Heer - Originalunterschrift von Feldwebel W. Jacob

es handelt sich um eine originale Zeichnung ( 14 x 21 cm ) des Malers Franz Gebert aus München, die er Jacob zugeschickt hat und um eine Unterschrift bat. Vorderseitig mit sehr schöner Tintensignatur " W. Jabob ". Zustand 2.
Die Zeichnung ist der Willrich-Postkarte nachempfunden und hat rückseitig das Anschreiben des Künstlers.
200682
350,00

Heer - Originalunterschrift von Feldwebel W. Jacob

Die vorliegende Zeichnung repräsentiert ein faszinierendes Beispiel für die militärische Erinnerungskultur während des Zweiten Weltkriegs, bei der Soldaten und Künstler in direktem Austausch standen. Das Dokument verbindet die künstlerische Arbeit von Franz Gebert aus München mit der Unterschrift des Feldwebels W. Jacob und bietet einen Einblick in die Praxis des Sammelns von Autogrammen militärischer Persönlichkeiten.

Die Zeichnung mit den Maßen 14 x 21 cm orientiert sich an den bekannten Postkarten von Wolfgang Willrich, einem der bekanntesten Porträtisten der Wehrmacht während des Krieges. Willrich (1897-1948) schuf zwischen 1939 und 1944 eine umfangreiche Serie von Soldatenporträts, die als Postkarten millionenfach verbreitet wurden. Seine idealisierten Darstellungen von Trägern hoher Auszeichnungen, insbesondere des Ritterkreuzes, dienten der Propaganda und der Heldenverehrung.

Die Praxis, Künstler wie Franz Gebert Zeichnungen nach Willrich-Vorlagen anfertigen zu lassen und diese dann von den dargestellten Personen signieren zu lassen, war während des Krieges verbreitet. Dies geschah aus verschiedenen Gründen: Sammler militärischer Memorabilia suchten nach persönlichen Erinnerungsstücken, Künstler wollten ihre Werke durch prominente Unterschriften aufwerten, und die Soldaten selbst nutzten solche signierten Darstellungen als Geschenke oder zum Tausch.

Der Rang eines Feldwebels war in der Wehrmacht ein wichtiger Unteroffiziersdienstgrad. Feldwebel bildeten das Rückgrat der militärischen Führung auf Kompanie- und Bataillonsebene und waren verantwortlich für die Ausbildung und Führung von Mannschaften im Gefecht. Wenn ein Feldwebel für eine solche künstlerische Darstellung ausgewählt wurde, deutet dies häufig auf die Verleihung einer bedeutenden Auszeichnung hin, möglicherweise des Ritterkreuzes oder anderer hoher Tapferkeitsauszeichnungen.

Das rückseitige Anschreiben des Künstlers Franz Gebert dokumentiert den direkten Kontakt zwischen dem Münchner Maler und dem Soldaten. München war während des Krieges ein bedeutendes Zentrum künstlerischer Tätigkeit, und zahlreiche Künstler beschäftigten sich mit militärischen Motiven. Einige arbeiteten offiziell als Kriegsmaler, andere wie Gebert auf private Initiative.

Die Tintensignatur “W. Jacob” auf der Vorderseite verleiht dem Kunstwerk einen persönlichen und dokumentarischen Charakter. Solche Signaturen wurden oft bei persönlichen Treffen, in Lazaretten während der Genesung oder per Post eingeholt. Die Tatsache, dass der Künstler das Werk zuschickte und um eine Unterschrift bat, zeigt das typische Vorgehen bei der Erstellung solcher Erinnerungsstücke.

Der angegebene Zustand 2 nach der üblichen Erhaltungsskala für militärische Antiquitäten deutet auf ein gut erhaltenes Stück mit möglicherweise leichten Gebrauchsspuren hin. Papierarbeiten aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs sind besonders anfällig für Alterung, Verfärbung und Beschädigung, weshalb gut erhaltene Exemplare heute selten sind.

Solche Dokumente sind heute von historischem Interesse, da sie mehrere Aspekte beleuchten: die Propagandafunktion idealisierter Soldatendarstellungen, die persönliche Erinnerungskultur der Kriegsteilnehmer, die Rolle von Künstlern in der Kriegsgesellschaft und die materielle Kultur des militärischen Sammelwesens. Sie dokumentieren auch die Bedeutung, die individuellen Auszeichnungen und der Heroisierung einzelner Soldaten im nationalsozialistischen Deutschland beigemessen wurde.

Die Tradition, Porträts von Militärangehörigen anzufertigen und zu sammeln, reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück, erlebte aber während des Zweiten Weltkriegs durch die Massenproduktion von Postkarten und die gezielte propagandistische Nutzung einen Höhepunkt. Die Willrich-Postkarten wurden von der Wehrmacht und verschiedenen Verlagen in Millionenauflagen gedruckt und waren sowohl an der Front als auch in der Heimat weit verbreitet.

Heute sind solche Objekte wichtige Quellen für die Erforschung der Alltagsgeschichte, der visuellen Propaganda und der Selbstwahrnehmung der Wehrmacht. Sie müssen im historischen Kontext betrachtet und kritisch eingeordnet werden, um ihre Funktion in der nationalsozialistischen Gesellschaft zu verstehen.