Österreich-Ungarn/K.u.K.-Monarchie 1. Weltkrieg "Berndorfer" Stahlhelm

Um 1917. Der Stahlhelm mit dem typischen Ventilationsloch auf der Oberseite der Glocke weist teils stärkere Korrosionsspuren auf, auf der rechten Seite ist ein größeres Loch, das Innenfutter und der Kinnriemen fehlen. Die Lackierung ist zu ca. 50% erhalten. Zustand 3.
Ein Fundstück von den Schlachtfeldern der italienischen Alpenfront.

Sehr selten! Eine schöne Beschreibung der Geschichte dieses Helmtyps finden Sie hier: https://blog.hgm.at/2020/08/13/stahlhelme-in-der-k-u-k-armee/
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Österreich-Ungarn/K.u.K.-Monarchie 1. Weltkrieg "Berndorfer" Stahlhelm

Der Berndorfer Stahlhelm stellt eines der seltensten und historisch bedeutsamsten Ausrüstungsstücke der k.u.k. Armee des Ersten Weltkriegs dar. Dieser um 1917 entwickelte Helm verkörpert die verzweifelten Bemühungen der österreichisch-ungarischen Militärführung, ihre Truppen mit modernem Kopfschutz auszustatten, während das Kaiserreich bereits unter enormem militärischem und wirtschaftlichem Druck stand.

Die Entwicklung von Stahlhelmen in der k.u.k. Monarchie begann verhältnismäßig spät. Während das Deutsche Reich bereits 1916 den legendären M1916-Stahlhelm einführte und Frankreich schon 1915 den Adrian-Helm verwendete, kämpften österreichisch-ungarische Soldaten noch lange mit den völlig unzureichenden Pickelhauben und Tschakos. Die verheerenden Verluste, besonders an der Isonzofront und in den Kämpfen in den Dolomiten, machten die Einführung eines wirksamen Kopfschutzes zur dringenden Notwendigkeit.

Der Berndorfer Helm wurde in den Krupp-Berndorfer Metallwerken in Berndorf, Niederösterreich, produziert. Diese Fabrik, eine Tochtergesellschaft des deutschen Krupp-Konzerns, war eines der wenigen Unternehmen in der Donaumonarchie, das über die technischen Kapazitäten zur Herstellung von Stahlhelmen verfügte. Das charakteristische Merkmal dieses Helmtyps ist das Ventilationsloch auf der Oberseite der Helmglocke, das zur Luftzirkulation und zum Druckausgleich diente – ein Detail, das bei späteren Modellen aufgegeben wurde.

Die Konstruktion des Berndorfer Helms orientierte sich teilweise am deutschen Vorbild, wies jedoch eigene Merkmale auf. Die Helmglocke wurde aus einem Stück Stahl gepresst und anschließend gehärtet. Die Materialstärke variierte je nach Produktionscharge und Verfügbarkeit von Rohstoffen zwischen 0,8 und 1,2 Millimetern. Im Laufe des Krieges verschlechterte sich die Qualität aufgrund von Materialknappheit zusehends.

Das Innenfutter bestand typischerweise aus Leder mit einer Polsterung, die durch ein Gestänge mit der Helmglocke verbunden war. Der Kinnriemen war ebenfalls aus Leder gefertigt und wurde seitlich befestigt. Diese Komponenten sind bei Fundstücken von den Schlachtfeldern fast nie erhalten, da organische Materialien der Verwitterung zum Opfer fallen.

Die Produktion des Berndorfer Helms war zahlenmäßig äußerst begrenzt. Schätzungen zufolge wurden nur wenige tausend Exemplare hergestellt, bevor die Produktion eingestellt wurde. Die Gründe hierfür waren vielfältig: Materialmangel, konkurrierende Produktionslinien (die k.u.k. Armee testete gleichzeitig mehrere Helmmodelle) und die sich verschlechternde wirtschaftliche Lage der Monarchie. Viele Einheiten erhielten stattdessen deutsche M1916-Helme oder italienische Adrian-Helme von Beutegut.

Der hier beschriebene Helm stammt von den Schlachtfeldern der italienischen Alpenfront, jenem alpinen Kriegsschauplatz, der zu den härtesten und verlustreichsten des gesamten Ersten Weltkriegs zählte. Zwischen 1915 und 1918 tobten hier insgesamt zwölf Isonzoschlachten sowie brutale Kämpfe in extremen Höhenlagen. Die Bedingungen waren unbeschreiblich: Soldaten kämpften auf Gletschern, in eisigen Felshöhlen und unter ständiger Gefahr von Lawinen und Steinschlag.

Die Korrosionsspuren und Beschädigungen an diesem Helm – insbesondere das größere Loch auf der rechten Seite – erzählen von den extremen Bedingungen, denen das Objekt ausgesetzt war. Ob dieses Loch durch Beschuss, Granatsplitter oder spätere Einwirkungen entstand, lässt sich nicht mehr feststellen. Die teilweise erhaltene Lackierung (ca. 50%) ist bemerkenswert, da die meisten Fundstücke vollständig entlackt sind. Die ursprüngliche Farbe war typischerweise ein feldgrau oder graugrün, ähnlich den deutschen Helmen.

Die Seltenheit des Berndorfer Helms macht ihn heute zu einem hochgeschätzten Sammlerobjekt. Im Gegensatz zu den in Millionen produzierten deutschen oder französischen Helmen existieren nur noch wenige hundert Exemplare in Museen und Privatsammlungen weltweit. Jeder Fund von den alten Schlachtfeldern – auch in beschädigtem Zustand – ist von erheblichem historischem Wert.

Der Zustand 3 (mittlerer Erhaltungszustand mit deutlichen Mängeln) ist für ein Schlachtfeldfundstück durchaus typisch und mindert den historischen Wert kaum. Solche Objekte sind authentische Zeugnisse einer der größten Katastrophen der europäischen Geschichte und erinnern an das Leiden von Millionen Soldaten in einem sinnlosen Krieg, der letztendlich zum Untergang der jahrhundertealten Habsburgermonarchie führte.

Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien verfügt über eine bedeutende Sammlung von k.u.k. Stahlhelmen und dokumentiert ihre Entwicklungsgeschichte ausführlich. Für Sammler und Historiker bleibt der Berndorfer Helm ein faszinierendes Studienobjekt, das die technischen, wirtschaftlichen und militärischen Herausforderungen der Donaumonarchie in ihren letzten Kriegsjahren beispielhaft illustriert.