Preußen 1. Weltkrieg Kabinettfoto eines Soldaten im Füsilier-Regiment Königin (Schleswig-Holsteinisches) Nr. 86

Heimatstandort Flensburg/Sonderburg. Maße 10.4 x 16.2 cm. Zustand 2.
449686
25,00

Preußen 1. Weltkrieg Kabinettfoto eines Soldaten im Füsilier-Regiment Königin (Schleswig-Holsteinisches) Nr. 86

Das Füsilier-Regiment "Königin" (Schleswig-Holsteinisches) Nr. 86 gehörte zu den traditionsreichen Infanterieverbänden der preußischen Armee und spielte eine bedeutende Rolle im Ersten Weltkrieg. Dieses Kabinettfoto eines Soldaten dieser Einheit dokumentiert nicht nur die militärische Fotografie der Kaiserzeit, sondern auch die Geschichte einer der nördlichsten Garnisonen des Deutschen Kaiserreichs.

Das Regiment wurde am 1. April 1867 als 4. Schleswig-Holsteinisches Infanterie-Regiment Nr. 86 aufgestellt, nachdem die Herzogtümer Schleswig und Holstein 1866 endgültig preußisch geworden waren. Die Benennung als Füsilier-Regiment erfolgte 1888, und 1889 erhielt es den Ehrennamen "Königin" zu Ehren der preußischen Königin und deutschen Kaiserin Auguste Viktoria. Die Heimatgarnisonen befanden sich in Flensburg und Sonderburg (heute Sønderborg in Dänemark), was die enge Verbindung des Regiments zur schleswig-holsteinischen Region widerspiegelte.

Die militärische Fotografie entwickelte sich im späten 19. Jahrhundert zu einem bedeutenden Medium der Erinnerungskultur. Kabinettfotos, benannt nach ihrer standardisierten Größe von etwa 10 x 15 cm (auf Karton montiert), waren zwischen 1870 und 1920 das bevorzugte Format für Portraitaufnahmen. Soldaten ließen sich häufig vor ihrem Einsatz an der Front fotografieren, um ihren Familien ein Andenken zu hinterlassen. Diese Aufnahmen wurden meist in professionellen Fotostudios angefertigt, die in den Garnisonsstädten zahlreich vertreten waren.

Das Füsilier-Regiment Nr. 86 gehörte zum IX. Armee-Korps und war Teil der 17. Infanterie-Division. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 mobilisierte das Regiment und wurde an die Westfront verlegt. In den ersten Kriegsmonaten nahm die Einheit an den Kämpfen in Belgien und Nordfrankreich teil, einschließlich der Kämpfe bei Namur und an der Marne. Das Regiment erlitt bereits in den ersten Kriegswochen erhebliche Verluste, was typisch für die verlustreichen Bewegungskriege des Jahres 1914 war.

Nach der Stabilisierung der Front im Stellungskrieg kämpfte das Regiment in verschiedenen Abschnitten der Westfront, unter anderem in Flandern und an der Somme. Die Schlacht an der Somme 1916 und die Flandernschlacht 1917 forderten besonders hohe Opfer unter den Soldaten des Regiments. Wie alle deutschen Infanterieregimenter war auch das Füsilier-Regiment Nr. 86 in die mörderischen Materialschlachten des Ersten Weltkriegs verwickelt, bei denen die traditionellen Kampfweisen der preußischen Infanterie gegen die Realitäten moderner Kriegsführung mit Artillerie, Maschinengewehren und Giftgas stießen.

Die Uniform auf solchen Fotografien zeigt typischerweise die feldgraue Uniform, die ab 1907/1910 schrittweise eingeführt wurde und die älteren bunten Uniformen ersetzte. Füsiliere trugen die charakteristische Infanterie-Pickelhaube mit dem Regiment-spezifischen Wappen. Auf Portraitfotos wurden häufig alle Auszeichnungen und Abzeichen sorgfältig zur Schau gestellt, einschließlich der Schulterstücke mit der Regimentsnummer "86".

Die Verbindung des Regiments zur Region Schleswig-Holstein war von großer Bedeutung. Die Soldaten stammten hauptsächlich aus der lokalen Bevölkerung, und die Garnisonen in Flensburg und Sonderburg prägten das städtische Leben. Der Verlust vieler junger Männer aus diesen Gemeinden hinterließ tiefe Spuren in der regionalen Erinnerungskultur.

Nach dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 wurde das Regiment demobilisiert und kehrte in die Heimatgarnisonen zurück. Gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrags von 1919 wurde die deutsche Armee drastisch reduziert, und das Füsilier-Regiment Nr. 86 wurde wie die meisten anderen Regimenter der kaiserlichen Armee aufgelöst.

Solche Kabinettfotos sind heute wichtige historische Dokumente. Sie ermöglichen nicht nur die Identifikation von Uniformen und Rangabzeichen, sondern geben auch Einblick in die soziale Praxis der militärischen Erinnerungskultur. Die professionelle Qualität dieser Aufnahmen und ihre weite Verbreitung zeugen von der zentralen Rolle des Militärs in der deutschen Gesellschaft der Kaiserzeit.