NSFK - farbige Propaganda-Postkarte - " Lernt Fliegen ! "
NSFK-Propagandapostkarte “Lernt Fliegen!” - Historischer Kontext
Die vorliegende farbige Propagandapostkarte des Nationalsozialistischen Fliegerkorps (NSFK) mit der Aufschrift “Lernt Fliegen!” repräsentiert ein bezeichnendes Beispiel der nationalsozialistischen Luftfahrtpropaganda der 1930er und frühen 1940er Jahre. Diese Art von Postkarten wurde gezielt eingesetzt, um die Begeisterung für die Fliegerei in der deutschen Bevölkerung zu fördern und junge Menschen für die Luftwaffe zu rekrutieren.
Das Nationalsozialistische Fliegerkorps
Das NSFK wurde am 17. April 1937 gegründet und vereinte verschiedene zivile Luftsportorganisationen unter nationalsozialistischer Führung. Als Nachfolgeorganisation des Deutschen Luftsportverbandes (DLV) unterstand es direkt dem Korpsführer, der eng mit dem Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe zusammenarbeitete. Hermann Göring, der beide letztgenannten Ämter innehatte, nutzte das NSFK als paramilitärische Vorschule für die Luftwaffe.
Die Organisation hatte mehrere Hauptaufgaben: die fliegerische Ausbildung junger Deutscher, die Verbreitung des Luftfahrtgedankens in der Bevölkerung und die Vorbereitung von Nachwuchskräften für die militärische Luftfahrt. Bis 1939 hatte das NSFK bereits über 5.000 Segelflugschüler ausgebildet und verfügte über ein weitverzweigtes Netz von Ausbildungsstätten im gesamten Deutschen Reich.
Propagandapostkarten als Instrument
Postkarten waren im Dritten Reich ein beliebtes und effektives Propagandamedium. Sie waren kostengünstig zu produzieren, leicht zu verbreiten und erreichten durch das Postsystem einen breiten Bevölkerungskreis. Die Kennzeichnung “L In 9” verweist auf die amtliche Genehmigung durch das Luftfahrtministerium und zeigt die enge Verzahnung zwischen staatlichen Stellen und Propagandaaktivitäten.
Solche Postkarten wurden bei verschiedenen Anlässen verteilt: bei Luftfahrtausstellungen, Flugtagen, in Schulen und bei NSFK-Veranstaltungen. Die Aufschrift “Lernt Fliegen!” war ein direkter Aufruf an die Jugend, sich der Fliegerei zu widmen - ein Appell, der sowohl romantische Vorstellungen vom Fliegen als auch militärische Zwecke verband.
Gestaltung und Ikonographie
Farbige Postkarten waren in der damaligen Zeit aufwendiger in der Herstellung als einfache Schwarz-Weiß-Drucke, was ihren besonderen Propagandawert unterstreicht. Typischerweise zeigten NSFK-Propagandakarten Motive wie Segelflugzeuge, junge Flieger in Uniform, Flugzeugformationen oder symbolische Darstellungen des Fliegens. Die Farbgestaltung folgte oft den nationalsozialistischen Farbcodes mit prominenter Verwendung von Rot, Weiß und den Organisationsfarben des NSFK.
Die Rolle der vorbereitenden Fliegerausbildung
Das NSFK-System der Fliegerausbildung war mehrstufig organisiert. Es begann mit theoretischem Unterricht in Flieger-Ortsgruppen, setzte sich fort mit Segelflugausbildung und konnte in der motorisierten Fliegerei münden. Diese Ausbildung war für die Teilnehmer oft kostenlos oder stark subventioniert - ein erheblicher Anreiz für junge Menschen aus allen sozialen Schichten.
Die Ausbildung im NSFK galt offiziell als “vormilitärisch”, diente aber faktisch der systematischen Vorbereitung auf den Dienst in der Luftwaffe. Mit Kriegsbeginn 1939 wurde diese Funktion noch deutlicher, und das NSFK wurde zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Luftwaffenrekrutierung.
Historische Einordnung
Die Postkarte muss im Kontext der nationalsozialistischen Aufrüstungspolitik gesehen werden. Nach der Wiedereinführung der Wehrpflicht 1935 und der offenen Proklamation der Luftwaffe verstärkte das Regime seine Bemühungen, eine große Zahl ausgebildeter Flieger bereitzustellen. Das NSFK spielte dabei eine Schlüsselrolle.
Gleichzeitig spiegelt die Postkarte die Faszination der Zwischenkriegszeit für die Luftfahrt wider. Flieger galten als moderne Helden, und die Fliegerei symbolisierte technischen Fortschritt und nationale Stärke. Diese romantische Verklärung wurde vom Regime geschickt für seine militärischen Zwecke instrumentalisiert.
Sammlerwert und historische Bedeutung
Heute sind solche NSFK-Postkarten wichtige zeithistorische Dokumente. Sie dokumentieren die Propagandamethoden des Dritten Reiches und die Militarisierung der Gesellschaft. Der Zustand “gelaufen” bedeutet, dass diese Karte tatsächlich postalisch verwendet wurde, was ihren dokumentarischen Wert erhöht - sie war nicht nur Propagandamaterial, sondern wurde als reguläre Postkarte benutzt und erfüllte damit ihre doppelte Funktion als Kommunikationsmittel und Propagandaträger.
Für Militärhistoriker und Sammler bieten solche Objekte Einblicke in die Alltagspropaganda des NS-Regimes und die Methoden der Massenmobilisierung für militärische Zwecke.