Preußen Kartuschkasten für Offiziere in einem Jäger-Regiment zu Pferde

Kammerstück, um 1910. Schwarzes Lackleder. Innen mit nicht mehr lesbarem Kammerstempel. Der Lack mit feinen Rissen, Zustand 2 .
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650,00

Preußen Kartuschkasten für Offiziere in einem Jäger-Regiment zu Pferde

Die Kartuschkasten (auch Patronentasche genannt) für Offiziere in den preußischen Jäger-Regimentern zu Pferde stellt ein bedeutendes Ausrüstungsstück der kaiserlichen Armee dar. Das vorliegende Exemplar aus der Zeit um 1910 repräsentiert die Standardausführung für berittene Offiziere der Jägereinheiten kurz vor dem Ersten Weltkrieg.

Die Jäger-Regimenter zu Pferde bildeten innerhalb der preußischen Kavallerie eine besondere Waffengattung. Sie entstanden aus der Tradition der leichten Kavallerie und kombinierten die Beweglichkeit berittener Truppen mit der Feuerkraft von Jägern. Die ersten preußischen Jäger zu Pferde wurden bereits im 18. Jahrhundert aufgestellt, doch ihre organisatorische Konsolidierung erfolgte im Laufe des 19. Jahrhunderts. Bis 1910 existierten in der preußischen Armee dreizehn Jäger-Regimenter zu Pferde sowie die Jäger-Regiment zu Pferde der Garde.

Der Kartuschkasten diente zur Aufbewahrung von Munition und war ein unverzichtbarer Bestandteil der Offiziersausrüstung. Im Gegensatz zu den Mannschaften, die standardisierte Patronentaschen aus robusterem Material trugen, waren Offizierskartuschen aus hochwertigem schwarzen Lackleder gefertigt. Diese Materialwahl entsprach dem Status und der Würde des Offizierskorps und folgte den strengen Bekleidungsvorschriften der preußischen Armee.

Die Königlich-Preußischen Armee-Verordnungen regelten penibel die Ausführung und das Tragen militärischer Ausrüstungsgegenstände. Für Offiziere der Jäger-Regimenter zu Pferde waren spezifische Vorschriften erlassen, die sich von denen anderer Kavallerie-Regimenter unterschieden. Die schwarze Farbe des Lederwerks korrespondierte mit den traditionellen Farben der Jäger-Einheiten und stellte einen bewussten Kontrast zu den helleren Lederarbeiten anderer Kavallerie-Formationen dar.

Der im Inneren des Kartuschkastens angebrachte Kammerstempel identifizierte das Stück als Kammerstück, also als Eigentum der militärischen Kammer. Solche Stempel enthielten üblicherweise Informationen über die Beschaffungsstelle, das Jahr der Anfertigung oder Ausgabe und gelegentlich die Regimentszugehörigkeit. Die Tatsache, dass dieser Stempel nicht mehr lesbar ist, schmälert nicht die historische Bedeutung des Objekts, erschwert jedoch eine präzise Zuordnung zu einer bestimmten Einheit.

Die Periode um 1910 markiert eine Zeit intensiver militärischer Modernisierung in Deutschland. Unter Kaiser Wilhelm II. und der Leitung des preußischen Kriegsministeriums wurden die Streitkräfte kontinuierlich erweitert und modernisiert. Die Jäger-Regimenter zu Pferde spielten in den militärstrategischen Planungen eine wichtige Rolle als Aufklärungs- und Sicherungstruppen. Sie sollten im Kriegsfall die Vorhut der Armeen bilden und feindliche Bewegungen erkunden.

Die Verwendung von Lackleder für Offiziersausrüstung hatte sowohl praktische als auch repräsentative Gründe. Das lackierte Leder bot einen gewissen Schutz gegen Feuchtigkeit und Witterungseinflüsse und ließ sich relativ leicht reinigen und pflegen. Die glänzende schwarze Oberfläche verlieh der Ausrüstung zudem ein elegantes, militärisches Erscheinungsbild, das dem Selbstverständnis des preußischen Offizierskorps entsprach. Die im vorliegenden Stück sichtbaren feinen Risse im Lack sind typische Alterserscheinungen und zeugen von der über hundertjährigen Geschichte des Objekts.

Die Trageweise der Kartuschkasten war genau vorgeschrieben. Offiziere trugen sie an einem Bandelier über der Schulter, wobei die Position und Art des Tragens je nach Anlass variierte. Bei Paraden und feierlichen Gelegenheiten war die vollständige Adjustierung mit Kartuschkasten obligatorisch, während im Feld praktischere Erwägungen die Ausstattung bestimmten.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 änderte sich die Rolle der Kavallerie grundlegend. Die moderne Kriegsführung mit Maschinengewehren, Artillerie und befestigten Stellungen ließ den traditionellen Einsatz berittener Truppen zunehmend obsolet werden. Dennoch blieben die Jäger-Regimenter zu Pferde während des gesamten Krieges im Einsatz, wenn auch in veränderter Funktion. Viele wurden später abgesessen und als Infanterie oder in spezialisierten Rollen eingesetzt.

Nach dem Ende des Kaiserreichs 1918 und der Auflösung der alten Armee gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrags wurden die traditionellen Jäger-Regimenter zu Pferde aufgelöst. Ihre Ausrüstungsstücke, einschließlich der Offiziers-Kartuschen, wurden teils vernichtet, teils verkauft oder gingen in Privatbesitz über. Solche Objekte wurden zu wichtigen Erinnerungsstücken und Sammelobjekten, die die Geschichte der preußisch-deutschen Militärtradition dokumentieren.

Der vorliegende Kartuschkasten ist somit nicht nur ein funktionales militärisches Ausrüstungsstück, sondern auch ein materielles Zeugnis der preußischen Militärkultur, der spezifischen Tradition der Jäger-Regimenter zu Pferde und der Epoche des Deutschen Kaiserreichs kurz vor seinem Untergang im Ersten Weltkrieg.