Braunschweig Waterloo - Medaille 1818 - ohne Randinschrift
Die Braunschweig-Waterloo-Medaille von 1818 stellt eine der bedeutendsten deutschen Militärauszeichnungen der napoleonischen Ära dar. Diese Medaille ohne Randinschrift wurde zur Ehrung der braunschweigischen Soldaten geschaffen, die an den Befreiungskriegen gegen Napoleon Bonaparte teilgenommen hatten, insbesondere an der Schlacht bei Waterloo am 18. Juni 1815.
Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig, bekannt als der “Schwarze Herzog”, hatte bereits 1809 ein Freikorps gegen die napoleonische Herrschaft gebildet. Nach seinem heldenhaften Tod in der Schlacht bei Quatre-Bras am 16. Juni 1815, zwei Tage vor Waterloo, führte sein Sohn Karl II. die Tradition fort und stiftete diese Gedenkmedaille.
Die Medaille wurde vom Stempelschneider C. Hästeler (oder Hästeler) entworfen und ausgeführt, einem talentierten Graveur, der im Dienste des Herzogtums Braunschweig stand. Ein besonders symbolträchtiges Merkmal dieser Auszeichnung ist das Material: Die Medaille wurde aus erbeuteter Kanonenbronze gefertigt, vermutlich aus französischen Geschützen, die während der Kampagne erobert wurden. Diese Praxis verlieh der Medaille nicht nur materiellen, sondern auch symbolischen Wert als Siegestrophäe.
Es existieren verschiedene Varianten dieser Medaille. Die hier beschriebene Version ohne Randinschrift unterscheidet sich von anderen Ausgaben, die am Rand den Namen des Empfängers trugen. Diese namenlose Variante könnte entweder eine frühere Ausgabe oder eine Version für bestimmte Empfängergruppen gewesen sein. Das Fehlen von Öse und Ring deutet darauf hin, dass es sich entweder um ein Exemplar handelt, das nachträglich verändert wurde, oder um eine spezielle Prägung, möglicherweise als Ehrengeschenk oder zur Archivierung bestimmt.
Die Vorderseite der Medaille zeigt typischerweise das Porträt des gefallenen Herzogs Friedrich Wilhelm, während die Rückseite häufig Bezug auf die Schlacht von Waterloo nimmt. Die künstlerische Ausführung spiegelt den klassizistischen Stil der Zeit wider, mit klaren Linien und einer würdevollen Darstellung, die dem Ernst des Anlasses entspricht.
Die Braunschweigischen Truppen spielten in der Schlacht bei Waterloo eine bemerkenswerte Rolle. Das schwarzgekleidete Korps, das die Trauerfarbe für den gefallenen Herzog trug, kämpfte unter dem Kommando von Oberst Olfermann im Rahmen der alliierten Streitkräfte unter dem Herzog von Wellington. Ihre Tapferkeit und Disziplin wurden von Zeitgenossen vielfach gerühmt.
Die Stiftung der Medaille im Jahr 1818, drei Jahre nach der Schlacht, erfolgte in einer Zeit, in der viele deutsche Staaten begannen, ihre Veteranen der Befreiungskriege systematisch zu ehren. Diese Auszeichnungen dienten nicht nur der individuellen Anerkennung militärischer Verdienste, sondern auch der Festigung eines kollektiven Gedächtnisses und der Legitimation der restaurierten Fürstenhäuser.
Aus numismatischer Sicht ist die Waterloo-Medaille von Braunschweig ein begehrtes Sammlerstück. Die Verwendung von Kanonenbronze, die handwerkliche Qualität der Prägung und die historische Bedeutung machen sie zu einem wichtigen Zeugnis der deutschen Militärgeschichte. Exemplare ohne Randinschrift sind dabei besonders interessant für Forscher, da sie Fragen zur Vergabepraxis und zu den verschiedenen Emissionen aufwerfen.
Die Medaille muss im Kontext der umfassenderen Erinnerungskultur an die napoleonischen Kriege betrachtet werden. Sie ist Teil eines größeren europäischen Phänomens der Veteranenehrung und Schlachtenerinnerung, das die politische und kulturelle Landschaft des 19. Jahrhunderts prägte. In Braunschweig selbst wurde die Erinnerung an den Schwarzen Herzog und seine Soldaten zu einem zentralen Element der regionalen Identität.
Heute befinden sich Exemplare dieser Medaille in verschiedenen Museen und Sammlungen, wo sie als wichtige historische Artefakte der napoleonischen Ära und der deutschen Befreiungskriege bewahrt werden. Sie dienen der Forschung und der Vermittlung dieser bedeutenden Epoche der europäischen Geschichte.