Schlesischer Adler 1. Stufe - Meybauer

Buntmetall emailliert, die Auflagen vernietet, rückseitig Markierung des Herstellers, Zustand 2
453985
€ 350,00

Schlesischer Adler 1. Stufe - Meybauer

Der Schlesische Adler war eine preußische militärische Auszeichnung, die während des Ersten Weltkriegs gestiftet wurde. Die hier beschriebene Dekoration der 1. Stufe stellt die höchste Klasse dieser regionalen Tapferkeitsauszeichnung dar, die vom Herzogtum Schlesien verliehen wurde.

Die Auszeichnung wurde am 8. Juni 1919 vom Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg als Regent des Herzogtums Braunschweig gestiftet, bezog sich jedoch auf die schlesischen Traditionen. Der Schlesische Adler war in zwei Stufen unterteilt: die 1. Stufe für herausragende Tapferkeit und die 2. Stufe für bewährte Leistungen im Kriegseinsatz.

Die technische Ausführung dieser Dekoration ist charakteristisch für die deutsche Ordensherstellung der Zeit. Das vorliegende Exemplar besteht aus Buntmetall (einer Kupferlegierung) und weist eine aufwendige Emaillierung auf. Die Konstruktion mit vernieteten Auflagen entspricht den üblichen Fertigungstechniken der Periode und garantierte Haltbarkeit bei gleichzeitiger ästhetischer Wirkung.

Besonders bemerkenswert ist die Herstellermarkierung von Meybauer auf der Rückseite. Die Firma Meybauer Berlin war eine der renommiertesten deutschen Ordensmanufakturen und gehörte zu den offiziell autorisierten Herstellern militärischer Auszeichnungen. Das Unternehmen wurde im 19. Jahrhundert gegründet und belieferte sowohl den preußischen Hof als auch verschiedene deutsche Fürstenhäuser mit hochwertigen Orden und Ehrenzeichen. Die Qualität der Meybauer-Produktion war legendär, und ihre Stücke zeichneten sich durch präzise Verarbeitung und hochwertige Materialien aus.

Der Schlesische Adler als Motiv hat tiefe historische Wurzeln. Der schlesische Adler war seit dem Mittelalter das Wappentier der Region Schlesien und symbolisierte die lange Tradition dieser historisch bedeutenden Provinz. Schlesien war über Jahrhunderte ein umkämpftes Gebiet zwischen verschiedenen Mächten und entwickelte eine eigene regionale Identität, die sich auch in militärischen Auszeichnungen niederschlug.

Die Verleihungspraxis der 1. Stufe war besonders restriktiv. Sie wurde nur für außergewöhnliche Tapferkeit vor dem Feind verliehen, wobei die Empfänger sich durch besondere Kühnheit und militärische Leistung auszeichnen mussten. Die Anzahl der verliehenen Exemplare war entsprechend gering, was diese Auszeichnung zu einer seltenen und hochgeschätzten Dekoration machte.

Der Zustand 2 des vorliegenden Stückes deutet auf eine gut erhaltene Dekoration hin, die nur leichte Gebrauchsspuren aufweist. In der Bewertungsskala militärischer Antiquitäten bezeichnet dieser Zustand ein Exemplar, das seine ursprüngliche Qualität weitgehend bewahrt hat, möglicherweise mit minimalen Alterungserscheinungen oder leichten Abnutzungsspuren an der Emaillierung.

Die historische Bedeutung solcher Auszeichnungen reicht über ihren militärischen Kontext hinaus. Sie dokumentieren die komplexe föderale Struktur des Deutschen Kaiserreichs, in dem verschiedene Territorien eigene Auszeichnungssysteme unterhielten. Der Schlesische Adler steht exemplarisch für die regionalen Identitäten innerhalb des größeren deutschen Staatsverbandes.

Für Sammler und Historiker sind authentische Exemplare mit Herstellermarkierungen wie der von Meybauer von besonderem Interesse. Sie ermöglichen nicht nur die Datierung und Authentifizierung, sondern geben auch Einblick in die handwerklichen Traditionen der deutschen Ordensherstellung. Die Firma Meybauer verwendete spezifische Markierungen und Fertigungstechniken, die heute zur Identifizierung originaler Stücke herangezogen werden können.

Die Emaillierungstechnik, die bei diesem Schlesischen Adler zur Anwendung kam, war ein aufwendiges Verfahren. Dabei wurden Glasflüsse bei hohen Temperaturen auf das Metall aufgeschmolzen, was besondere Expertise erforderte. Die Farbbeständigkeit und der Glanz echter Emaille sind charakteristisch für hochwertige Ordensproduktion und unterscheiden sich deutlich von späteren oder gefälschten Reproduktionen.

Im Kontext der deutschen Phaleristik nimmt der Schlesische Adler einen besonderen Platz ein. Er gehört zu jenen regionalen Auszeichnungen, die die Vielfalt des deutschen Ordenswesens dokumentieren und heute wichtige Zeugnisse der Militär- und Regionalgeschichte darstellen.