Eisernes Kreuz 1939 1. Klasse - Fritz Zimmermann Stuttgart
Das Eiserne Kreuz 1. Klasse der Ausführung von 1939 stellt eine der bedeutendsten militärischen Auszeichnungen des Deutschen Reiches während des Zweiten Weltkrieges dar. Diese Dekoration wurde am 1. September 1939 durch Adolf Hitler als Führer und Oberster Befehlshaber der Wehrmacht durch Erlass wiedergestiftet, zeitgleich mit dem Beginn des Überfalls auf Polen.
Die historischen Wurzeln des Eisernen Kreuzes reichen zurück bis zum 10. März 1813, als der preußische König Friedrich Wilhelm III. diese Auszeichnung während der Befreiungskriege gegen Napoleon stiftete. Die ikonische Form mit ihrem charakteristischen schwarzen Kern und silbernen Rand wurde zum Symbol preußischer und später deutscher Militärtradition. Das Eiserne Kreuz wurde 1870 anlässlich des Deutsch-Französischen Krieges erneuert und 1914 zu Beginn des Ersten Weltkrieges erneut gestiftet.
Die Ausführung von 1939 unterschied sich in wesentlichen Details von ihren Vorgängern. Im Zentrum der Vorderseite befand sich nun ein Hakenkreuz, umgeben von der Jahreszahl 1939. Auf der Rückseite war das ursprüngliche Stiftungsdatum 1813 sowie die Initialen "W" für Wilhelm (Friedrich Wilhelm III.) eingeprägt. Das Eiserne Kreuz 1. Klasse wurde als Ansteckorden ohne Band direkt an der Uniformjacke getragen, typischerweise auf der linken Brustseite.
Das vorliegende Exemplar wurde von Fritz Zimmermann aus Stuttgart hergestellt. Die Firma Zimmermann gehörte zu den autorisierten Herstellern dieser Auszeichnung während des Krieges. Die Kennzeichnung mit der Punze "6" auf der Nadelapparatur diente der internen Identifikation und Qualitätskontrolle. Die geschwärzte Eisenausführung entspricht der traditionellen Gestaltung, wobei der Eisenkern durch chemische Behandlung seine charakteristische schwarze Patina erhielt, während der Rahmen versilbert war.
Die Verleihungskriterien für das Eiserne Kreuz 1. Klasse waren streng geregelt. Grundvoraussetzung war zunächst der Besitz des Eisernen Kreuzes 2. Klasse. Die Verleihung erfolgte für besondere Tapferkeit vor dem Feind oder herausragende militärische Führungsleistungen. Im Gegensatz zum Eiserne Kreuz 2. Klasse, das vergleichsweise häufiger verliehen wurde, stellte die 1. Klasse eine deutlich seltenere und prestigeträchtigere Auszeichnung dar. Während des gesamten Krieges wurden schätzungsweise etwa 300.000 bis 450.000 Eiserne Kreuze 1. Klasse verliehen, verglichen mit mehreren Millionen Verleihungen der 2. Klasse.
Der Erhaltungszustand dieses Exemplars, beschrieben als deutlich getragen, zeugt von seinem tatsächlichen Einsatz. Solche Gebrauchsspuren – etwa Abnutzungen der Oberfläche, Kratzer oder Oxidation – sind authentische Zeugnisse der Tragezeit und erhöhen paradoxerweise oft den historischen Wert für Sammler und Forscher, da sie die Echtheit und tatsächliche Verwendung belegen.
Nach Kriegsende wurde durch das Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen vom 26. Juli 1957 in der Bundesrepublik Deutschland das Tragen von Orden und Ehrenzeichen aus der Zeit des Nationalsozialismus mit Hakenkreuz-Symbol verboten. Allerdings wurde eine Ausnahmeregelung geschaffen: Das Eiserne Kreuz durfte in einer entnazifizierten Version weitergetragen werden, bei der das Hakenkreuz durch drei Eichenblätter ersetzt wurde. Diese Regelung erkannte die militärische Leistung der Träger an, distanzierte sich aber gleichzeitig von der nationalsozialistischen Symbolik.
Aus heutiger wissenschaftlicher Perspektive sind solche Objekte wichtige historische Quellen für die Militärgeschichte, die Ordenskunde (Phaleristik) und die Sozialgeschichte des Zweiten Weltkrieges. Sie dokumentieren nicht nur das militärische Auszeichnungssystem, sondern auch die industrielle Produktion, Handwerkskunst und die materielle Kultur dieser Epoche. Die verschiedenen Herstellermarkierungen ermöglichen es Forschern, Produktionsstätten, Fertigungstechniken und Distributionswege nachzuvollziehen.
Für die historische Forschung ist es wesentlich, solche Objekte im Kontext ihrer Zeit zu verstehen – als Instrumente der Motivation, Belohnung und Propaganda innerhalb eines totalitären Systems, das einen verbrecherischen Angriffskrieg führte. Die militärhistorische Dokumentation dieser Auszeichnungen dient der wissenschaftlichen Aufarbeitung und dem historischen Verständnis, nicht der Verherrlichung.