Preußen Kürassier Schwerer Stichdegen a. Art für Offiziere in Luxusausführung

Fertigung um 1830/40. Schwere, ca. 2.7 cm breite und cm lange damaszierte Klinge mit beidseitiger Hohlbahn, die untere Hälfte der Klinge mit vergoldeten Ätzungen verziert, darstellend Ranken, Trophäen und ein Lorbeerkranz, zur Wurzel hin umlaufend der Lieferant "I: Elsner vormals Hartman in Berlin". Großes vergoldetes Messinggefäß mit einfachem Bügel und hochstehender Parierstange, die Drahtwicklung vollständig erhalten und intakt. Blanke Stahlscheide mit zwei tonnenförmigen Ringbändern und beweglichen Trageringen. Zustand 2.

Gesamtlänge ca. 108 cm.

Ein schwerer Stichdegen für Offiziere der Kürassiere in Luxusausführung aus der Zeit des Königs Friedrich Wilhelm III. in besonders schöner Erhaltung!
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8.500,00

Preußen Kürassier Schwerer Stichdegen a. Art für Offiziere in Luxusausführung

Der preußische Kürassier-Offiziersdegen repräsentiert einen Höhepunkt der militärischen Ausstattungskunst des frühen 19. Jahrhunderts. Dieses prächtige Exemplar aus der Zeit um 1830-1840 verkörpert die Tradition und den Stolz der preußischen Schweren Kavallerie während der Regierungszeit König Friedrich Wilhelms III. (1797-1840).

Die Kürassiere bildeten die Elite der preußischen Kavallerie. Als schwere Reiterei mit Brustpanzer (Kürass) ausgestattet, galten sie als Stoßtruppe auf dem Schlachtfeld. Ihre Ursprünge in Preußen reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück, doch ihre größte Bewährung fanden sie in den Befreiungskriegen gegen Napoleon (1813-1815). Nach diesen Kriegen wurde die preußische Armee reorganisiert und modernisiert, wobei die Kürassiere ihre prestigeträchtige Stellung behielten.

Die hier beschriebene Waffe ist ein schwerer Stichdegen alter Art, eine Waffenform, die speziell für Offiziere in Luxusausführung gefertigt wurde. Die damaszierte Klinge mit einer Breite von etwa 2,7 cm und beidseitiger Hohlbahn zeigt die hohe Handwerkskunst der damaligen Klingenschmiede. Die Damaszierung war ein aufwendiges Verfahren, bei dem verschiedene Stahlsorten miteinander verschweißt wurden, um eine charakteristische Musterung und besondere Festigkeit zu erzielen.

Besonders bemerkenswert sind die vergoldeten Ätzdekorationen auf der unteren Hälfte der Klinge. Die dargestellten Ranken, Trophäen und Lorbeerkränze waren typische Motive der napoleonischen und nachnapoleonischen Ära. Der Lorbeerkranz symbolisierte militärischen Ruhm und Siegeswillen, während die Trophäendarstellungen an die glorreichen Schlachten der Befreiungskriege erinnerten. Diese Verzierungen wurden durch Ätztechnik aufgebracht, bei der die Klinge partiell mit säureresistenten Substanzen abgedeckt und dann geätzt wurde.

Die Inschrift “I: Elsner vormals Hartman in Berlin” identifiziert den Hersteller dieser prächtigen Waffe. Johann Elsner übernahm die etablierte Werkstatt von Hartman in Berlin und führte sie zu hohem Ansehen. Berlin war im 19. Jahrhundert ein bedeutendes Zentrum der Waffenproduktion, und die königlich-preußischen Hoflieferanten genossen einen ausgezeichneten Ruf. Die Firma Elsner belieferte vornehmlich Offiziere, die sich ihre Ausrüstung selbst beschaffen mussten und dabei auf Qualität und repräsentative Erscheinung Wert legten.

Das Messinggefäß mit Feuervergoldung zeigt die typische Konstruktion der Kürassierdegen dieser Epoche. Der einfache Bügel und die hochstehende Parierstange boten ausreichenden Handschutz, ohne die Bewegungsfreiheit einzuschränken. Die vollständig erhaltene Drahtwicklung am Griff war nicht nur funktional, sondern auch dekorativ und verhinderte das Abrutschen der Hand im Gefecht. Die Feuervergoldung war ein aufwendiges Verfahren, bei dem Quecksilber-Goldamalgam aufgetragen und durch Erhitzen fixiert wurde – ein gefährlicher Prozess, der höchste Handwerkskunst erforderte.

Die blanke Stahlscheide mit zwei tonnenförmigen Ringbändern und beweglichen Trageringen entspricht den preußischen Regulativen jener Zeit. Diese Scheiden waren robust und praktisch, verzichteten aber bei Offiziersausführungen nicht auf eine gewisse Eleganz der Formgebung. Die beweglichen Trageringe ermöglichten das Tragen an der Portepee-Kette am Wehrgehänge.

Die Gesamtlänge von etwa 108 cm macht deutlich, dass es sich um eine imposante Waffe handelte. Diese Länge war charakteristisch für Kavalleriewaffen, die auch zu Pferde eingesetzt werden sollten. Als Stichwaffe konzipiert, unterschied sich dieser Degen von den breiteren Palasch- oder Säbelklingen und war primär für den durchbohrenden Stoß gedacht.

In der Epoche um 1830-1840 befand sich Preußen in einer Phase relativer Friedenszeit. Die Armee wurde modernisiert, die Uniformierung vereinheitlicht und die Bewaffnung standardisiert. Dennoch behielten Offiziere das Privileg, sich ihre Ausrüstung bei privaten Lieferanten nach persönlichem Geschmack anfertigen zu lassen, solange die grundsätzlichen Vorgaben eingehalten wurden. Dies erklärt die Existenz solcher Prunkstücke neben der regulären Truppenausrüstung.

Solche Luxusausführungen dienten nicht nur dem praktischen Zweck, sondern waren auch Statussymbole. Sie demonstrierten den gesellschaftlichen Stand des Trägers, seine finanzielle Potenz und seine Zugehörigkeit zur militärischen Elite. Ein Kürassieroffizier entstammte zumeist dem Adel oder dem wohlhabenden Bürgertum und konnte sich solch kostspielige Ausstattungsstücke leisten.

Die vorzügliche Erhaltung dieses Exemplars mit der Zustandsbewertung 2 macht es zu einem bedeutenden Zeugnis preußischer Militärgeschichte. Es verbindet höchste handwerkliche Qualität mit historischer Authentizität und repräsentiert eine Epoche, in der militärische Funktion und künstlerische Gestaltung noch eine harmonische Einheit bildeten.