Deutsches Reich 1871-1918 Fotopostkarte "Ankunft der Kaiserin 28.6.08."

Zustand 2.
427897
15,00

Deutsches Reich 1871-1918 Fotopostkarte "Ankunft der Kaiserin 28.6.08."

Die vorliegende Fotopostkarte aus dem Deutschen Kaiserreich dokumentiert die Ankunft einer Kaiserin am 28. Juni 1908 und repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis der wilhelminischen Ära und ihrer visuellen Kultur. Solche Postkarten waren im frühen 20. Jahrhundert ein bedeutendes Medium zur Verbreitung von Informationen über das Kaiserhaus und spielten eine wichtige Rolle in der Konstruktion des monarchischen Herrschaftsbildes.

Im Jahr 1908 war Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg (1858-1921) die deutsche Kaiserin und Königin von Preußen, Gemahlin von Kaiser Wilhelm II. Die Kaiserin war für ihre konservative Haltung und ihre tiefe Religiosität bekannt und erfüllte repräsentative Pflichten im gesamten Reich. Ihre öffentlichen Auftritte wurden sorgfältig inszeniert und dokumentiert, wobei Fotografien und Postkarten als moderne Massenmedien dienten.

Das Medium der Fotopostkarte erlebte im Deutschen Reich zwischen 1890 und 1918 eine außerordentliche Blütezeit. Nach der Einführung der Postkarte durch die Reichspost im Jahr 1870 entwickelte sich besonders ab den 1890er Jahren durch verbesserte fotografische Reproduktionstechniken ein regelrechter Boom. Die Ansichtskarte wurde zum populärsten Kommunikationsmittel der Epoche, wobei Motive aus dem Leben des Kaiserhauses besonders begehrt waren.

Die Herstellung solcher Karten erfolgte durch spezialisierte Verlage und Fotografen, die oft offizielle oder halboffizielle Genehmigungen besaßen. Die Fotografien wurden in Druckereien auf Karton übertragen, wobei verschiedene Verfahren wie Lichtdruck, Fotolithografie oder Bromsilbergelatinedruck zum Einsatz kamen. Die Rückseite war standardisiert nach den Vorgaben der Reichspost gestaltet, mit einem geteilten Feld für Adresse und Mitteilung.

Kaiserliche Reisen und Besuche waren im wilhelminischen Deutschland sorgfältig choreografierte Staatsakte. Die Anwesenheit der Kaiserin in einer Stadt oder Region stellte eine besondere Ehre dar und wurde mit großem Aufwand vorbereitet. Lokale Behörden, Militäreinheiten und die Bevölkerung bereiteten Empfänge vor, die das monarchische Prinzip visualisierten und die Bindung zwischen Herrscherhaus und Untertanen demonstrieren sollten.

Die Datierung auf den 28. Juni 1908 ordnet das Ereignis in eine relativ stabile Phase des Kaiserreichs ein, noch vor den großen außenpolitischen Krisen, die zum Ersten Weltkrieg führen sollten. Das Jahr 1908 war geprägt von innenpolitischen Debatten, wirtschaftlichem Wachstum und der fortschreitenden Industrialisierung. Die Monarchie versuchte durch solche öffentlichen Auftritte ihre Legitimität und Volksnähe zu demonstrieren.

Der Sammlerwert solcher Postkarten liegt heute in ihrer Funktion als historische Quelle. Sie dokumentieren nicht nur spezifische Ereignisse, sondern geben auch Einblick in die visuelle Propaganda des Kaiserreichs, die Mode der Zeit, architektonische Verhältnisse und die Inszenierung von Herrschaft. Für die Forschung sind diese Karten wertvoll zur Rekonstruktion von Reiserouten, öffentlichen Ereignissen und der Rezeption des Kaiserhauses in der Bevölkerung.

Die Zustandsangabe “2” entspricht in der üblichen Klassifizierung für Militaria und historische Dokumente einem guten bis sehr guten Erhaltungszustand mit möglicherweise geringfügigen Gebrauchsspuren. Dies ist bemerkenswert, da Postkarten als Gebrauchsgegenstände oft verschickt, beschrieben und abgestempelt wurden, was ihre Erhaltung beeinträchtigte.

Im Kontext der Militärgeschichte sind solche Dokumente relevant, da sie die zivil-militärische Verbindung im Kaiserreich illustrieren. Militärische Ehrenformationen gehörten standardmäßig zu kaiserlichen Empfängen, und die Verbindung zwischen Monarchie und Armee war ein Grundpfeiler des preußisch-deutschen Staatswesens. Die visuelle Dokumentation dieser Ereignisse diente auch der Stärkung des militärischen Prestiges und der Loyalität der Streitkräfte zur Dynastie.

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