Frankreich gerahmte Lithographie «Le Retour de l'Ie. d'Elbe» (Die Rückkehr des Kaiser von Elba).
Am 1. März 1815 ging Napoleon in Antibes von Bord. Die Lithografie zeigt wohl die Übergabe der Schlüssel für das Fort Carré in Antibes.
Die vorliegende Lithographie aus der Zeit um 1815 dokumentiert eines der dramatischsten Ereignisse der europäischen Geschichte: Napoleons Rückkehr von Elba am 1. März 1815, die den Beginn der sogenannten Herrschaft der Hundert Tage markierte.
Nach seiner erzwungenen Abdankung im April 1814 war Napoleon Bonaparte gemäß dem Vertrag von Fontainebleau auf die kleine Mittelmeerinsel Elba verbannt worden. Dort erhielt er die Souveränität über die Insel und durfte den Titel eines Kaisers behalten, jedoch war sein Herrschaftsbereich auf dieses winzige Territorium beschränkt. Die europäischen Großmächte hofften, dass diese Lösung den gefährlichen Korsen neutralisieren würde, während gleichzeitig sein Ansehen gewahrt blieb.
Die Lithographie zeigt mutmaßlich die Übergabe der Schlüssel des Fort Carré in Antibes, eine symbolträchtige Szene, die die kampflose Kapitulation dieser strategisch wichtigen Festung vor Napoleon darstellt. Am 1. März 1815 landete Napoleon mit etwa 1.000 Mann der Garde impériale und einigen hundert polnischen Soldaten in der Bucht von Golfe-Juan an der französischen Riviera. Von dort marschierten sie zunächst nach Antibes, wo Napoleon hoffte, die Garnison für sich zu gewinnen.
Die Darstellung dieser Szene in lithographischer Form ist von besonderer historischer Bedeutung. Die Lithographie war eine relativ neue Drucktechnik, die 1796 von Alois Senefelder erfunden worden war und sich gerade in der Zeit der Napoleonischen Kriege als wichtiges Medium der Bildverbreitung etablierte. Sie ermöglichte eine schnellere und kostengünstigere Produktion von Bildern als herkömmliche Kupferstiche und wurde rasch zum bevorzugten Medium für politische und militärische Darstellungen.
Solche zeitgenössischen Lithographien aus dem Jahr 1815 sind besonders wertvoll, da sie die unmittelbare Reaktion auf Napoleons Rückkehr dokumentieren. Sie wurden sowohl von seinen Anhängern als auch von seinen Gegnern produziert und dienten der politischen Propaganda auf beiden Seiten. Die bildliche Darstellung von Napoleons Landung und seinem triumphalen Marsch nach Paris war für die Bonapartisten ein Mittel, die Legitimität seiner Rückkehr zu unterstreichen und seine Popularität zu demonstrieren.
Der tatsächliche historische Ablauf in Antibes gestaltete sich allerdings komplizierter als die idealisierten Darstellungen vermuten lassen. Die Garnison von Antibes weigerte sich zunächst, Napoleon anzuerkennen, und er musste die Stadt umgehen. Dennoch gelang es ihm während seines “Marsch auf Paris”, eine wachsende Zahl von Soldaten und Offizieren für sich zu gewinnen. Der berühmteste Moment dieser Kampagne ereignete sich bei Grenoble, als das 5. Linienregiment, das ausgesandt worden war, um ihn zu stoppen, stattdessen zu ihm überlief.
Die künstlerische Darstellung der Schlüsselübergabe symbolisiert die kampflose Wiedergewinnung französischen Territoriums und steht stellvertretend für Napoleons Fähigkeit, durch seine bloße Präsenz und sein Charisma Loyalität zu erzeugen. Solche Szenen wurden bewusst inszeniert, um die Unvermeidlichkeit und Rechtmäßigkeit seiner Rückkehr zu unterstreichen.
Das Format und die Rahmung der Lithographie (31 x 22,3 cm) entsprechen den üblichen Dimensionen für Druckgraphiken dieser Epoche, die sowohl für den privaten Sammler als auch für öffentliche Ausstellungen konzipiert waren. Der moderne Rahmen deutet darauf hin, dass das Stück über die Jahrhunderte hinweg geschätzt und bewahrt wurde.
Die Hundert Tage, die am 20. März 1815 mit Napoleons Einzug in Paris begannen und am 18. Juni 1815 mit seiner vernichtenden Niederlage bei Waterloo endeten, gehören zu den dramatischsten Episoden der europäischen Geschichte. Die zeitgenössischen lithographischen Darstellungen dieser Ereignisse sind nicht nur künstlerisch bedeutsam, sondern auch wichtige historische Quellen, die Aufschluss über die zeitgenössische Wahrnehmung und Instrumentalisierung dieser Ereignisse geben.
Solche Lithographien wurden in verschiedenen europäischen Zentren produziert, wobei Paris, London und deutsche Städte die Hauptproduktionsorte waren. Sie spiegeln die unterschiedlichen politischen Perspektiven wider und zeigen, wie dasselbe historische Ereignis je nach politischem Standpunkt des Künstlers und Auftraggebers sehr unterschiedlich dargestellt werden konnte.