SS-Verfügungstruppe nichttragbare Erinnerungsplakette der 1. Sanitäts Kompanie der SS-Verfügungstruppe
Extrem selten.
Die vorliegende Erinnerungsplakette repräsentiert ein seltenes Zeugnis aus der Frühphase der SS-Verfügungstruppe (SS-VT), jener militärischen Formation, die später zur Waffen-SS werden sollte. Mit einem Durchmesser von 40 Millimetern und bronzierter Oberfläche dokumentiert dieses Stück die Gründung der 1. Sanitäts-Kompanie der SS-VT am 10. Oktober 1939 in Klatovy (Klattau), einer Stadt im heutigen Tschechien.
Die SS-Verfügungstruppe wurde im September 1934 als bewaffnete Einheit der SS gegründet und stellte eine militärische Formation dar, die außerhalb der Wehrmacht stand, aber dennoch militärische Aufgaben übernehmen sollte. Anders als die Allgemeine SS war die SS-VT eine kasernierte, vollzeit-militärische Organisation. Zu den ersten Standarten gehörten die SS-Standarte Deutschland, Germania und Der Führer.
Die Sanitätskompanien bildeten einen wesentlichen Bestandteil der militärischen Infrastruktur der SS-VT. Die medizinische Versorgung folgte militärischen Standards und umfasste Sanitäter, Ärzte und medizinisches Hilfspersonal. Die Aufstellung der 1. Sanitäts-Kompanie im Oktober 1939, kurz nach Beginn des Zweiten Weltkriegs, reflektiert die rasche Expansion und Professionalisierung dieser Formation.
Die Stadt Klattau (Klatovy) im Protektorat Böhmen und Mähren diente als Standort für verschiedene militärische Einheiten nach der deutschen Besetzung der Tschechoslowakei im März 1939. Die Wahl dieses Standorts für die Aufstellung einer Sanitätskompanie hatte strategische Gründe, da die Region über entsprechende Infrastruktur verfügte.
Die Vorderseite der Plakette zeigt den SS-Hoheitsadler mit der Umschrift “Julfest 1939”. Das Julfest war ein von den Nationalsozialisten propagiertes germanisches Fest zur Wintersonnenwende, das als Alternative zu christlichen Weihnachtsfeiern etabliert werden sollte. Die SS legte besonderen Wert auf diese vorchristlichen Rituale als Teil ihrer ideologischen Ausrichtung. Solche Erinnerungsplaketten wurden häufig als Geschenke während der Julfeier an Einheitsangehörige ausgegeben.
Der Hersteller Chr. Lauer aus Nürnberg war eine der zahlreichen Firmen, die militärische Abzeichen, Plaketten und Auszeichnungen produzierten. Nürnberg hatte eine lange Tradition in der Metallverarbeitung und beherbergte mehrere Hersteller militärischer Insignien. Die Firmen in dieser Stadt belieferten sowohl Wehrmacht als auch SS-Einheiten mit verschiedenen Gedenk- und Erinnerungsstücken.
Solche nichttragbaren Erinnerungsplaketten dienten nicht als offizielle Auszeichnungen oder Abzeichen, sondern als Kameradschaftserinnerungen. Sie wurden typischerweise zu besonderen Anlässen ausgegeben: bei Einheitsgründungen, zu Weihnachten bzw. dem Julfest, bei Jubiläen oder zum Abschied. Die Soldaten bewahrten diese Stücke als persönliche Andenken auf, trugen sie aber nicht an der Uniform.
Die Rückseiteninschrift mit den präzisen Angaben zur Aufstellung - Datum, Ort und Einheit - macht diese Plakette zu einem historischen Dokument. Sie ermöglicht die exakte Zuordnung zu einem spezifischen militärhistorischen Ereignis und bietet Forschern wichtige Informationen über Organisation und Aufstellungsgeschichte der SS-VT.
Im breiteren historischen Kontext markiert das Jahr 1939 eine Phase intensiver Aufrüstung und Expansion der SS-Verfügungstruppe. Nach dem Überfall auf Polen im September 1939 nahmen Einheiten der SS-VT am Feldzug teil. Die rasche Aufstellung neuer Einheiten, einschließlich der Unterstützungseinheiten wie Sanitätskompanien, war Teil der militärischen Mobilisierung.
Die SS-Verfügungstruppe wurde 1940 offiziell in Waffen-SS umbenannt, wobei die bestehenden Einheiten in diese neue Struktur überführt wurden. Die Sanitätskompanien entwickelten sich zu größeren medizinischen Einheiten, die den wachsenden Divisionen der Waffen-SS zugeordnet wurden.
Aus militärhistorischer Sicht sind solche Erinnerungsplaketten wertvolle Quellen für die Erforschung der Organisationsgeschichte, der Standorte und der Aufstellungsdaten militärischer Einheiten. Sie ergänzen offizielle Dokumente und ermöglichen die Rekonstruktion der militärischen Strukturen. Die Seltenheit dieser Plakette erklärt sich durch die geringe Auflage - sie wurde nur für die Angehörigen einer einzelnen Kompanie hergestellt - und die Verluste durch Kriegseinwirkung und bewusste Vernichtung nach 1945.
Die wissenschaftliche Betrachtung solcher Objekte erfordert eine kritische Einordnung in den historischen Kontext des Nationalsozialismus und seiner Organisationen. Sie dienen als materielle Zeugnisse einer dunklen Epoche deutscher Geschichte und tragen zum Verständnis der militärischen und ideologischen Strukturen des NS-Regimes bei.