Preußen Kabinettfoto Soldat mit Kaiserschießpreis im Infanterie-Regiment Freiherr Hiller von Gaertringen (4. Posensches) Nr. 59

Standort Deutsch-Eylau/Soldau, um 1900. 6.4 x 10.3 cm. Zustand 2.
427491
30,00

Preußen Kabinettfoto Soldat mit Kaiserschießpreis im Infanterie-Regiment Freiherr Hiller von Gaertringen (4. Posensches) Nr. 59

Das vorliegende Kabinettfoto zeigt einen Soldaten des Infanterie-Regiments Freiherr Hiller von Gaertringen (4. Posensches) Nr. 59 mit seinem Kaiserschießpreis, aufgenommen um 1900 in der Region Deutsch-Eylau/Soldau. Dieses Dokument militärischer Alltagskultur gewährt uns einen faszinierenden Einblick in die Garnisonswelt des Deutschen Kaiserreichs an der Wende zum 20. Jahrhundert.

Das Infanterie-Regiment Nr. 59 wurde 1860 als 4. Posensches Infanterie-Regiment in Gnesen aufgestellt und erhielt 1889 den Ehrennamen nach Generalleutnant Freiherr Hiller von Gaertringen, der das Regiment von 1864 bis 1870 kommandiert hatte. Das Regiment war Teil des V. Armeekorps und unterstand der preußischen Armee. Die Garnisonen des Regiments befanden sich in der Provinz Posen, wobei verschiedene Bataillone in Städten wie Gnesen, Ostrowo und zeitweise auch in der Region um Deutsch-Eylau stationiert waren.

Der Kaiserschießpreis war eine der begehrtesten militärischen Auszeichnungen für Schießfertigkeit in der preußischen und später deutschen Armee. Kaiser Wilhelm II. führte diese Auszeichnung systematisch aus, um die Schießausbildung und -leistung in der Truppe zu fördern. Der Preis wurde jährlich in Regimentswettkämpfen vergeben und bestand aus einer silbernen Medaille oder Plakette, die am Gewehr oder an der Uniform getragen wurde. Die Vergabe erfolgte nach strengen Schießvorschriften, die in den Exerzier-Regulements der jeweiligen Waffengattungen festgelegt waren.

Das Kabinettformat (circa 10 x 15 cm) war um 1900 das Standardformat für professionelle Portraitfotografie. Soldaten ließen sich häufig in Uniform fotografieren, besonders wenn sie besondere Auszeichnungen oder Ehrenzeichen erhalten hatten. Diese Fotografien wurden als Andenken für die Familie aufbewahrt oder an Kameraden verschenkt. Die Aufnahmeorte Deutsch-Eylau (heute Iława in Polen) und Soldau (heute Działdowo in Polen) lagen in Ostpreußen bzw. an der Grenze zu Westpreußen und waren bedeutende Garnisonsstädte des Deutschen Kaiserreichs.

Die militärische Schießausbildung hatte im Deutschen Kaiserreich höchste Priorität. Nach den Erfahrungen der Einigungskriege von 1864, 1866 und 1870/71 wurde die Bedeutung präzisen Gewehrfeuers immer deutlicher. Die Einführung des Gewehr 88 (Kommissionsgewehr) und später des Gewehr 98 revolutionierte die Infanteriebewaffnung. Die Soldaten mussten regelmäßig auf Schießständen üben, wobei verschiedene Distanzen und Zielarten verwendet wurden. Der Kaiserschießpreis krönte die besten Schützen eines Jahres.

Das Infanterie-Regiment Nr. 59 nahm am Ersten Weltkrieg teil und kämpfte an verschiedenen Fronten, insbesondere an der Ostfront. Die Tradition der Schießausbildung und die Bedeutung individueller Schießfertigkeit blieben bis zum Ende der Monarchie 1918 zentrale Elemente der militärischen Ausbildung. Nach dem Krieg wurde das Regiment im Zuge der Reduzierung der deutschen Streitkräfte durch den Versailler Vertrag aufgelöst.

Solche Kabinettfotos sind heute wichtige historische Quellen. Sie dokumentieren nicht nur die Uniformierung und Ausrüstung der kaiserlichen Armee, sondern auch die soziale Bedeutung des Militärdienstes. Für viele junge Männer aus einfachen Verhältnissen war der Militärdienst eine prägende Erfahrung, und Auszeichnungen wie der Kaiserschießpreis waren Quellen persönlichen Stolzes. Die Fotografien selbst wurden von professionellen Hoffotografen in den Garnisonsstädten angefertigt und zeigen oft aufwendige Atelierdekoration und sorgfältige Inszenierung.

Die Erhaltung solcher Dokumente ermöglicht es der modernen Geschichtsforschung, die Lebenswelt einfacher Soldaten zu rekonstruieren und die Militärkultur des Kaiserreichs besser zu verstehen. Sie ergänzen offizielle Militärakten und Regimentsgeschichten um die persönliche Dimension des Militärdienstes.