Preußen Futteral für Querflöte/Pfeife; Infanterie-Regiment Graf Bülow von Dennewitz (6. Westfälisches) Nr. 55

Standort Detmold/Höxter/Bielefeld, um 1910. Schwarzer Lederköcher mit Messingbeschlägen, gestempelt "55". Zustand 2.

Die Pfeife/Flöte wurde von den Hornisten der Fußtruppen geführt. Das Futteral wurde dicht hinter dem Seitengewehr getragen.
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150,00

Preußen Futteral für Querflöte/Pfeife; Infanterie-Regiment Graf Bülow von Dennewitz (6. Westfälisches) Nr. 55

Das vorliegende Futteral für eine Querflöte oder Pfeife stammt aus dem Infanterie-Regiment Graf Bülow von Dennewitz (6. Westfälisches) Nr. 55 der preußischen Armee und datiert um das Jahr 1910. Dieses schwarze Lederetui mit Messingbeschlägen, das deutlich mit der Regimentsnummer “55” gestempelt ist, repräsentiert einen wichtigen Aspekt der militärischen Signalgebung im deutschen Kaiserreich.

Das Regiment und seine Geschichte

Das Infanterie-Regiment Nr. 55 trug den Ehrennamen Graf Bülow von Dennewitz zu Ehren des preußischen Generals Friedrich Wilhelm Bülow von Dennewitz (1755-1816), der sich besonders in den Befreiungskriegen gegen Napoleon auszeichnete. Als 6. Westfälisches Infanterie-Regiment war es in der Provinz Westfalen stationiert, mit Garnisonen in Detmold, Höxter und Bielefeld. Diese Standorte prägten die regionale Verbundenheit des Regiments mit der westfälischen Bevölkerung.

Signalgebung in der Fußtruppe

In der preußischen und später kaiserlich-deutschen Armee spielten akustische Signale eine zentrale Rolle in der taktischen Führung der Truppen. Während berittene Einheiten Trompeten und Kavallerie-Hörner verwendeten, führten die Hornisten der Fußtruppen Pfeifen und Querflöten. Diese Instrumente waren für die Infanterie besonders geeignet, da sie leichter zu transportieren waren und auch im Marsch gespielt werden konnten.

Die Infanteriepfeife diente zur Übermittlung verschiedener Kommandos und Signale auf dem Gefechtsfeld und im Kasernendienst. Durch festgelegte Signalfolgen konnten Befehle wie Antreten, Marschieren, Halt oder verschiedene taktische Manöver über größere Entfernungen übermittelt werden, was in Zeiten vor der elektronischen Kommunikation unerlässlich war.

Konstruktion und Trageweise des Futterals

Das Futteral besteht aus schwarzem Leder, einem robusten und wetterfesten Material, das die empfindliche Flöte vor Beschädigungen und Witterungseinflüssen schützte. Die Messingbeschläge dienten sowohl der Verstärkung als auch der Befestigung am Koppel des Soldaten. Der eingeprägte Stempel “55” identifizierte das Ausrüstungsstück eindeutig als Eigentum des Regiments und erleichterte die Verwaltung und Zuordnung der Ausrüstungsgegenstände.

Gemäß der preußischen Uniform- und Ausrüstungsvorschriften wurde das Futteral dicht hinter dem Seitengewehr am Koppel getragen. Diese Position war sorgfältig gewählt: Die Pfeife blieb leicht zugänglich, behinderte aber weder die Bewegungsfreiheit des Soldaten noch den Zugriff auf andere Ausrüstungsteile. Das Seitengewehr selbst war das Bajonett, das jeder Infanterist am Koppel führte.

Militärmusik und Signaldienst um 1910

Die Zeit um 1910 markierte eine Übergangsphase in der militärischen Kommunikation. Während traditionelle akustische Signale noch zum Standardrepertoire gehörten, hielten allmählich modernere Kommunikationsmittel Einzug. Dennoch blieb die Ausbildung der Hornisten ein wichtiger Bestandteil der militärischen Grundausbildung. Diese Soldaten waren speziell geschult und genossen einen besonderen Status innerhalb ihrer Kompanie.

Die Ausbildung zum Hornisten erforderte musikalisches Talent und Disziplin. Die Signalisten mussten die gesamte Palette der taktischen Signale fehlerfrei beherrschen, da im Gefecht Verwechslungen fatale Folgen haben konnten. Übungsbücher und Reglements der preußischen Armee legten genau fest, welche Signale in welcher Situation zu blasen waren.

Die Bedeutung der Regimentskennung

Die Prägung mit der Nummer “55” folgte dem preußischen System der Regimentsnummerierung, das eine klare Identifizierung aller Truppenteile ermöglichte. Jedes Infanterie-Regiment der preußischen Armee trug eine eindeutige Nummer, die auf allen Ausrüstungsgegenständen, von Tornistern über Koppelschlösser bis hin zu Instrumentenfutteralen, angebracht wurde. Dies diente nicht nur der Verwaltung, sondern auch der Förderung des Korpsgeistes und der Regimentstradition.

Erhaltung und historischer Wert

Solche Ausrüstungsgegenstände sind heute wichtige Zeugnisse der Militärgeschichte des deutschen Kaiserreichs. Sie dokumentieren die materielle Kultur der Armee, die Alltagsrealität der Soldaten und die technischen Standards der Zeit. Das Futteral repräsentiert die Sorgfalt, mit der auch kleinere Ausrüstungsteile behandelt wurden, und die durchdachte Organisation der preußischen Militärverwaltung. Für Sammler und Historiker bieten solche Objekte wertvolle Einblicke in eine Epoche, die mit dem Ersten Weltkrieg dramatisch enden sollte.

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