Die vorliegende Fahnenspitze des NS-Reichskriegerbundes mit der Aufschrift "1940 - Symbol wird Waffe" stellt ein bedeutendes Zeugnis der nationalsozialistischen Veteranenorganisation während des Zweiten Weltkriegs dar. Diese aus Kunststoff gefertigte Spitze dokumentiert die Instrumentalisierung von Veteranenverbänden im Rahmen der NS-Kriegspropaganda.
Der NS-Reichskriegerbund (NSRKB) entstand 1938 durch die Zwangsvereinigung verschiedener Veteranenverbände der Weimarer Republik, insbesondere des Kyffhäuserbundes, unter der Führung von SA-Obergruppenführer Wilhelm Reinhard. Diese Gleichschaltung war Teil der systematischen Unterwerfung aller gesellschaftlichen Organisationen unter die Kontrolle der NSDAP. Der NSRKB sollte die Veteranen des Ersten Weltkriegs im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie mobilisieren und für die Kriegsvorbereitungen instrumentalisieren.
Das Jahr 1940 markierte einen entscheidenden Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg. Nach dem erfolgreichen Westfeldzug gegen Frankreich, Belgien und die Niederlande im Mai und Juni 1940 erreichte das nationalsozialistische Deutschland den Höhepunkt seiner militärischen Erfolge. Die Propaganda nutzte diese Siege intensiv, um die Bevölkerung und die Veteranenverbände auf einen langen Krieg einzuschwören.
Der Slogan "Symbol wird Waffe" verkörpert die propagandistische Vereinnahmung traditioneller militärischer Symbolik für die Kriegsanstrengungen. Er impliziert die Transformation vom bloßen Gedenken und der Erinnerungskultur zur aktiven Kriegsunterstützung. Die Veteranen sollten nicht mehr nur als Träger von Erinnerungen verstanden werden, sondern als aktive Propagandisten und Unterstützer der nationalsozialistischen Kriegsführung an der Heimatfront.
Die Herstellung aus Kunststoff anstelle traditioneller Materialien wie Bronze oder Messing ist charakteristisch für die Kriegswirtschaft ab 1939. Metalle wurden für die Rüstungsproduktion benötigt, sodass zunehmend Ersatzmaterialien wie Kunststoffe, insbesondere Bakelit oder ähnliche Pressstoffe, für zeremonielle und dekorative Gegenstände verwendet wurden. Dies zeigt die zunehmende Ressourcenknappheit auch im Bereich der symbolischen Repräsentation.
Die technische Konstruktion mit Tülle und vier Bohrungen zur Befestigung an der Fahnenstange entspricht der standardisierten Fertigung solcher Objekte. Die Höhe von circa 24,5 Zentimetern macht sie zu einer mittelgroßen Fahnenspitze, die typischerweise bei Versammlungen, Aufmärschen und Gedenkveranstaltungen des NSRKB verwendet wurde.
Der NS-Reichskriegerbund organisierte während des Krieges zahlreiche Veranstaltungen zur Stärkung der "Heimatfront". Veteranen sollten durch Vorträge in Schulen, bei Sammlungen für das Winterhilfswerk und bei öffentlichen Kundgebungen die jüngere Generation begeistern und den Durchhaltewillen stärken. Die Fahnenspitzen waren dabei sichtbare Zeichen der Organisation und ihrer Einbindung in das nationalsozialistische System.
Nach 1945 wurde der NS-Reichskriegerbund gemeinsam mit allen anderen NS-Organisationen durch die Alliierten verboten und aufgelöst. Objekte wie diese Fahnenspitze wurden teilweise vernichtet, teilweise gelangten sie in Museumssammlungen oder private Hände. Sie dienen heute als historische Quellen für die Erforschung der NS-Propaganda und der Instrumentalisierung von Veteranenverbänden.
Die kleine Absplitterung am Sockel zeugt vom Gebrauch des Objekts und seiner Geschichte. Solche Gebrauchsspuren machen deutlich, dass es sich nicht um ein reines Ausstellungsstück handelte, sondern um einen aktiv verwendeten Gegenstand der NS-Bewegung.
Für die historische Forschung sind solche Objekte wichtige Zeugnisse der materiellen Kultur des Nationalsozialismus. Sie dokumentieren die allgegenwärtige Präsenz nationalsozialistischer Symbolik im öffentlichen Raum und die systematische Organisation aller Bevölkerungsgruppen, einschließlich der Kriegsveteranen, für die Ziele des Regimes.