Das vorliegende Uniformensemble repräsentiert eine faszinierende Brücke zwischen zwei Epochen deutscher Militärgeschichte und dokumentiert die bemerkenswerte Karriere von Generalmajor Hermann Zeitz, der von der Kaiserzeit über die Weimarer Republik bis in die Wehrmacht-Ära diente. Geboren am 20. März 1881 in Neustrelitz, trat Zeitz 1899 als Fahnenjunker in die kaiserliche Armee ein und wurde am 18. August 1900 zum Leutnant im Eisenbahn-Regiment Nr. 1 befördert. Nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte seine Übernahme in die Reichswehr, wo er am 1. Februar 1929 zum Oberst befördert und am 30. September 1929 aus dem aktiven Dienst verabschiedet wurde.
Der Dienstrock alter Art selbst wurde 1928 während der Reichswehr-Ära hergestellt, wie das Schneideretikett “Fritsch, Dresden.N.” mit der handschriftlichen Trägerbezeichnung “Oberst Zeitz, 28.2.28.” in der unteren Innentasche dokumentiert. Dieser alte Dienstrock wurde während der Weimarer Reichswehr eingeführt und sollte ursprünglich durch den neuen M35-Waffenrock ersetzt werden, der am 29. Juni 1935 eingeführt wurde. Die Beliebtheit des alten Dienstrocks bei älteren Offizieren führte jedoch dazu, dass die Auslaufperiode zunächst bis zum 31. März 1941 für alle Offiziere verlängert wurde. Offiziere unterhalb des Generalsrangs erhielten ein Auslaufdatum bis zum 31. März 1942, während Offiziere mit Generalsrang den alten Dienstrock bis zum Kriegsende tragen durften.
Die Uniform besteht aus elegantem feldgrauem Gabardine mit dunkelgrünem Kragen, wobei die Knopfleiste mit acht Knöpfen und roter Paspelierung versehen ist. Die eingenähten Schulterstücke tragen schweres Generalsgeflecht, darunter mit dünner goldener Litze als Kennzeichen eines Generals außer Dienst oder zur Disposition. Die Kragenspiegel für Generale sind in der großen Vorkriegsausführung mit Goldstickerei auf rotem Grund maschinell vernäht. Der Brustadler wurde in Gold-Metallfaden handgestickt auf dunkelgrün und per Hand vernäht. Auf der Brust befinden sich Schlaufen für eine lange Feldspange und das Eiserne Kreuz 1914 1. Klasse. Das Innenfutter ist aus grünem Seidenstoff gefertigt.
Die dazugehörige lange Hose aus steingrauem Tuch zeichnet sich durch die breiten, roten Lampassen aus, die Generale und Generalstabsoffiziere in scharlachroter oder karminroter Farbe trugen. Unten verfügt die Hose über Stege für die Stiefeletten. Der Dienstrock alter Art sowie die steingraue Hose alter Art und die Feldmütze alter Art identifizierten den Träger als mutmaßlichen Reichswehr-Veteranen.
Am 1. Oktober 1933 trat Zeitz als Oberst (E) beim Stab des II. Armeekorps wieder in die Reichswehr ein. Im Jahr 1939 diente er beim Stab der 4. Armee. Vom 1. Mai 1940 bis zum 5. Januar 1942 fungierte er als Höherer Kraftfahr Offizier bei der 4. Armee. Am 1. Februar 1941 erfolgte seine Beförderung zum Generalmajor und die Rückkehr in den aktiven Dienst. Vom 11. März 1942 bis Frühjahr 1944 war er im Stab der 7. Armee tätig. Am 30. April 1944 schied er aus dem Dienst aus.
Die Wehrmacht-Uniformen entstanden während der nationalsozialistischen Periode im Kontext der Wehrmacht-Aufrüstung ab 1935. Die verantwortlichen Designer übernahmen viele Traditionen der Reichswehr. Im Sommer 1935 wurde der Waffenrock eingeführt, der den Dienstrock alter Art als Parade-, Wach-, Gesellschafts- und Ausgehuniform ersetzen sollte. Der Dienstrock alter Art wurde jedoch bis zum Kriegsende beibehalten und manchmal sogar neu hergestellt.
Offiziere und bestimmte höhere Unteroffiziersränge waren dafür verantwortlich, ihre eigenen Uniformen bei den Bekleidungsdepots der Streitkräfte zu kaufen oder privat Kleidungsstücke höherer Qualität zu erwerben. Diese Uniform wurde um 1936/38 während der Vorkriegszeit hergestellt und ab 1941 als Generalmajor getragen. Das Ensemble zeigt deutliche Gebrauchsspuren mit alten Reparaturen und kleinen Flickstellen im Seidenfutter sowie einigen kleinen Mottenlöchern in der Hose, was die intensive Nutzung über viele Jahre hinweg belegt. Es handelt sich um eine schöne, über viele Jahre getragene Generalsuniform in unberührtem Originalzustand.