Wehrmacht Afrikakorps Kradmantel M 41 für einen Feldwebel der Artillerie bzw. Sturmartillerie
Der Kradmantel M 41 (Kraftradmantel Modell 1941) stellt eines der charakteristischsten Bekleidungsstücke der deutschen Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs dar. Dieses spezielle Exemplar in Tropenausführung für das Deutsche Afrikakorps kombiniert funktionale Militärkleidung mit den besonderen Anforderungen des Wüstenkriegs in Nordafrika zwischen 1941 und 1943.
Die Entwicklung spezieller Motorradmäntel für militärische Zwecke geht auf die zunehmende Motorisierung der Wehrmacht in den 1930er Jahren zurück. Kradmelder (Kraftradmelder) spielten eine zentrale Rolle in der militärischen Kommunikation, da sie Nachrichten und Befehle zwischen verschiedenen Einheiten übermittelten, oft unter gefährlichen Bedingungen und bei jedem Wetter. Der charakteristische Schnitt des Kradmantels berücksichtigte die besonderen Anforderungen des Motorradfahrens: verlängerter Rücken, weite Ärmel für Bewegungsfreiheit und robuste Materialien.
Das vorliegende Stück wurde von der Uniformfabrik Erlangen im Jahr 1941 hergestellt, wie der Kammerstempel belegt. Erlangen war einer von mehreren wichtigen Standorten der deutschen Uniformproduktion während des Krieges. Die Kennzeichnung “F 41” verweist auf das Fertigungsjahr 1941, ein entscheidendes Jahr für das Afrikakorps.
Die Tropenausführung unterschied sich in mehreren wesentlichen Aspekten von den Standardmodellen für europäische Theater. Das schwere olivfarbene Leinentuch bot Schutz vor Sand und Sonne, während es gleichzeitig atmungsaktiver war als die dunkleren Wollstoffe der Standarduniformen. Die olivgrün lackierten Knöpfe verhinderten Reflexionen in der intensiven nordafrikanischen Sonne und korrodierten weniger schnell unter den extremen klimatischen Bedingungen der Wüste.
Die Schulterstücke mit Schlaufen in Tropenausführung zeigen den Rang eines Feldwebels (Unteroffizier mit Portepee) der Artillerie oder Sturmartillerie an. Die Waffenfarbe Rot kennzeichnete traditionell die Artillerie in der deutschen Armee. Die Sturmartillerie, eine innovative Waffengattung, die gepanzerte Selbstfahrlafetten einsetzte, wurde 1940 offiziell als eigenständige Truppengattung etabliert und übernahm ebenfalls die rote Waffenfarbe.
Das Deutsche Afrikakorps wurde im Februar 1941 unter dem Kommando von Generalleutnant Erwin Rommel aufgestellt und nach Libyen entsandt, um die italienischen Verbündeten zu unterstützen. Die besonderen Herausforderungen des Wüstenkriegs erforderten speziell angepasste Ausrüstung und Bekleidung. Extreme Temperaturschwankungen, allgegenwärtiger Sand, intensive Sonneneinstrahlung und begrenzte Versorgungsmöglichkeiten stellten besondere Anforderungen an Material und Konstruktion.
Kradmelder im Afrikakorps erfüllten lebenswichtige Aufgaben. In der weitläufigen Wüstenlandschaft, wo Funkkommunikation durch atmosphärische Bedingungen oder feindliche Störsender beeinträchtigt werden konnte, blieben Motorradkuriere oft die zuverlässigste Verbindung zwischen den Einheiten. Sie befuhren primitive Wüstenpisten, navigierten durch Sandstürme und überbrachten Befehle, die kriegsentscheidend sein konnten.
Die Bezeichnung als Kammerstück weist darauf hin, dass dieser Mantel aus einem offiziellen Militärdepot oder einer Sammlung stammt. Der hervorragende Erhaltungszustand “nur leicht getragen, Zustand 2” ist für ein über 80 Jahre altes Kleidungsstück bemerkenswert und deutet darauf hin, dass es entweder wenig im Einsatz war oder sorgfältig gelagert wurde.
Die Uniformfabrik Erlangen produzierte während des gesamten Krieges Uniformen und Ausrüstung für die Wehrmacht. Die Qualität der Fertigung und die vollständige Erhaltung aller Komponenten dieses Mantels zeugen von der hohen handwerklichen Qualität der deutschen Uniformproduktion zu Beginn des Krieges, bevor Materialknappheit und Produktionsdruck die Standards beeinträchtigten.
Heute stellen solche Originalstücke wichtige historische Dokumente dar, die Einblick in die materielle Kultur des Zweiten Weltkriegs geben. Sie dokumentieren nicht nur militärische Organisationsstrukturen und Rangabzeichen, sondern auch die technologischen und industriellen Kapazitäten der Zeit sowie die praktischen Anforderungen des Krieges in verschiedenen geografischen und klimatischen Regionen.