Österreich/K.u.K.-Monarchie Tschako für subalterne Offiziere der Artillerie (Leutnant/Oberleutnant)

Um 1910. Leichter Tschako, komplett mit allen Effekten. Der Korpus des Tschakos aus aus Blech (!) gefertigt und mit schwarzem Stoff bezogen. Unterhalb des Deckels mit umlaufender breiter goldener Stoffborte mit schwarzen Durchzügen. Vorne das vergoldete Helmemblem mit Doppeladler und dem Monogramm «FJI». Panzerkettchen an seitlichen Löwenköpfen. Der Vorderschirm mit goldener Borte. Goldfarbengestickte Kokarde mit dem Monogramm «FJI» mit schwarzem Rosshaarbusch. Innen mit braunem Lederschweißband und purpurfarbenem Seidenfutter. Größe «57 ½». Komplett mit dem selten überlieferten (!) schwarzen Öltuch-Überzug. Im original Koffer. Der Tuchbezug des Tschakos mit Mottenschäden, der Verschlussriemen des Koffers fehlt. Zustand 2-
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1.600,00

Österreich/K.u.K.-Monarchie Tschako für subalterne Offiziere der Artillerie (Leutnant/Oberleutnant)

Der Tschako für subalterne Offiziere der k.u.k. Artillerie repräsentiert einen charakteristischen Bestandteil der österreichisch-ungarischen Militäruniform in der späten Phase der Donaumonarchie. Dieses spezielle Exemplar, datierbar um 1910, verkörpert die militärische Ästhetik und hierarchische Ordnung der Habsburgermonarchie in ihren letzten Friedensjahren vor dem Ersten Weltkrieg.

Die subalternen Offiziere – also Leutnante und Oberleutnante – bildeten das Rückgrat der Offizierskorps der k.u.k. Armee. Ihre Kopfbedeckungen unterschieden sich deutlich von jenen der Mannschaften und der höheren Offiziersränge, wobei die Unterschiede in Material, Verarbeitung und Dekoration die strenge Hierarchie der kaiserlichen Armee widerspiegelten. Der Tschako als Kopfbedeckung hatte in der österreichischen Armee eine lange Tradition, die bis ins frühe 19. Jahrhundert zurückreichte.

Die Konstruktion dieses Tschakos aus Blech, bezogen mit schwarzem Stoff, war charakteristisch für die Zeit um 1910. Im Gegensatz zu früheren, schwereren Modellen aus Leder oder Filz, repräsentierte diese leichtere Bauweise eine Modernisierung, die den Tragekomfort erheblich verbesserte. Die umlaufende breite goldene Stoffborte mit schwarzen Durchzügen unterhalb des Deckels war ein distinktives Merkmal für Artillerieoffiziere und ermöglichte die sofortige Identifikation der Waffengattung.

Das vergoldete Helmemblem mit dem Doppeladler und dem Monogramm “FJI” verweist auf Kaiser Franz Joseph I., der von 1848 bis 1916 regierte und dessen lange Herrschaft die Identität der k.u.k. Armee maßgeblich prägte. Der Doppeladler, Symbol der habsburgischen Macht seit Jahrhunderten, verkörperte die Einheit der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Die Panzerkettchen an seitlichen Löwenköpfen dienten nicht nur der Dekoration, sondern auch der praktischen Befestigung des Tschakos am Kragen, wenn dieser nicht getragen wurde.

Die Kokarde mit goldfarben gesticktem Monogramm und dem schwarzen Rosshaarbusch war ein wesentliches Erkennungsmerkmal. Der Rosshaarbusch, in Schwarz für die Artillerie, unterschied diese Waffengattung von anderen Truppengattungen, die unterschiedliche Farben trugen. Die Länge und Qualität des Buschs variierten je nach Rang und Verwendungszweck.

Das Innenfutter aus purpurfarbenem Seidenstoff mit braunem Lederschweißband zeugt von der hochwertigen Verarbeitung, die für Offiziersausstattungen typisch war. Die Größenangabe “57 ½” folgte dem österreichischen Maßsystem für Kopfbedeckungen. Offiziere mussten ihre Uniformteile größtenteils selbst beschaffen, was zu individuellen Qualitätsunterschieden führte, wobei jedoch strenge Vorschriften bezüglich der Form und Dekoration eingehalten werden mussten.

Besonders bemerkenswert ist der erhaltene schwarze Öltuch-Überzug. Solche Überzüge dienten dem Schutz der empfindlichen Stoffbezüge bei schlechtem Wetter und waren vorschriftsmäßiger Bestandteil der Ausstattung. Ihre Erhaltung bis heute ist außerordentlich selten, da diese praktischen Gebrauchsgegenstände meist verloren gingen oder durch Verschleiß zerstört wurden.

Die Artillerie genoss in der k.u.k. Armee hohes Ansehen. Als technische Waffengattung zog sie häufig besonders gebildete Offiziere an. Die Ausbildung der Artillerieoffiziere erfolgte an spezialisierten Militärakademien und erforderte mathematische und technische Kenntnisse. Die Uniform und ihre Komponenten, einschließlich des Tschakos, waren Ausdruck dieses Elitestatus.

Der Tschako wurde zu Paraden, Zeremonien und Ausgehmonturen getragen. Für den Felddienst und Manöver existierten andere, praktischere Kopfbedeckungen. Die aufwendige Dekoration und das relativ empfindliche Material machten den Tschako für den Kampfeinsatz ungeeignet. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 verlor der Tschako rasch an Bedeutung, da die praktischen Anforderungen des modernen Krieges andere Lösungen erforderten.

Die Aufbewahrung im Originalkoffer entspricht der militärischen Praxis der Zeit. Offiziere waren für die sachgerechte Lagerung ihrer Ausrüstung selbst verantwortlich. Die erhaltenen Koffer ermöglichen heute Rückschlüsse auf die Transportmethoden und die Sorgfalt, mit der diese wertvollen Uniformteile behandelt wurden.

Dieses Objekt ist somit nicht nur ein militärisches Ausrüstungsstück, sondern ein Zeugnis der untergehenden Welt der Habsburgermonarchie – einer Epoche, die wenige Jahre nach der Entstehung dieses Tschakos im Ersten Weltkrieg ihr Ende fand. Es verkörpert die Tradition, Hierarchie und den Prunk einer jahrhundertealten Armee, die 1918 mit dem Zusammenbruch der Donaumonarchie aufhörte zu existieren.