Ostpreußen: Dokumentengruppe + Foto eines Gefreiten später Unteroffizier

Kleine Dokumentengruppe von dem Gefreiten Gustav Karl Kaschemeck des 4. Kompanie Infanterie Regiment 44.

- Führungszeugnis vom Gefreiten Kaschemeck, der vom 11. Oktober 1900 bis 27. September 1902 bei der 4. Kompanie Infanterie Regiments Graf Dönhoff (7. Ostpreußischen) Nr. 44 gedient hat, ausgestellt am 10. Juni 1905. Das Zeugnis ist mehrfach gefaltet, Zustand 2-

- Besitzzeugnis zur Landwehr Dienstauszeichnung 2. Klasse, an dem Unteroffizier Kaschemeck, der 13. Kavallerie Brigade vom 18. März 1913, unterzeichnet und Gestempelt vom Bezirkskommando Bielefeld, Hauptmann und Bezirksoffizier, mehrfach gefaltet, Zustand 2-

- Anbei ein Foto von Gustav Karl Kaschemeck, Würzburg, Juli 1915
439780
70,00

Ostpreußen: Dokumentengruppe + Foto eines Gefreiten später Unteroffizier

Diese Dokumentengruppe bietet einen faszinierenden Einblick in die militärische Laufbahn eines ostpreußischen Soldaten vom ausgehenden Kaiserreich bis zum Ersten Weltkrieg. Die Sammlung dokumentiert den Werdegang von Gustav Karl Kaschemeck, der zunächst als Gefreiter beim Infanterie-Regiment Graf Dönhoff (7. Ostpreußisches) Nr. 44 diente und später zum Unteroffizier befördert wurde.

Das Infanterie-Regiment Nr. 44 gehörte zu den traditionsreichen ostpreußischen Truppenverbänden der preußischen Armee. Es trug den Ehrennamen “Graf Dönhoff” nach dem preußischen Generalfeldmarschall Friedrich Karl Emil Graf zu Dönhoff. Das Regiment war in Insterburg (heute Tschernjachowsk) stationiert und rekrutierte seine Mannschaften hauptsächlich aus Ostpreußen. Die 4. Kompanie, der Kaschemeck angehörte, war Teil des ersten Bataillons dieses Regiments.

Das Führungszeugnis vom 10. Juni 1905 dokumentiert Kaschemecks aktive Dienstzeit von Oktober 1900 bis September 1902. Solche Zeugnisse waren für ehemalige Soldaten von erheblicher Bedeutung, da sie bei der Arbeitssuche im zivilen Leben oft vorgelegt werden mussten. Sie enthielten typischerweise Informationen über die Führung des Soldaten, seine Zuverlässigkeit und sein Verhalten während der Dienstzeit. Die mehrfache Faltung des Dokuments deutet darauf hin, dass es häufig bei sich getragen und möglicherweise mehrfach vorgelegt wurde.

Nach seiner aktiven Dienstzeit wurde Kaschemeck in die Landwehr überstellt, wie es für alle deutschen Wehrpflichtigen üblich war. Das preußische Wehrsystem des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts basierte auf der allgemeinen Wehrpflicht mit anschließender Landwehr- und Landsturmzeit. Nach dem aktiven Dienst verblieben Soldaten zunächst in der Reserve, dann in der Landwehr erster und zweiter Aufstellung.

Das Besitzzeugnis zur Landwehr-Dienstauszeichnung 2. Klasse vom 18. März 1913 belegt Kaschemecks treue Pflichterfüllung während seiner Landwehrzeit. Diese Auszeichnung wurde für längere, tadellose Dienstzeit in der Landwehr verliehen. Interessant ist die Ausstellung durch das Bezirkskommando Bielefeld, was darauf hindeutet, dass Kaschemeck nach seiner aktiven Dienstzeit von Ostpreußen ins westfälische Bielefeld gezogen war – ein typisches Beispiel für die damalige Binnenmigration innerhalb des Deutschen Reiches. Die Zuordnung zur 13. Kavallerie-Brigade zeigt, dass Landwehrsoldaten administrativ oft anderen Waffengattungen als ihrer ursprünglichen zugeordnet wurden, je nach regionalem Bedarf.

Das beigefügte Foto aus Würzburg, Juli 1915 dokumentiert Kaschemeck bereits im Ersten Weltkrieg. Würzburg beherbergte mehrere militärische Einrichtungen, darunter das II. Bayerische Armeekorps. Die Anwesenheit Kaschemecks dort im Sommer 1915 könnte auf eine Stationierung, Ausbildung oder einen Lazarettaufenthalt hindeuten. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits Hunderttausende deutsche Soldaten an Ost- und Westfront gefallen oder verwundet worden.

Die Beförderung vom Gefreiten zum Unteroffizier spiegelt eine erfolgreiche militärische Karriere wider. Unteroffiziere bildeten das Rückgrat der kaiserlichen Armee – sie waren die direkten Vorgesetzten der Mannschaften und für die Ausbildung und Disziplin in ihrer Gruppe verantwortlich. Die Beförderung zum Unteroffizier erforderte nicht nur militärische Fähigkeiten, sondern auch Führungsqualitäten und Zuverlässigkeit.

Diese Dokumentengruppe ist typisch für die persönlichen Militaria vieler deutscher Soldaten jener Epoche. Sie illustriert den Lebensweg eines einfachen Soldaten durch verschiedene Phasen des Militärdienstes: von der aktiven Zeit über die Landwehr bis zum Kriegseinsatz. Solche Sammlungen sind heute wichtige historische Quellen für die Erforschung des Alltags und der Biografien einfacher Soldaten, die oft in den großen historischen Narrativen untergehen.

Die geografische Mobilität – von Ostpreußen über Westfalen nach Bayern – war charakteristisch für viele deutsche Soldaten und zeigt die integrative Wirkung des Militärdienstes im Kaiserreich. Das Militär diente nicht nur der Verteidigung, sondern auch als Schmelztiegel verschiedener regionaler Kulturen innerhalb des Deutschen Reiches.