Preussen Eisernes Kreuz 1914 1. Klasse - Paul Meybauer mit Schraubbefestigung

Eisenkern leicht gewölbt. Rückenplatte mit Gewindestange und Punze 800 und Wappenschild, EK-förmige Unterlegscheibe mit Punze 500, Bügelmutter mit Punze 800 und D.R.G.M. 653146.

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650,00

Preussen Eisernes Kreuz 1914 1. Klasse - Paul Meybauer mit Schraubbefestigung

Das Preußische Eiserne Kreuz 1. Klasse von 1914 stellt eine der bedeutendsten militärischen Auszeichnungen des Deutschen Kaiserreichs während des Ersten Weltkriegs dar. Diese besondere Variante wurde vom renommierten Berliner Hersteller Paul Meybauer gefertigt, einem der wichtigsten Produzenten militärischer Orden und Ehrenzeichen der wilhelminischen Ära.

Das Eiserne Kreuz wurde ursprünglich am 10. März 1813 durch König Friedrich Wilhelm III. von Preußen während der Befreiungskriege gegen Napoleon gestiftet. Die Auszeichnung war revolutionär für ihre Zeit, da sie unabhängig vom militärischen Rang verliehen werden konnte und somit auch einfachen Soldaten zugänglich war. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs erneuerte Kaiser Wilhelm II. am 5. August 1914 die Stiftung des Eisernen Kreuzes durch Allerhöchste Kabinettsorder.

Die 1. Klasse des Eisernen Kreuzes unterschied sich wesentlich von der häufiger verliehenen 2. Klasse. Während die 2. Klasse am Band getragen wurde, war die 1. Klasse als Ansteckkreuz konzipiert und wurde direkt an der Uniform befestigt. Die Verleihung der 1. Klasse setzte in der Regel den vorherigen Besitz der 2. Klasse voraus und erfolgte für herausragende Tapferkeit oder bedeutende militärische Leistungen.

Das vorliegende Exemplar zeigt die charakteristischen Merkmale der Meybauer-Produktion. Der leicht gewölbte Eisenkern ist typisch für die hochwertige Verarbeitung dieser Manufaktur. Die Rückenplatte trägt eine Gewindestange zur Befestigung sowie mehrere Punzen: die Silberpunze 800 und einen Wappenschild, der als Herstellermarke dient. Die EK-förmige Unterlegscheibe ist mit der Punze 500 versehen, was auf eine niedrigere Silberlegierung hinweist. Die Bügelmutter trägt ebenfalls die Punze 800 sowie die Reichsgebrauchsmuster-Nummer D.R.G.M. 653146.

Paul Meybauer führte seine Werkstatt in der Berliner Breiten Straße und gehörte zu den privilegierten Hoflieferanten. Seine Firma war bekannt für die präzise Verarbeitung und die Verwendung hochwertiger Materialien. Die verschiedenen Silberpunzen auf diesem Stück belegen die sorgfältige Materialauswahl und entsprechen den damaligen gesetzlichen Vorschriften für Edelmetallwaren im Deutschen Reich.

Die Schraubbefestigung war das bevorzugte System für die 1. Klasse des Eisernen Kreuzes, da es eine sichere und dauerhafte Anbringung an der Uniform ermöglichte. Im Gegensatz zu Nadelbefestigungen bot das Schraubsystem größere Stabilität, was besonders im Fronteinsatz von Bedeutung war. Die EK-förmige Unterlegscheibe verteilte den Druck auf die Uniformstoffe und verhinderte ein Durchreißen.

Die D.R.G.M.-Nummer (Deutsches Reichsgebrauchsmuster) dokumentiert, dass diese spezielle Konstruktion patentrechtlich geschützt war. Das Reichsgebrauchsmuster war ein vereinfachtes Schutzrecht, das zwischen 1891 und 1945 im Deutschen Reich existierte und technische Neuerungen schützte, die nicht die Anforderungen für ein vollwertiges Patent erfüllten.

Während des Ersten Weltkriegs wurden etwa 218.000 Exemplare des Eisernen Kreuzes 1. Klasse verliehen, was im Vergleich zu den über 5 Millionen verliehenen Kreuzen 2. Klasse die Seltenheit und Bedeutung dieser Auszeichnung unterstreicht. Die Träger kamen aus allen Waffengattungen: Infanterie, Kavallerie, Artillerie, sowie zunehmend auch aus den neuen technischen Truppen wie Fliegern und Panzersoldaten.

Die Kombination verschiedener Silberlegierungen in einem Stück war bei Meybauer durchaus üblich. Die hochwertigere 800er-Legierung wurde für sichtbare und mechanisch beanspruchte Teile verwendet, während die 500er-Legierung für weniger exponierte Komponenten ausreichte. Diese Praxis erlaubte eine Kostenoptimierung ohne Qualitätsverlust bei den wesentlichen Bauteilen.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Zusammenbruch der Monarchie 1918 verlor das Eiserne Kreuz zunächst seine offizielle Bedeutung, blieb aber als Symbol militärischer Tapferkeit in der öffentlichen Wahrnehmung präsent. Die Träger durften ihre Auszeichnungen auch in der Weimarer Republik weiterhin tragen, was die bleibende gesellschaftliche Anerkennung dieser Ehrung dokumentiert.

Heute sind Eiserne Kreuze 1. Klasse von Paul Meybauer begehrte Sammlerstücke und historische Dokumente. Sie zeugen von der handwerklichen Qualität deutscher Ordensmanufakturen und der militärischen Kultur des Kaiserreichs. Die detaillierte Punzierung und Kennzeichnung ermöglicht eine präzise Zuordnung und Datierung, was diese Stücke zu wertvollen Quellen für die militärhistorische Forschung macht.