Braunschweig - Erinnerungsmedaille an die 100jahr Feier 1909 des Braunschweigischen Infanterie-Regiment Nr. 92
Die Erinnerungsmedaille an die 100-Jahrfeier des Braunschweigischen Infanterie-Regiments Nr. 92 aus dem Jahr 1909 stellt ein bedeutendes Zeugnis der preußisch-deutschen Militärgeschichte und der Tradition des Herzogtums Braunschweig dar. Diese Medaille wurde anlässlich des hundertjährigen Bestehens eines Regiments ausgegeben, das tief in der Geschichte der napoleonischen Kriege verwurzelt war.
Das Infanterie-Regiment Nr. 92 führte seine Ursprünge auf das Jahr 1809 zurück, als das Herzogtum Braunschweig unter der Herrschaft von Herzog Friedrich Wilhelm stand. In diesem Jahr formierte der Herzog das berühmte “Schwarze Korps” oder die “Schwarze Schar”, eine Freiwilligeneinheit, die gegen die napoleonische Besatzung kämpfte. Diese Truppe, die sich durch ihre schwarzen Uniformen mit Totenköpfen auszeichnete, wurde zu einem Symbol des Widerstands gegen die französische Herrschaft in Deutschland.
Nach der Niederlage Napoleons und der Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress 1815 wurde das Herzogtum Braunschweig wiederhergestellt. Die militärischen Traditionen des Schwarzen Korps wurden in die reguläre braunschweigische Armee übernommen. Im Zuge der deutschen Einigungskriege und der Reichsgründung 1871 wurden die braunschweigischen Truppen in die Preußische Armee integriert, behielten jedoch ihre regionalen Traditionen und Bezeichnungen.
Das Braunschweigische Infanterie-Regiment Nr. 92 war im Rahmen der preußischen Heeresorganisation dem X. Armeekorps zugeordnet und in Braunschweig selbst stationiert. Das Regiment führte stolz die Traditionen der napoleonischen Ära weiter und pflegte die Erinnerung an die heldenhaften Taten des Schwarzen Korps unter Herzog Friedrich Wilhelm, der 1815 in der Schlacht bei Quatre-Bras fiel.
Die Jubiläumsfeier von 1909 fand in einer Zeit statt, die von wachsendem Militarismus und nationalem Stolz im Deutschen Kaiserreich geprägt war. Solche Regimentsjubiläen waren bedeutende gesellschaftliche Ereignisse, die nicht nur militärische, sondern auch zivile Würdenträger, Veteranen und die lokale Bevölkerung zusammenbrachten. Die Feierlichkeiten umfassten typischerweise Paraden, Gottesdienste, Festessen und die Ausgabe von Erinnerungsmedaillen an aktive und ehemalige Regimentsangehörige sowie an Ehrengäste.
Erinnerungsmedaillen dieser Art wurden nach den preußischen Ordensstatuten und militärischen Vorschriften hergestellt. Sie dienten nicht als offizielle Auszeichnungen im engeren Sinne, sondern als Andenken an bedeutende Ereignisse in der Regimentsgeschichte. Die Medaillen wurden häufig von den Regimentern selbst in Auftrag gegeben und aus eigenen Mitteln oder durch Spenden finanziert.
Die Gestaltung solcher Jubiläumsmedaillen folgte etablierten heraldischen und militärischen Konventionen. Typischerweise zeigten sie auf der Vorderseite Portraits von Herrschern oder Regimentschefs, Wappen oder militärische Symbole. Die Rückseite trug oft Inschriften mit den Jahreszahlen, Regimentsbezeichnungen und Hinweisen auf bedeutende Schlachten oder Ereignisse. Das Braunschweiger Wappen mit dem springenden weißen Pferd auf rotem Grund war ein häufiges Motiv auf Medaillen braunschweigischer Einheiten.
Das Jahr 1909 markierte einen Zeitpunkt, an dem das Deutsche Kaiserreich auf dem Höhepunkt seiner Macht stand, jedoch bereits die Spannungen spürbar wurden, die zum Ersten Weltkrieg führen sollten. Das Infanterie-Regiment Nr. 92 sollte nur fünf Jahre nach dieser Jubiläumsfeier in den Großen Krieg ziehen, wo viele seiner Angehörigen ihr Leben lassen würden.
Während des Ersten Weltkriegs kämpfte das Regiment an verschiedenen Fronten und erlitt erhebliche Verluste. Nach dem Krieg und der Auflösung der deutschen Monarchien 1918 wurde die alte preußisch-deutsche Armee aufgelöst. Das Braunschweigische Infanterie-Regiment Nr. 92 existierte nicht mehr, und seine Traditionen gingen in der Reichswehr der Weimarer Republik unter.
Für Sammler und Militärhistoriker stellen solche Erinnerungsmedaillen wertvolle Quellen dar. Sie dokumentieren nicht nur die organisatorische Struktur und Geschichte einzelner Einheiten, sondern auch die Selbstdarstellung und das Traditionsbewusstsein des kaiserlichen Militärs. Die Medaille von 1909 verbindet die napoleonische Ära mit der wilhelminischen Zeit und zeigt die Kontinuität militärischer Traditionen über ein Jahrhundert hinweg.
Der Erhaltungszustand solcher Medaillen variiert erheblich. Stücke in gutem Zustand mit klaren Details und wenig Abnutzung sind besonders gesucht. Die Medaillen wurden ursprünglich mit Bändern getragen, die oft verloren gegangen sind. Heute werden sie von Sammlern als wichtige Zeugnisse der deutschen Militärgeschichte geschätzt und bilden einen Schwerpunkt in Sammlungen zur preußischen Armee und zur Geschichte der deutschen Kleinstaaten.