkriegs, wo sanitäre Bedingungen oft katastrophal waren, wurde saubere Unterwäsche zu einem wichtigen Faktor für die Gesundheit und Kampffähigkeit der Truppen.

Die medizinischen Dienste der Armee erkannten früh den Zusammenhang zwischen mangelnder Hygiene und Krankheiten wie Läusebefall, Typhus und Hautinfektionen. Regelmäßiger Wäschewechsel war vorgeschrieben, aber in der Realität des Grabenkriegs oft unmöglich umzusetzen. Soldaten trugen ihre Unterwäsche oft wochenlang ohne Wechselmöglichkeit. Entlausungsstationen und Feldbäder wurden eingerichtet, um die hygienische Situation zu verbessern.

Die Versorgung mit Bekleidung erfolgte über das Depotregiment in Dresden. Jeder Soldat erhielt bei seiner Einberufung eine Grundausstattung, zu der mehrere Garnituren Unterwäsche gehörten. Der Kammerstempel ermöglichte es, die Kleidungsstücke nach dem Waschen den jeweiligen Einheiten wieder zuzuordnen. Das System der Markierung und Verwaltung von Ausrüstungsgegenständen war hochentwickelt und spiegelt die preußisch-deutsche Verwaltungsgenauigkeit wider.

Das Königreich Sachsen stellte im Ersten Weltkrieg bedeutende Truppenkontingente für das Deutsche Heer. Sächsische Regimenter kämpften an der Westfront in Frankreich und Belgien sowie an der Ostfront gegen Russland. Das Schützen-Regiment Nr. 108 teilte das Schicksal vieler deutscher Einheiten: hohe Verluste, zermürbender Stellungskrieg und schließlich die Niederlage 1918.

Aus heutiger Sicht erscheint ein so alltäglicher Gegenstand wie eine Unterhose als ungewöhnliches Sammlerstück. Doch gerade diese persönlichen Gegenstände bieten einzigartige Einblicke in den Alltag der Soldaten jenseits von Waffen und Orden. Sie erinnern daran, dass hinter den militärischen Operationen Millionen individueller Schicksale standen – Männer, die mit den elementarsten Bedürfnissen wie Wärme, Sauberkeit und Komfort kämpften.

Die Erhaltung solcher Textilien über mehr als ein Jahrhundert ist bemerkenswert, da Baumwollstoffe empfindlich gegenüber Feuchtigkeit, Licht und biologischem Abbau sind. Der “gebrauchte Zustand” des Objekts zeugt von seiner tatsächlichen Verwendung und verleiht ihm einen authentischen historischen Wert, der weit über perfekt erhaltene, nie getragene Stücke hinausgeht.