Preußen Teilkoloriertes Kabinettfoto eines Soldaten im 3. Garde-Regiment zu Fuß

Standort Berlin, um 1910. Maße 10.8 x 16.6 cm. Zustand 2.

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40,00

Preußen Teilkoloriertes Kabinettfoto eines Soldaten im 3. Garde-Regiment zu Fuß

Das 3. Garde-Regiment zu Fuß gehörte zu den prestigeträchtigsten Infanterieeinheiten der preußischen Armee und war Teil der Garde-Infanterie-Division in Berlin. Diese Einheit verkörperte die militärische Tradition und den Glanz des Kaiserreichs in seiner späten Phase, kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

Das Regiment wurde am 18. Januar 1860 als drittes Garderegiment zu Fuß aufgestellt und hatte seinen Garnisonsstandort in der Reichshauptstadt Berlin. Es war direkt dem preußischen König und deutschen Kaiser unterstellt und erfüllte sowohl repräsentative als auch militärische Funktionen. Die Garde-Regimenter genossen besonderes Ansehen und zogen bevorzugt Rekruten aus den wohlhabenden und gebildeten Schichten an.

Das hier beschriebene teilkolorierte Kabinettfoto aus der Zeit um 1910 ist ein typisches Beispiel für die militärische Portraitfotografie dieser Epoche. Kabinettfotos waren ein standardisiertes Format, das sich ab den 1860er Jahren entwickelte und bis in die 1920er Jahre hinein populär blieb. Die Bezeichnung bezieht sich auf das Montageformat von etwa 10 x 15 cm, wobei die Fotografie auf einem stärkeren Karton aufgezogen wurde.

Die Teilkolorierung war eine gängige Praxis in der militärischen Portraitfotografie. Dabei wurden charakteristische Details der Uniform wie Kragenspiegel, Epauletten, Achselklappen, Knöpfe und Orden nachträglich von Hand mit Wasserfarben oder Anilinfarbstoffen koloriert. Diese Technik sollte die militärischen Rangabzeichen und Regimentszugehörigkeit deutlich hervorheben und dem sonst schwarzweißen Bild mehr Leben verleihen.

Die Uniform des 3. Garde-Regiments zu Fuß folgte den preußischen Uniformvorschriften und zeichnete sich durch besondere Details aus. Die Grundfarbe der Waffenröcke war dunkelblau, die Garderegimenter trugen rote Kragenspiegel und Ärmelaufschläge. Die Kragenpatten des 3. Garde-Regiments waren mit der Regimentsnummer verziert. Die charakteristischen Pickelhauben der preußischen Infanterie wurden bei solchen Studioaufnahmen oft getragen und waren mit dem Gardestern versehen.

Solche Fotografien wurden aus verschiedenen Anlässen angefertigt: zur Erinnerung an die Militärzeit, als Geschenk für Familienangehörige oder aus Stolz auf die Zugehörigkeit zu einer Elite-Einheit. Die professionellen Militärfotografen in Berlin, besonders in der Nähe der Kasernen, hatten sich auf solche Aufnahmen spezialisiert und verfügten über entsprechende Requisiten und Hintergründe.

Die Zeit um 1910 war eine Phase relativen Friedens für das Deutsche Kaiserreich, aber auch verstärkter militärischer Aufrüstung und wachsender internationaler Spannungen. Das 3. Garde-Regiment zu Fuß nahm an den jährlichen Kaisermanövern teil und war bei Paraden und militärischen Zeremonien präsent. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 wurde das Regiment an die Westfront verlegt und war an zahlreichen bedeutenden Schlachten beteiligt.

Der Zustand 2 deutet auf eine gut erhaltene Fotografie hin, was bei über hundert Jahre alten Objekten bemerkenswert ist. Solche Kabinettfotos sind heute wichtige historische Dokumente, die nicht nur militärhistorische Informationen über Uniformen und Ausrüstung liefern, sondern auch sozialgeschichtliche Einblicke in die militärische Kultur des Kaiserreichs ermöglichen.

Die Sammlung und Erforschung solcher militärischer Fotografien hat in der modernen Geschichtswissenschaft an Bedeutung gewonnen. Sie erlauben es, die individuelle Perspektive einfacher Soldaten zu erfassen und die visuelle Kultur des Militarismus im wilhelminischen Deutschland zu analysieren. Das 3. Garde-Regiment zu Fuß wurde nach dem Ersten Weltkrieg aufgelöst, und solche Fotografien bleiben als materielle Zeugnisse einer untergegangenen Epoche erhalten.