Preußen Kartuschkasten Modell 1881 für den Revolver 1879 für einen Unteroffizier in der 3. Reitenden Batterie im Torgauer Feldartillerie-Regiment Nr. 74
Der preußische Kartuschkasten Modell 1881 für den Revolver 1879 stellt ein bedeutendes Ausrüstungsstück der deutschen Kaiserzeit dar, das die Modernisierung der preußischen Armee im späten 19. Jahrhundert widerspiegelt. Dieses spezielle Exemplar wurde von einem Unteroffizier in der 3. Reitenden Batterie des Torgauer Feldartillerie-Regiments Nr. 74 getragen, einer Einheit mit stolzer Tradition in der preußischen Militärgeschichte.
Das Feldartillerie-Regiment Nr. 74 wurde ursprünglich als Torgauer Feldartillerie-Regiment bezeichnet und war in der Festungsstadt Torgau an der Elbe stationiert. Diese Stadt spielte eine wichtige Rolle in der preußischen Militärgeschichte, nicht zuletzt durch die berühmte Schlacht bei Torgau während des Siebenjährigen Krieges im Jahr 1760. Das Regiment gehörte zum XII. (I. Königlich Sächsischen) Armeekorps und war Teil der reichhaltigen militärischen Tradition Sachsens innerhalb des Deutschen Kaiserreichs nach 1871.
Der Reichsrevolver Modell 1879, für dessen Munition dieser Kartuschkasten konzipiert wurde, war eine Weiterentwicklung des Modell 1869 und stellte eine bedeutende Verbesserung der Handfeuerwaffen der deutschen Armee dar. Diese sechsschüssige Waffe im Kaliber 10,6 mm wurde von der Königlich Preußischen Gewehrprüfungskommission in Spandau entwickelt und war bis zur Einführung der Selbstladepistolen im frühen 20. Jahrhundert im Dienst. Der Revolver wurde hauptsächlich an Unteroffiziere, berittene Truppen und Artilleristen ausgegeben, die aufgrund ihrer Aufgaben keine Langwaffen mitführen konnten.
Der Kartuschkasten Modell 1881 wurde speziell entwickelt, um die Munition für diesen Revolver sicher und griffbereit zu transportieren. Die Konstruktion aus geschwärztem Leder mit Messingbeschlägen war charakteristisch für die preußische Ausrüstung dieser Zeit. Das geschwärzte Leder bot Schutz vor Witterungseinflüssen und war gleichzeitig ein ästhetisches Element der Uniform. Die Messingauflagen dienten nicht nur der Verzierung, sondern verstärkten auch die am meisten beanspruchten Bereiche des Kastens.
Besonders interessant an diesem Exemplar ist das Trägeretikett, das den Namen des Trägers “[..]ebecke” sowie seine Zugehörigkeit zur “3. reit. Batt. Regt.74” dokumentiert. Die Reitenden Batterien waren besonders mobile Artillerieeinheiten, die vollständig beritten waren und schnell auf dem Gefechtsfeld verlegt werden konnten. Im Gegensatz zu den Fußartillerie-Batterien, bei denen die Mannschaften zu Fuß marschierten, saßen bei den reitenden Batterien alle Soldaten zu Pferd. Dies erforderte eine besondere Ausbildung und stellte höhere Anforderungen an die körperliche Fitness und reiterlichen Fähigkeiten der Mannschaften.
Die Tatsache, dass unter dem Etikett noch ein älteres mit dem Rang “Sergeant” zu erkennen ist, dokumentiert die militärische Laufbahn des Trägers oder möglicherweise die Weitergabe des Ausrüstungsstücks an einen nachfolgenden Träger. In der preußischen Armee war der Sergeant ein höherer Unteroffiziersrang, der mit erheblicher Verantwortung verbunden war. Sergeanten waren oft für die Ausbildung und Disziplin der Mannschaften verantwortlich und bildeten das Rückgrat der Truppenführung auf unterer Ebene.
Die Datierung “um 1900” platziert dieses Ausrüstungsstück in eine besonders interessante Phase der deutschen Militärgeschichte. Dies war die Ära der Hochrüstung vor dem Ersten Weltkrieg, als das Deutsche Kaiserreich unter Kaiser Wilhelm II. seine Streitkräfte massiv ausbaute. Die Feldartillerie spielte in der deutschen Militärdoktrin dieser Zeit eine zentrale Rolle, und die reitenden Batterien waren ein wichtiger Bestandteil der operativen Flexibilität der Armee.
Das Fehlen des Ladestocks ist nicht ungewöhnlich für erhaltene Exemplare, da diese oft verloren gingen oder separat aufbewahrt wurden. Der Ladestock war ein Werkzeug zum Entfernen von Patronenhülsen aus dem Revolver und wurde normalerweise in einer speziellen Tasche im Kartuschkasten aufbewahrt.
Die Erhaltung solcher personalisierter Ausrüstungsstücke ist von besonderem historischem Wert, da sie eine direkte Verbindung zu den Männern herstellen, die im kaiserlichen Heer dienten. Während Waffen und Uniformen oft standardisiert waren, zeigen die persönlichen Etiketten und Gebrauchsspuren die individuelle Geschichte hinter den militärischen Strukturen. Für Sammler und Historiker bieten solche Objekte wertvolle Einblicke in den Alltag und die Organisation der preußisch-deutschen Armee um die Jahrhundertwende.
Der Zustand 2 deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar hin, das die Jahre überdauert hat und heute als wichtiges Zeugnis der deutschen Militärgeschichte dient. Solche Ausrüstungsstücke sind heute selten und dokumentieren eine Epoche, die mit dem Ersten Weltkrieg ein dramatisches Ende fand.