Frankreich gerahmter kolorierter Druck «Chasseur des Barrières de Paris (1790)»
Der hier vorliegende kolorierte Druck stellt einen Chasseur des Barrières de Paris aus dem Jahr 1790 dar und wurde um 1900 angefertigt. Dieses Werk gehört zu einer langen Tradition militärhistorischer Druckgraphik, die besonders im 19. und frühen 20. Jahrhundert große Beliebtheit erlangte, als das Interesse an der napoleonischen Ära und der Französischen Revolution einen Höhepunkt erreichte.
Die Chasseurs des Barrières waren eine spezielle militärische Einheit, die während der frühen Phase der Französischen Revolution in Paris etabliert wurde. Im Jahr 1790 befand sich Frankreich in einem tiefgreifenden Umbruch: Die Nationalversammlung hatte bereits die feudalen Privilegien abgeschafft, und die alte königliche Ordnung wurde schrittweise durch neue republikanische Strukturen ersetzt. In diesem Kontext war die Sicherung der Stadt Paris und insbesondere ihrer Barrieren – der Zollstationen und Stadttore – von entscheidender Bedeutung.
Die Barrières de Paris waren nicht nur administrative Kontrollpunkte für den Warenverkehr und die Erhebung der Octroi-Steuern, sondern auch strategische militärische Positionen. Die Mauer von Paris, die sogenannte Mur des Fermiers généraux, war zwischen 1784 und 1791 errichtet worden und umfasste etwa 60 Barrieren. Diese Zollmauer war äußerst unpopulär bei der Bevölkerung, da sie die Lebensmittelpreise in die Höhe trieb – ein Umstand, der zur revolutionären Stimmung beitrug.
Die Chasseurs, die diese Barrieren bewachten, waren Teil der sich neu formierenden Nationalgarde und anderer revolutionärer Militärformationen. Der Begriff “Chasseur” bezeichnete traditionell Leichtinfanterie oder Jäger, Soldaten, die für ihre Beweglichkeit und Schützenfähigkeiten bekannt waren. Im Kontext von 1790 repräsentierten diese Einheiten die neue revolutionäre Ordnung und standen im Gegensatz zu den alten königlichen Truppen.
Die Uniformierung der revolutionären Truppen war in dieser Übergangszeit noch nicht standardisiert. Die Jahre zwischen 1789 und 1793 waren geprägt von einer großen Vielfalt an Uniformen und militärischen Ausrüstungen. Oft trugen die Soldaten eine Mischung aus alten königlichen Uniformteilen und neu eingeführten revolutionären Elementen. Die Trikolore – Blau, Weiß und Rot – begann sich als nationales Symbol durchzusetzen und fand sich zunehmend in Kokarden, Fahnen und Uniformdetails wieder.
Solche kolorierten Drucke, wie das hier beschriebene Exemplar aus der Zeit um 1900, waren Teil eines florierenden Marktes für militärhistorische Darstellungen. Sammler, Militärhistoriker und Veteranenvereinigungen interessierten sich gleichermaßen für diese Visualisierungen historischer Uniformen. Künstler und Verleger wie Édouard Detaille, Alphonse Lalauze und Lucien Rousselot schufen detaillierte Rekonstruktionen historischer Uniformen, die auf archivalischen Quellen, zeitgenössischen Beschreibungen und erhaltenen Uniformteilen basierten.
Die Authentizität solcher Darstellungen variierte erheblich. Während einige Künstler akribisch recherchierten und sich eng an historische Vorlagen hielten, nahmen andere künstlerische Freiheiten in Anspruch. Die Kolorierung erfolgte typischerweise von Hand oder mittels Schablonendruckverfahren, was jedem Exemplar einen individuellen Charakter verlieh.
Der historische Kontext von 1790 ist besonders bedeutsam: Frankreich stand am Beginn einer radikalen Transformation. König Ludwig XVI. war noch im Amt, aber seine Macht war bereits stark eingeschränkt. Die Fête de la Fédération am 14. Juli 1790 auf dem Champ de Mars symbolisierte die Hoffnung auf eine konstitutionelle Monarchie und nationale Einheit. Doch die zunehmende Radikalisierung der Revolution würde bald zu weiteren Umwälzungen führen.
Die militärische Organisation dieser Periode war geprägt von der Notwendigkeit, neue Streitkräfte aufzubauen, die der revolutionären Regierung loyal ergeben waren. Die alte königliche Armee war unzuverlässig geworden, viele Offiziere aus dem Adel emigrierten, und die einfachen Soldaten sympathisierten oft mit revolutionären Ideen. Die Nationalgarde unter Lafayette und andere neue Formationen sollten diese Lücke füllen.
Für Sammler und Historiker bieten solche Drucke aus der Zeit um 1900 wertvolle Einblicke in die damalige Wahrnehmung und Interpretation der Revolutionszeit. Sie spiegeln das historische Bewusstsein der Belle Époque wider, als das französische Bürgertum seine revolutionären Wurzeln gleichzeitig romantisierte und historisch zu verstehen suchte. Die sorgfältige Rahmung und Präsentation solcher Drucke unterstreicht ihren Status als geschätzte Sammlerstücke und Bildungsmittel.