Reichsmarine Säbel für Offiziere .

Gut erhaltene, leicht gekrümmte Klinge mit Schör ohne Ätzung, auf der Fehlschärfe beidseitig früher Zeichen des Herstellers "E & F Hörster Solingen". Gedunkeltes Messinggefäß mit Löwenkopf, ohne Glasaugen, das Klappscharnier sowie das Scheidenmundblech mit "N 106" für Station Nordsee Gestempelt, weißer Griff mit intakter Drahtwicklung, schwarze Lederscheide mit ebenfalls abgedunkelten Beschlägen aus Messing, diese noch mit den originalen Krampen befestigt, die Scheide weist eine Knickstelle auf, getragen,sonst gut erhalten, komplett mit Portepee und Peitschengehänge. Zustand 2-
Gesamtlänge: 905mm
450084
2.450,00

Reichsmarine Säbel für Offiziere .

Der Reichsmarine-Säbel für Offiziere repräsentiert eine bedeutende Phase der deutschen Marinegeschichte zwischen 1919 und 1935. Nach dem Ersten Weltkrieg und der Abdankung Kaiser Wilhelms II. wurde die kaiserliche Marine in die Reichsmarine umgewandelt, die Seestreitkraft der Weimarer Republik. Diese Transformation brachte auch Änderungen in der Uniform- und Ausrüstungsordnung mit sich, obwohl viele traditionelle Elemente beibehalten wurden.

Die E & F Hörster aus Solingen gehörte zu den renommiertesten Herstellern von Blankwaffen in Deutschland. Die Stadt Solingen, oft als “Klingenstadt” bezeichnet, war seit Jahrhunderten das Zentrum der deutschen Klingenproduktion. Die Firma Hörster produzierte hochwertige Säbel und Degen für verschiedene Waffengattungen und Dienstgrade der deutschen Streitkräfte. Die Kennzeichnung der Fehlschärfe mit dem Herstellerlogo war eine übliche Praxis zur Qualitätssicherung und Authentifizierung.

Der Löwenkopfgriff war ein charakteristisches Merkmal der deutschen Marinesäbel dieser Epoche. Der Löwe symbolisierte Stärke, Mut und militärische Tugenden. Bei frühen Modellen der Reichsmarine wurden die Löwenköpfe zunächst ohne Glasaugen gefertigt, später wurden teilweise Modelle mit Glasaugen eingeführt. Das gedunkelte Messinggefäß deutet auf die Verwendung oder eine bewusste Patinierung hin, die bei Marinewaffen aufgrund der korrosiven Meeresluft häufig auftrat.

Die Stempelung “N 106” verweist auf die Station Nordsee, eine wichtige administrative und operative Einheit der Reichsmarine. Die Reichsmarine organisierte ihre Küstenverteidigung und Flottenoperationen in verschiedenen Stationen. Die Station Nordsee umfasste wichtige Marinestützpunkte wie Wilhelmshaven und Cuxhaven. Solche Stempel dienten der Inventarisierung und der Zuordnung von Ausrüstungsgegenständen zu bestimmten Einheiten. Die Nummerierung ermöglichte eine präzise Verwaltung der ausgegebenen Ausrüstung.

Der weiße Griff mit Drahtwicklung war typisch für Offizierssäbel der Marine. Die Wicklung, meist aus versilbertem oder verzinntem Draht, bot einen sicheren Griff auch unter feuchten Bedingungen. Der weiße Untergrund bestand üblicherweise aus Fischbein, Bein oder einer speziellen Griffmasse. Diese Kombination war nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch ansprechend und entsprach den Vorschriften für Offiziersblankwaffen.

Die schwarze Lederscheide mit Messingbeschlägen war Standard für Marineoffizierssäbel. Im Gegensatz zu Heeresvarianten, die oft Stahlscheiden hatten, bevorzugte die Marine Lederscheiden, da diese leichter und für den Borddienst praktischer waren. Die Krampen (Tragebügel) ermöglichten die Befestigung am Portepee und Peitschengehänge, welche zum vollständigen Tragegestell gehörten.

Das Portepee war ein wichtiges Rangabzeichen. Bei Offizieren bestand es aus hochwertigen Materialien mit silberfarbenen oder goldenen Elementen, abhängig vom Dienstgrad und der Truppengattung. Das Peitschengehänge war die typische Tragweise für Marineoffiziere und unterschied sich vom Heeresgürtelgehänge. Es wurde über die Schulter getragen und ermöglichte eine bequemere Handhabung an Bord von Schiffen.

Die leicht gekrümmte Klinge ohne Ätzung ist charakteristisch für spätere Produktionen oder Dienstwaffen. Während Paradestücke oft aufwendige Ätzungen mit maritimen Motiven, Anker, dem Reichsadler oder Widmungen trugen, waren Dienstwaffen häufig schlichter gestaltet. Die Schärfe war bei Offiziersblankwaffen der Reichsmarine meist funktional, auch wenn die Waffen primär zeremonielle Bedeutung hatten.

Nach 1935 wurde die Reichsmarine in die Kriegsmarine umbenannt, und neue Vorschriften führten zu modifizierten Waffendesigns. Reichsmarine-Säbel blieben jedoch teilweise in Gebrauch oder wurden umgearbeitet. Die Erhaltung vollständiger Exemplare mit Originalzubehör wie Portepee und Peitschengehänge ist heute relativ selten, da viele Stücke nach dem Zweiten Weltkrieg verlorengingen oder unvollständig blieben.

Für Sammler und Historiker bieten solche Säbel wertvolle Einblicke in die Materialkultur und Organisationsstrukturen der Weimarer Marine. Die spezifischen Stempel und Markierungen ermöglichen die Zuordnung zu bestimmten Einheiten und Zeiträumen, was die historische Forschung unterstützt. Die handwerkliche Qualität Solinger Klingenschmieden wird in diesen Objekten eindrucksvoll dokumentiert.

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