Kaiserliche Marine Zweispitz, Epauletten und Paradefeldbinde aus dem Nachlass eines Marine-Oberassistenzarzt

Um 1914. Der Zweispitz aus schwarzem Nadelfilz, die Einfassung aus schwarzem Seidenband. Rechts die goldene Agraffe über Seidenkokarde in schwarz/weiß/rot und vergoldeter Marineknopf. Innen helles Lederschweißband mit weißem Seidenfutter mit dem Lieferanten «J. Robrecht Hoflieferant ... Berlin». Größe ca. 56. · Paar Epauletten für einen Marine-Oberassistenzarzt in der kleinen Ausführung mit Feldern aus blauem Samt, vergoldeten Äskulapstäben und feinen vergoldeten Kantillen. · Paradefeldbinde für Marineärzte mit schwerem vergoldetem Messingschloss mit mitgeprägten Äskulapstäben, die Metallgespinstbinde in der besonderen Ausführung für die Marineärzte mit goldenen Seitenstreifen auf dunkelblau/schwarzer Tuchunterlage. · Der Zweispitz und die Epauletten im original Koffer, die Paradefeldbinde in einer separaten Schachtel, beide mit der Etikett des Lieferanten «Robrecht». Zustand 2.

Ein sehr schönes Ensemble!
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2.500,00

Kaiserliche Marine Zweispitz, Epauletten und Paradefeldbinde aus dem Nachlass eines Marine-Oberassistenzarzt

Das vorliegende Ensemble aus Zweispitz, Epauletten und Paradefeldbinde eines Marine-Oberassistenzarztes der Kaiserlichen Marine um 1914 repräsentiert die höchste Qualität militärischer Ausrüstungsgegenstände am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Diese Uniformteile spiegeln nicht nur die strikte Hierarchie und das ausgeprägte Standesbewusstsein der kaiserlichen Seestreitkräfte wider, sondern dokumentieren auch die besondere Stellung der Marineärzte innerhalb der militärischen Rangordnung.

Die Kaiserliche Marine entwickelte sich seit ihrer Gründung im Jahr 1871 zu einer der modernsten Seestreitkräfte der Welt. Unter der Ägide von Großadmiral Alfred von Tirpitz erlebte sie ab den 1890er Jahren einen beispiellosen Aufschwung. Mit diesem Wachstum einher ging die Notwendigkeit eines professionellen medizinischen Dienstes, der die gesundheitliche Versorgung der Marinesoldaten gewährleisten konnte. Die Marineärzte bildeten dabei eine eigene Offizierskategorie mit spezifischen Uniformvorschriften und Rangabzeichen.

Der Zweispitz, auch Chapeau claque genannt, hatte seine Ursprünge in der napoleonischen Zeit und blieb bis zum Ende der Monarchie ein charakteristisches Element der Paradeuniform höherer Offiziere. In der Kaiserlichen Marine war der Zweispitz Bestandteil der Großen Galauniform und wurde zu besonders feierlichen Anlässen getragen. Die Fertigung aus schwarzem Nadelfilz mit schwarzer Seideneinfassung entsprach den genauen Vorgaben der Uniformvorschriften der Kaiserlichen Marine. Die goldene Agraffe auf der rechten Seite über der Reichskokarde in den Farben Schwarz-Weiß-Rot kennzeichnete den Träger als Angehörigen der kaiserlichen Seestreitkräfte. Der vergoldete Marineknopf mit dem charakteristischen Anker-Motiv vervollständigte die Dekoration.

Die Herkunft vom Berliner Hoflieferanten J. Robrecht belegt die hohe Qualität dieser Uniformstücke. Hoflieferanten waren ausgewählte Handwerksbetriebe und Manufakturen, die aufgrund ihrer außergewöhnlichen Qualität das Privileg erhielten, den kaiserlichen Hof und die höchsten Militärkreise zu beliefern. Die Firma Robrecht gehörte zu den renommiertesten Adressen für Marineuniformen in Berlin und stand für höchste handwerkliche Präzision.

Die Epauletten stellten das wichtigste Rangabzeichen der Offiziere dar und waren bei Paradeuniformen obligatorisch. Für Marineärzte existierten spezielle Ausführungen, die ihre Zugehörigkeit zum medizinischen Dienst durch das Äskulapsymbol – den Stab mit der sich umwindenden Schlange – deutlich machten. Der Rang eines Marine-Oberassistenzarztes entsprach etwa dem eines Oberleutnants zur See und wurde durch die spezifische Gestaltung der Epauletten mit blauen Samtfeldern und vergoldeten Kantillen (feinen Metallfäden) sichtbar gemacht. Die blaue Farbe war traditionell dem medizinischen Dienst zugeordnet und unterschied die Ärzte von den Seeoffizieren, die rote Distinktionsfarben trugen.

Die Paradefeldbinde war ein besonders prestigeträchtiges Ausrüstungsstück, das nur zur Galauniform getragen wurde. Die aufwendige Fertigung mit schwerem vergoldetem Messingschloss und eingeprägten Äskulapstäben sowie die Metallgespinstbinde mit goldenen Seitenstreifen auf dunkelblau-schwarzer Unterlage machten sie zu einem kostbaren und repräsentativen Kleidungsstück. Die besondere Ausführung für Marineärzte unterschied sich deutlich von den Feldbinden der Linienoffiziere und unterstrich die Sonderstellung des medizinischen Korps.

Der medizinische Dienst der Kaiserlichen Marine war hochprofessionalisiert und genoss hohes Ansehen. Die Ausbildung der Marineärzte erfolgte nach dem abgeschlossenen Medizinstudium an der Marine-Sanitäts-Akademie in Kiel. Sie waren nicht nur für die Behandlung von Kranken und Verwundeten zuständig, sondern auch für hygienische Maßnahmen, die auf den engen Kriegsschiffen von existenzieller Bedeutung waren. Zudem führten sie wissenschaftliche Untersuchungen durch, insbesondere im Bereich der Tropenkrankheiten während der Auslandseinsätze der Marine.

Die zeitliche Einordnung um 1914 markiert das Ende einer Epoche. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 veränderte sich die Rolle der Marine grundlegend. Die Marineärzte waren nun nicht mehr nur bei repräsentativen Anlässen in ihren Galauniformen zu sehen, sondern bewährten sich unter den harten Bedingungen des Krieges. Die hier vorliegenden Uniformstücke wurden jedoch hauptsächlich in Friedenszeiten oder bei offiziellen Anlässen im Hinterland getragen.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Abdankung Kaiser Wilhelms II. im November 1918 verloren diese Uniformstücke ihre offizielle Funktion. Die neu gegründete Reichsmarine der Weimarer Republik führte neue, schlichtere Uniformvorschriften ein. Die prachtvollen Galauniformen der Kaiserzeit wurden zu historischen Erinnerungsstücken, die von den ehemaligen Offizieren oft als persönliche Andenken bewahrt wurden.

Heute sind solche vollständigen Ensembles aus dem Besitz eines Marinearztes selten und von hohem historischem Wert. Sie dokumentieren nicht nur die militärische Hierarchie und Uniformkunde, sondern auch die Sozialgeschichte des Kaiserreichs, die Rolle der Medizin im militärischen Kontext und die hohe Handwerkskunst der damaligen Hoflieferanten.